Von Kärnten befreit

7. März 2007, 14:21
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Längerfristig sollte man dieses schöne Bundesland nicht den halblustigen Fantasien seines Landeshauptmanns überlassen - Von Samo Kobenter

Zugegeben, der Reiz eines Ausscheidens Kärntens aus dem Bundesstaatsverband ist nicht von der Hand zu weisen und dürfte auf den verbleibenden Rest Österreichs durchaus nachhaltige Faszination ausüben: So ein Freistaat unter der segensreichen Regentschaft Jörg I. schlösse unmittelbar an die Tradition des freien Herzogtums an, von der die Quellen als großer Zeit der Kärntner Geschichte berichten: Die Herzogseinsetzungen am Fürstenstein, zweisprachig! Die Klostergründungen! Die Zolleinnahmen, die im Land blieben! Kein Wiener Wasserkopf weit und breit! Und was man neben den Abgaben der Vasallen zum Finanzausgleich brauchte, nahm man sich von den durchreisenden Kaufleuten.

Und umgekehrt: Die Bundesregierung könnte ihre Befreiung von Kärnten aufatmend zur Kenntnis nehmen. Neben einer Budgetentlastung von hunderten Millionen Euro jährlich könnte man die Beziehungen zum Freistaat auf eine völlig neue, entspannte informelle Ebene stellen. Der Kärntner Ministerpräsident H. fordert bilaterale Verhandlungen über den Bau eines Tunnels nach Österreich? Bitte wende er sich doch an den zuständigen Honorarkonsul in Klagenfurt oder an den diensthabenden Geschäftsführer der österreichischen Botschaft in Ljubljana/Laibach, der das Gebiet mitbetreut.

Je nach Verlauf der Verhandlungen des Freistaates über einen Beitritt zum Schengener Abkommen wäre natürlich die Frage der Grenzsicherheit zu diskutieren, desgleichen die der Handelsbeziehungen zu einem Nicht-EU-Land, ganz zu schweigen von der Festsetzung des Wechselkurses zwischen Haider-Tolar, pardon, Taler und Euro. Es gäbe viel zu tun, aber es wäre die Mühe wohl wert. Zumindest mittelfristig.

Längerfristig sollte man dieses schöne Bundesland nicht den halblustigen Fantasien seines Landeshauptmanns überlassen, obwohl das manchmal schwer fällt. Das haben sich zumindest zwei Drittel seiner Bewohner trotz allem nicht verdient. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.2.2007)

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