ElBaradei kündigt Reise nach Nordkorea an

2. März 2007, 15:03
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IAEO-Chef: Nordkorea will Normalisierung der Beziehungen zur Atombehörde - UN-Chef Ban begrüßt Einladung

Wien - Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO), Mohamed ElBaradei, hat am Freitag einen Besuch in Nordkorea angekündigt. Eine entsprechende Einladung habe er heute, Freitag, von der nordkoreanischen Regierung erhalten, erklärte ElBaradei nach einem Gespräch mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon in der Wiener UNO-City vor Journalisten. Der Besuch könnte in der zweiten Märzwoche stattfinden, hieß es von IAEO-Seite.

Dem Brief zufolge sei Nordkorea daran interessiert, die Beziehungen zur IAEO zu normalisieren, sagte ElBaradei. Bei seinem Besuch in Nordkorea werde es darum gehen, einen Plan für die Stillegung der Atomanlage in Yongbyon entwickeln, in Übereinstimmung mit der bei den Sechs-Parteien-Gesprächen erreichten Einigung. Noch wichtiger sei ihm aber sicherzustellen, dass Nordkorea wieder vollwertiges Mitglied der IAEO werde.

Auch UN-Generalsekretär Ban begrüßte die Einladung Nordkoreas an ElBaradei. Er sei überzeugt, dass der Besuch "einen großen Beitrag" zur Umsetzung der am 13. Februar erzielten Einigung darstellen werde. Er hoffe, dass ElBaradei dort auch über den Abbau "aller Waffen und Anlagen" sprechen könne. "Ich bin davon überzeugt, dass die nordkoreanische Halbinsel durch diesen Prozess die endgültige Denuklearisierung erreichen kann."

Bei den Sechs-Länder-Gesprächen (USA, Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland) zum nordkoreanischen Atomprogramm war in der vergangenen Woche in Peking ein erster Durchbruch erzielt worden. Im Gegenzug zu massiven Wirtschafts- und Energiehilfen erklärte sich Nordkorea zur Aussetzung seines Atomprogramms bereit. Das Abkommen sieht in einem ersten Schritt die Schließung des Atomreaktors in Yongbyon vor; zudem dürfen IAEO-Kontrollore wieder ins Land.

Zum Atomstreit mit dem Iran sagte ElBaradei, er und Ban teilten die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft, weil der Iran den internationalen Forderungen nicht nachgekommen sei. Gleichzeitig sprach er sich erneut für eine Verhandlungslösung aus. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch sei "der Weg zu einer langfristigen Lösung". Ban appellierte erneut an Teheran, den Forderungen des Sicherheitsrats nachzukommen.

Am Donnerstag hatte ElBaradei in einem Bericht an den UNO-Sicherheitsrat festgestellt, dass der Iran eine Frist des Sicherheitsrats nach einer Aussetzung der umstrittenen Urananreicherung ignoriert hat. Jetzt drohen dem Land weitere Sanktionen.

Der Besuch Bans in der Wiener UNO-City am Freitag bildete den Abschluss seines zweitägigen offiziellen Besuchs in Österreich. Am Donnerstag hatte der frühere südkoreanische Botschafter in Wien unter anderem österreichische Regierungsmitglieder und Bundespräsident Heinz Fischer getroffen.(APA)

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