Tirols Grüne für Passivhäuser aktiv

25. Februar 2007, 18:09
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Partei fordert, dass gemeinnützige Wohnbauten - wie in Vorarlberg üblich - nach Passivhaus-Standard gebaut werden

Innsbruck – Dem Leiter des Föderalismus-Instituts, Peter Bußjäger, dient es gar als Beispiel für die Vorteile föderalistischer Strukturen: "Nehmen Sie den Status, den das Passivhaus in Vorarlberg mittlerweile hat, das international auf reges Interesse stößt. Es ist dies das Resultat einer innovativen Wohnbauförderung des Landes", sagte Bußjäger letzten Herbst dem Standard.

Nun erwacht ein verstärktes Interesse an Vorarlberger Verhältnissen auch in Tirol. Auf Initiative der Grünen wird sich der Märzlandtag mit Anträgen zu einer Reform der Wohnbauförderung befassen, die fachliche Aufbereitung fand mit Unterstützung der IG Passivhaus dieser Tage bei einer Tagung in Innsbruck statt.

Regierungsverordnung in Vorarlberg

In Vorarlberg wurde mit Jahresbeginn ein weiterer Schritt gesetzt, über die finanzielle Förderung hinaus. Alle gemeinnützigen Wohnbauträger sind ab sofort per Regierungsverordnung verpflichtet, Häuser nach Passivhausstandard der derzeit höchsten Ökostufe (drei) zu errichten. Im Passivhaus reichen Sonnenenergie, Wärmeabgabe von Geräten und Körperwärme in Kombination mit dem Lüftungssystem aus, um das Gebäude warm zu halten oder vor Hitze zu schützen.

In Tirol, wo es erst etwa zwei Dutzend private Passivhäuser gibt, hält man bisher am Anreizsystem fest. Seit Jänner 2007 gelten zwar auch dort ökologische Kriterien für die Wohnbauförderung: niedriger Energieverbrauch, klimaschonende Haustechnik und ökologische Bauweise. Nun werden erstmals auch Passivhäuser bei Neubauten wie bei Sanierungen gezielt gefördert.

Um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen, muss zuvor der Heizwärmebedarf errechnet werden. Passivhäuser erhalten mehr Ökopunkte. Die Fördersumme steigt von 15 auf 25 Prozent. Den Tiroler Grünen reicht das Anreizsystem aber nicht aus. Klubchef Georg Willi möchte nicht nur nach dem Vorbild Vorarlbergs das Passivhaus als Standard bei Neubauten im gemeinnützigen Wohnbau, sondern zudem, dass dieser Standard "ab sofort" für alle neuen öffentlichen Bauten gilt. Zudem sollten Neubauten in spätestens fünf Jahren nur noch gefördert werden, wenn sie in Passivbauweise errichtet werden, "von Häusern in besonderer Schattenlage abgesehen".

Energetischer Standard "recht gut"

Der Leiter der Wohnbauförderung des Landes, Otto Flatscher, hält wenig von Verpflichtungen dieser Art. "Nicht nur Passivhäuser sind energiesparend. Der energetische Standard in Tirol ist recht gut". Flatscher ist überzeugt, dass die Anreize ausreichen, um in Tirol "die ambitionierten Ziele des Kioto-Protokolls für 2010 zu erreichen". Er gibt "zu bedenken, dass die Neubauten nur ein Prozent der Gebäude ausmachen". Wichtiger sei es, in Sanierung zu investieren. Und verweist auf den neuen Ökobonus für eine umfassende, "thermisch-energetische Sanierung".

Helmut Krapmeier, der Obmann der IG Passivhaus, rechnet anders: "In 50 Jahren sind 50 Prozent des Gebäudebestandes Neubauten". Der Zeitpunkt sei günstig: "Geld, Material und Technik sind vorhanden". Zwar soll laut jüngster Regierungserklärung ab 2015 österreichweit im geförderten Wohnbau nur noch Passivhausstandard gelten, aber aufkommensneutral. "Dies ist unrealistisch", so Krapmeier. "Es braucht eine Verlagerung bei der Wohnbauförderung und Schwerpunktsetzungen bei den öffentlichen Investititionen". (Benedikt Sauer, DER STANDARD print, 24./25.2.2007)

  • Die Hauptschule in Brixlegg in Tirol wurde bereits in Passivbauweise errichtet
    foto: ig passivhaus

    Die Hauptschule in Brixlegg in Tirol wurde bereits in Passivbauweise errichtet

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