Molkerei kämpft um Platz bei Adeg

13. März 2007, 10:35
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Biomarke "Ja!Natürlich" verdrängt "Bio+" – Kärntnermilch verhandelt mit Rewe

Spittal – Der Rewe-Adeg-Deal schlägt auf Kärntens Milchwirtschaft durch. Milchlieferant der Adeg ist die Kärntnermilch: Die Molkerei versorgt Adeg mit konventioneller wie Bio-Milch – und ihre 1600 Landwirte mit deutlich höheren Preisen als Mitbewerber. Rewe führt bei Adeg jetzt allerdings die Biomarke "Ja!Natürlich" ein, die überwiegend von der Salzburger Pinzgau Milch gespeist wird.

Die kommenden Wochen entscheiden, ob die Kärntner aus den Adeg-Regalen fliegen. Kärntnermilch-Chef Hubert Petschar hat erste Gespräche mit den Rewe-Chefs geführt. Er gibt sich im Gespräch mit dem STANDARD zuversichtlich, bei Adeg gelistet zu bleiben – voraussichtlich jedoch unter "Ja!Natürlich" anstelle der eigenen "Bio+"-Marke. "Adeg wird uns nicht im Stich lassen."

Sorgen

Die Sorge vieler Bauern, dass Kärntnermilch ihre Preise an die günstigeren Pinzgauer anpassen muss, zerstreut Petschar. "Ziel ist, unseren bisherigen Grundpreis und Biozuschlag für die Lieferanten zu halten." Die Kärntner Marke "Bio+" bleibe in der Gastronomie und bei selbstständigen Kaufleuten bestehen.

Kärntnermilch setzt mit jährlich 93 Mio. Kilo Milch 75 Mio. Euro um und zählt 180 Mitarbeiter. Die Molkerei war "Ja!Natürlich"-Lieferant der ersten Stunde, wurde aber über Nacht gekündigt – aufgrund von Zerwürfnissen mit "Ja!Natürlich"-Gründer Werner Lampert, heißt es in der Branche. Der Nachfolger Pinzgau Milch schlitterte durch den Flop von Lamperts Functional-Food-Linie "Alpha Pan" in Turbulenzen. Sie zahlt seither Schulden zurück und einen der schlechtesten Milchpreise am Markt.

Empörung in Oberösterreich

Unruhe in der Branche gibt es auch in Oberösterreich. Berglandmilch hat den Milchpreis für ihre Bauern gesenkt. Geschäftsführer Josef Braunshofer spricht von einer Rückkehr auf normales Niveau. Die Landwirte sind empört, zumal die Molkerei mit neuen Aktionspreisen im Handel wirbt. "Viele Bauern werden den Vertrag mit Berglandmilch mit 28. Februar kündigen", sagt Ernst Halbmayr von der IG-Milch. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

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