"Einige Marken werden aus dem Regal fliegen"

13. März 2007, 10:35
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Nestlé-Österreich-Chef Markus Oggenfuss hofft mit seinen Marken trotz des Rewe-Adeg-Deals die Stellung zu halten. Nestlé ist gewachsen und sucht Rezepte gegen Preisdumping

Wien - "Einige Marken werden sicher aus den Regalen fliegen. Ich hoffe, andere zuerst." Markus Oggenfuss, Chef von Nestlé Österreich, sieht Nestlé vom Einstieg der Rewe-Gruppe bei Adeg vorerst nicht betroffen. Das könne sich in einem Monat ändern, bisher gebe es aber keine Signale, dass Nestlé-Produkte ausgelistet und durch Eigenmarken der Rewe ersetzt würden. Zusammenschlüsse in Märkten mit hoher Konzentration seien stets problematisch, sagt Oggenfuss. Nestlé habe jedoch gelernt, mit starken Handelsgruppen zu leben.

Zuwächse

Nestlé hat den Umsatz mit seinen Marken in Österreich 2006 um 6,7 Prozent auf knapp 300 Mio. Euro gesteigert. Europaweit gab es ein Plus von 2,3 Prozent. Der Gewinn habe sich verbessert, allerdings nicht im gleichen Ausmaß wie international, sagt Oggenfuss. "Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen. Wir müssen erst Umstellungen verdauen."

Denn der Lebensmittelkonzern versuche sich im österreichischen Handel seit Anfang des Vorjahres aus preisaggressivem Wettbewerb herauszuhalten. Folge war, dass Umsätze im Kerngeschäft Schokolade, Heißgetränke und Kulinarik im einstelligen Prozentbereich gesunken sind.

Maggi wird entstaubt

Gut unterwegs sieht sich Nestlé mit der Eismarke Schöller, bei Tiernahrung und Nespresso. Die Marke Maggi werde neu positioniert. Sie sei verstaubt, räumt Oggenfuss ein. "Wir müssen hier etwas tun."

Nestlé beschäftigt in Österreich 500 Mitarbeiter. Die Verwaltung wurde gestrafft. 100 bis 140 Beschäftigte produzieren im Linzer Maggi-Werk. Der Standort wurde ausgebaut, der Exportanteil erhöhte sich zugleich von 50 auf 80 bis 90 Prozent. Der Konzern erzielt rund 40 Prozent seiner Umsätze mit der Gastronomie. Das restliche Geschäft läuft zu etwa 70 Prozent über die Lebenmittelketten Spar und Rewe.

Vormarsch der Handelsmarken

Hauptkonkurrent ist Unilever, Nestlé muss sich aber auch dem Vormarsch der Handelsmarken der Supermärkte stellen. Ihr Anteil ist in Österreich in den vergangenen Jahren auf 20 bis 25 Prozent gestiegen. In Deutschland stellen sie bereits rund 40 Prozent des Sortiments. Sich dagegen zu behaupten, sei eben eine permanente Herausforderung, sagt Oggenfuss. "Das Geschäft wäre sonst zu einfach." (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

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    Nestlé hat den Österreich-Umsatz 2006 um 6,7 Prozent erhöht und den Abwärtstrend der Marke Maggi gestoppt.

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