Ein Funken Hoffnung

24. Februar 2007, 16:26
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"Es ist sicher möglich, dass Homosexuelle genauso Kinder aufziehen wie Heterosexuelle": ÖVP zog bei einer STANDARD-Debatte neue Saiten auf

In der ÖVP scheint sich Bewegung in Richtung Homo-Ehe bemerkbar zu machen. Das Gleichstellungsthema solle bei der nächsten Nationalratssitzung behandelt werden, regte ihr Vertreter bei einer STANDARD/Puls-TV-Debatte an.


"Es ist sicher möglich, dass Homosexuelle genauso Kinder aufziehen wie Heterosexuelle": Heribert Donnerbauer, Nationalratsabgeordneter der ÖVP, wollte bei der STANDARD/Puls-TV-Debatte zum Thema "Lesben- und Schwulenrechte - wie weiter?" nicht Sodom und Gomorrha herbeizitieren, als es um die Erziehungsfähigkeit gleichgeschlechtlicher Paare ging.

Ganz anders als seine Parteikollegin, die Wiener Landtagsmandatarin Ines Anger-Koch vor wenigen Wochen. Mit der Begründung, dass das "Griechische und Römische Reich, wo Sodom und Gomorrha dann immer mehr wurden, zugrunde gegangen sind", wollte sie verhindern, dass homosexuelle Paare Pflegekinder aufziehen - was in Wien Praxis ist.

"Hysterische Wortmeldungen"

Mittwochabend grenzte sich Donnerbauer im Gespräch mit Moderatorin Irene Brickner scharf von derartigen Aussagen ab: "Ich bin nicht für hysterische Wortmeldungen verantwortlich." Was das Recht von schwulen und lesbischen Paaren auf Adoption angeht, müssten "die Meinungen der Wissenschaft gut betrachtet werden", ließ sich Donnerbauer nicht festlegen. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung, in der ein Partner ein Kind mitgenommen hat, würde er durchaus als "Familie" bezeichnen.

Was wiederum Ulrike Lunacek, Grünen-Nationalratsabgeordnete und einzige offen bekennende homosexuelle Bundespolitikerin Österreichs, "sehr freute". Schließlich gibt es reichlich VP-VertreterInnen, die gegenteiliger Meinung sind.

"Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die ÖVP die Gleichstellung von homosexuellen Lebensgemeinschaft ablehnt", beteuerte Donnerbauer. Es gehe darum, rechtliche Differenzen im Bereich der einzelnen Gesetz zu beseitigen - ohne die Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen. Sein Angebot, das Thema bei der nächsten Nationalratssitzung anzugehen, nahm die SPÖ per Aussendung am Donnerstag an.

Der bei der Diskussion anwesende SP-Vertreter, der Wiener Landtagsabgeordnete Kurt Stürzenbecher, will dem Koalitionspartner noch in dieser Legislaturperiode die Schaffung einer Eingetragenen Partnerschaft schmackhaft machen: "Der springende Punkt ist, dass Homosexuelle derzeit keine Möglichkeit haben, eine rechtlich abgesicherte Partnerschaft einzugehen."

"Guter Schmäh"

"Herrn Stürzenbechers Wort in Gusenbauers Ohr", ließ sich Lunacek nicht recht überzeugen. "Zu sagen, warten wir darauf, was kommt, halte ich, gelinde gesagt, für einen guten Schmäh."

Dass die SPÖ es nicht geschafft hat, die im Nationalratswahlkampf versprochene Gleichstellung im Regierungsübereinkommen zu verankern, ärgerte auch Norbert Zach, Verkäufer in einer Textilkette und als Homosexueller, der seit mehreren Jahren mit einem Nicht-EU-Ausländer zusammenlebt, mit besonderer Diskriminierung konfrontiert. "Wir sind keine Gruppe oder Minderheit, wir sind normale Menschen", stellte Zach fest. Jeder Mensch habe das Recht auf ein Familienleben. Hoffnung auf rasche rechtliche Verbesserungen hegte er keine.

Jene immer häufiger werdenden liberalen Stimmen in der ÖVP, die eine Gleichstellung anstreben, könnten sich nicht durchsetzen, befürchtete Lunacek. "Ziemlich optimistisch" zeigte sich hingegen Kurt Krickler von der Homosexuellen Initiative (Hosi) Wien, der die Diskussion im Wiener Auhof-Center vom Publikum aus verfolgte. In der ÖVP mache sich zusehends Bewegung bemerkbar. Auch wenn es keine Regierungsvorlage gebe, könnten sich die liberalen Kräfte möglicherweise im Parlament durchsetzen.

Gesellschaft noch nicht reif

Zu diesen gehört auch Wirtschaftsstaatssekretärin Christine Marek, die von sich sagt, "für alles offen" zu sein, sich für eine Eingetragene Partnerschaft einsetzt und in homosexuellen Paaren genauso liebevolle Eltern sieht wie in heterosexuellen. Für das Adoptionsrecht sei die Gesellschaft aber noch nicht bereit. "Der Prozess in der ÖVP beginnt", meint Marek, "aber es wird noch viel Zeit brauchen, bis die Kontras überzeugt sind." (Karin Krichmayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

  • Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Lunacek (ganz li.) schenkte den Ankündigungen von SPÖ-Wien-Landtagsmandatar Kurt Stürzenbecher
(2. v. li.) und ÖVP-Parlamentarier Heribert Donnerbauer (ganz re.), Homosexuelle rechtlich gleichzustellen, wenig
Glauben. Auch Norbert Zach (2. v. re) blieb in der von Redakteurin Irene Brickner moderierten Debatte skeptisch.
    foto: standard/urban
    Die Grünen-Abgeordnete Ulrike Lunacek (ganz li.) schenkte den Ankündigungen von SPÖ-Wien-Landtagsmandatar Kurt Stürzenbecher (2. v. li.) und ÖVP-Parlamentarier Heribert Donnerbauer (ganz re.), Homosexuelle rechtlich gleichzustellen, wenig Glauben. Auch Norbert Zach (2. v. re) blieb in der von Redakteurin Irene Brickner moderierten Debatte skeptisch.
  • "Sind keine Minderheit, wir
sind normale Menschen": Diskriminierungserfahrungen
von Norbert Zach.
    foto: standard/urban
    "Sind keine Minderheit, wir sind normale Menschen": Diskriminierungserfahrungen von Norbert Zach.
  • "Es ist ein Irrtum, dass
die ÖVP Gleichstellung
ablehnt", meint Heribert
Donnerbauer.
    foto: standard/urban
    "Es ist ein Irrtum, dass die ÖVP Gleichstellung ablehnt", meint Heribert Donnerbauer.
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