Erster Schlagabtausch im Kampf um Präsidentschaftskandidatur der Demokraten

5. März 2007, 09:58
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Hillary Rodham Clinton reagierte scharf auf die Attacke eines ehemaligen Vertrauten, der zu ihrem Kontrahenten Barack Obama übergelaufen ist

„In der Politik lügt jeder“, sagt der Medienmogul und ehemalige enge Vertraute des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton und seiner Frau Hillary, David Geffen, im Interview mit Maureen Dowd von der New York Times: „Aber sie tun das mit einer Leichtigkeit, die einem Angst macht.“ Geffen erklärt damit, warum er – wie viele andere in Hollywood – nunmehr den aufsteigenden Star der Politbühne, Barack Obama, finanziell unterstützt.

„Sehr unangenehm“

Mit einer Anspielung auf die außerehelichen Eskapaden seines ehemaligen Freundes meint Geffen, niemand solle annehmen, dass sich Bill Clinton während der vergangenen sechs Jahre geändert habe. Geffen hofft auch, sein neuer Schützling Obama werde in der Lage sein, der „Maschinerie“ der Clintons standzuhalten: „Die wird sehr unangenehm und wirkungsvoll.“

Kaum war das Interview erschienen, gingen Hillarys Truppen zum Angriff über: Obama solle sich stante pede von den Äußerungen seines Unterstützers distanzieren und wenigstens dessen persönliche Wahlspende (Obergrenze für Privatpersonen: 2300 Dollar) zurückgeben. Immerhin habe sich Obama dezidiert gegen eine Kampagne des „slash and burn“ (verbrannte Erde) ausgesprochen und solle nun entsprechend handeln.

Obamas Team konterte, es sei doch interessant, dass die Clintons kein Problem mit David Geffen gehabt hätten, als er für sie die stolze Summe von 18 Millionen Dollar aufgetrieben hatte und dafür zwei Nächte im Lincoln Bedroom des Weißen Hauses verbringen durfte. Obama selbst sieht keinen Grund, sich von Geffen zu distanzieren: „Mir ist nicht klar, warum ich mich für die Äußerungen von jemand anderem entschuldigen soll.“

Worum es geht? Um Finanzmittel aus Hollywood, der „linken Küste“: Geffen hatte gemeinsam mit seinen Partnern des Dream Works Studio, dem Produzenten Jeffrey Katzenberg und Star-Regisseur Steven Spielberg, eine Spendenparty organisiert, die dem populären schwarzen Senator Obama mehr als eine Million Dollar einbrachte. Spielberg hat sich im Übrigen noch nicht festgelegt und wird auch an einer Spendenparty für Hillary Clinton teilnehmen.

Die Meinungen darüber, wer diese erste Runde gewonnen hat, gehen stark auseinander. Die einen loben Hillary, sie habe die ersten Attacken eines Kandidaten aus den eigenen Reihen rasch und gezielt abgewendet und sei dadurch gut auf Geschütze der Republikaner vorbereitet.

Andere meinen wiederum, sie habe mit allzu großen Geschützen auf den beliebten Obama (den Maureen Dowd „Obambi“ nennt) gefeuert. Eines ist klar: Beide Teams haben die Lehren aus dem Jahr 2004 gezogen und geschworen, sich nicht wie der glücklose Bush-Herausforderer John Kerry „swiftboaten“, also von Angriffen überraschen zu lassen und zu spät zu reagieren. (Susi Schneider aus New York/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.2.2007)

  • Barack Obama und Hillary Clinton (hier bei einer Pressekonferenz Anfang Februar im US-Senat zum Gesetz über höhere Mindestlöhne): Ende der Höflichkeiten.
    foto: epa/cavanaugh

    Barack Obama und Hillary Clinton (hier bei einer Pressekonferenz Anfang Februar im US-Senat zum Gesetz über höhere Mindestlöhne): Ende der Höflichkeiten.

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