[dag] Daham und Istanbul

14. März 2007, 16:29
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Ein Vergleich, gezogen knapp über dem Goldenen Horn, mit der Wiener Donau im Sinn

Wenn man ein paar Tage in Istanbul verweilt und an Österreich denkt,

wenn man in einem Café unter der mit Angelschnüren behangenen Galatabrücke, knapp über dem Schwindel erregend von Fährschiffen durchkreuzten Goldenen Horn sitzt und sich zum Vergleich die Wiener Donau mit ihren trostlosen Blechwurm-Brücken in den Sinn ruft,

wenn man von freundlichen türkischen Kellnern umschwirrt wird, die jeden Wunsch ihrer Gäste schon im Ansatz erkennen, und man hält dem einen typischen heimischen Schanigarten entgegen, wo einem nach zehn Minuten Wartezeit ein entspannter Ober aus angemessener Entfernung "Beim Kollegen!", die Mutter der heimischen Serviceleistungen, zuruft,

wenn man der europäischen Kulturhauptstadt 2010 mit ihren auf zwei Kontinente verteilten zehn Millionen Einwohnern einmal auf den Puls gefühlt hat, so wird man einen solchen in Wien eine Weile überhaupt nicht spüren.

Und dann erst wird einem das Ausmaß der Dummheit und Verächtlichkeit bewusst, das in Slogans wie „Daham statt Islam“ steckt. Und man geniert sich für ein Zuhause, in dem damit scharenweise Wähler gefangen werden können. (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

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