Ein brisanter Akt ohne Folgen

20. März 2007, 13:36
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Kurz nach den Swapverlusten in der Kärntner Hypo kam es rund um den Treasurer zu ungewöhnlichen Ereignissen. Befragt dazu wurde er nicht

Wien - Die Vorerhebungen in der Causa Hypo Group Alpe Adria schreiten voran, immer wieder finden Vernehmungen statt. Es geht es um die Swapverluste von rund 330 Mio. Euro, die die Bank im November 2004 realisiert hat - und um deren nur teilweise erfolgte Verbuchung. Aufgeflogen war der Riesenflop erst im März 2006. Damals haben die Wirtschaftsprüfer ihre Bilanztestate für 2004 zurückgezogen und die Sache gemeldet.

Der Ex-Bankchef, Aufsichtsratsboss Wolfgang Kulterer, und zwei seiner Ex-Kollegen werden der Bilanzfälschung verdächtigt, der Ex-Treasury-Chef, Christian Rauscher, der Untreue. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Tag in der Geschichte der Bank (und Rauschers) hat bisher aber keinen Eingang in die Erhebungen gefunden. Dabei scheinen die Ereignisse des 17. Jänner 2005 durchaus eine Recherche wert zu sein.

Unter Verschluss

Im Jänner war man gerade dabei, die Verluste zu reparieren. Die Sache war unter Verschluss, die entsprechenden Diskussionen wurden nicht in die Vorstandsprotokolle aufgenommen.

Was laut Polizeiprotokoll (Aktenzeichen II-2/46/05) an diesem Montag geschah: Rauscher kam abends "mit blutenden Verletzungen und blutverschmierter Kleidung" heim, sprach davon, von Kroaten überfallen worden zu sein, im Akt ist die Rede von "widersprüchlichen Angaben". Rettung, Notärztin und Polizei kamen - und Letztere rief die Bank, genauer deren Sicherheitsbeauftragten Albert Stangl (ein pensionierter Polizeioberst) an, sowie Bankchef Wolfgang Kulterer. Der soll, so heißt es, "um Vertraulichkeit gebeten haben".

Sicherheitsbeauftragter und Mitarbeiter Rauschers machten sich dagegen persönlich auf den Weg, und kamen zu Rauschers Wohnung in Klagenfurt, wo die Polizisten inzwischen ihren Job machten, die Verletzungen Rauschers und sein Dienstauto, einen VW-Passat TDI, fotografierten.

Aktenkoffer

Ebenfalls auf den Fotos zu sehen, die im Akt liegen: der schwarze, versperrbare Aktenkoffer Rauschers. Was Rauscher darin aufbewahrte, das sollten die Klagenfurter Polizisten nie erfahren: Denn Koffer samt Unterlagen über die Bank, Swaps und andere Papiere, die sich in dieser Form nicht in den offiziellen Unterlagen der Bank finden dürften, nahmen die Hypo-Banker gleich noch am Abend des 17. Jänner mit. Was sie der Polizei gegenüber mit einem knappen "Bankgeheimnis" begründeten. Ein Vorgehen, das Rauscher im Gespräch mit dem STANDARD bestätigt.

Rauscher selbst wurde anschließend ins Landeskrankenhaus Klagenfurt gebracht, wo er ein paar Tage verbrachte. Im Krankenhaus wurde er zwar laut Involvierten "abgeschottet", sein Chef Kulterer und Hypo-Sicherheitsdienst-Chef Stangl besuchten Rauscher aber sehr wohl. Heute gibt es ernst zu nehmende Interpretationen, wonach Kulterer "ihn daran erinnern wollte, dass er vor der Polizei nichts Bank- und Swapverlust-Relevantes erzählen solle". Zur Erinnerung: Die Verluste wurden erst 14 Monate später öffentlich, und zwar ohne Zutun der Hypo-Chefs.

Kurz nach seiner Einlieferung ins Spital wurde Rauscher von Kriminalbeamten befragt. Nun gab er an, nicht überfallen worden zu sein, sondern sich selbst verletzt zu haben (was die Polizei übrigens auch glaubt). Er habe privat unter großem psychischem Druck gestanden. Von der Bank sei er "nicht unter Druck gesetzt worden", sagt er heute.

Keine Geheimnisse

Die Frage, ob all das nicht doch mit der Hypo zu tun habe, stellte die Polizei dem Bankvorstand, die Antwort kam per Brief: "Im Zusammenhang mit Rauscher ist es zu keinerlei Unregelmäßigkeiten gekommen." Auf das Bankgeheimnis werde "absichtlich nicht verwiesen", weil es nichts zu verheimlichen gebe.

Wenig später enden die Recherchen der Behörden. Rauscher: "Ich wurde weder von Staatsanwältin noch Untersuchungsrichterin nach diesem Vorfall oder den Unterlagen im Koffer befragt. Aber vielleicht kommt das ja noch."

Vielleicht aber auch nicht. Heute liegt die Akte Rauscher irgendwo im Gericht. Hypo-Staatsanwältin Carmen Riesinger ("Der Akt wurde von einer Kollegin erledigt.") glaubt, "diese Vorfälle stehen in keinem Zusammenhang mit dem Hypo-Verfahren, das hat damit gar nichts zu tun." Auch bei den Einvernahmen vor der U-Richterin war der 17. Jänner bisher kein Thema. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

  • Die Swap-Verluste der Klagenfurter Hypobank hatten für den zuständigen Treasurer, der sich allein im Regen sah, schlimme Folgen. Der Akt, in dem diese gemündet haben, enthält aufklärungswürdige Fakten - aber die Recherchen der Behörden lassen auf sich warten.
    foto: standard/heribert corn

    Die Swap-Verluste der Klagenfurter Hypobank hatten für den zuständigen Treasurer, der sich allein im Regen sah, schlimme Folgen. Der Akt, in dem diese gemündet haben, enthält aufklärungswürdige Fakten - aber die Recherchen der Behörden lassen auf sich warten.

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