RWE will Marktposition in Österreich stärken

15. März 2007, 18:51
posten

Bonekamp: Es bleibt bei Kelag-Beteiligung - RWE war wie auch dem Verbund Interesse an Einstieg bei EStAG nachgesagt worden

Essen - Der deutsche Energieriese RWE - mit 35 Prozent an der Kärntner Kelag beteiligt - hat eine milliardenschwere Investitionsoffensive in Aussicht gestellt. Mit einem Volumen von bis zu 25 Mrd. Euro in fünf Jahren handele es sich um das größte Investitionsprogramm in der Geschichte des Konzerns, sagte der scheidende RWE-Vorstandsvorsitzende Harry Roels am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz.

Allein in Deutschland will der Energiekonzern bis 2012 rund 15 Mrd. Euro in Kraftwerke, Tagebaue und Strom- und Gasnetze pumpen.

Auch sein Wachstum in Österreich will der RWE-Konzern vorantreiben. "Wir wollen unsere Position in Österreich stärken, machen aber keine Angaben zu Gesprächen", sagte der Chef von RWE Energy Berthold Bonekamp. RWE halte in Österreich bereits Anteile an der Kelag - und dabei werde es auch bleiben, sagte Bonekamp. In Zeitungsberichten hatte es wiederholt geheißen, RWE sei an einer Beteiligung am steiermärkischen Versorger EStAG interessiert.

Klimapolitik

Konzernchef Roels gibt vor seinem Abgang noch einmal kräftig Gas: "Bis ich gehe, werde ich mit demselben Engagement weiter machen wie bisher, anders ist die Umsetzung unserer ehrgeizigen Ziele gar nicht möglich", betonte Roels zwei Tage nach Bekanntgabe seiner Ablösung als RWE-Chef durch Stahlwerksbesitzer Jürgen Großmann im Februar 2008. Insgesamt plant die RWE Kraftwerke mit einer Leistung von 10.000 Megawatt. Ein besonderes Augenmerk gelte dabei der klimapolitischen Herausforderung: 13 Mio. Tonnen weniger CO2 pro Jahr durch modernisierte und neue Anlagen seien das Ziel. Ein Schub bedeute dies auch für den Arbeitsmarkt: In Spitzenzeiten könnten über 10.000 Menschen auf den RWE-Kraftwerksbaustellen arbeiten.

Den finanziellen Handlungsspielraum habe der Energieriese vor allem durch den milliardenschweren Verkauf des britischen Wassergeschäfts Thames Water gewonnen, erklärte Roels. Sollten die politischen Rahmenbedingungen stimmen, könnte RWE mit seiner Offensive zum größten privaten Einzelinvestor in Deutschland werden, betonte der Vorstandschef.

Zukäufe möglich

Einzelne "selektive" Zukäufe schloss der Konzernchef nicht aus. Nicht in Sicht sei in nächster Zeit jedoch ein Megadeal: "Wir haben nichts gegen Akquisitionen, aber die Preise müssen stimmen und Zukäufe müssen strategisch sinnvoll sein", betonte Roels. Der überhitzte Akquisitionsmarkt mit äußerst hohen Unternehmensbewertungen biete momentan nur wenige attraktive Chancen für werthaltiges externes Wachstum. "Daher konzentrieren wir uns auf das, was wir am besten können, nämlich gesundes, organisches Wachstum." Das habe sich in den vergangenen Jahren bewährt: "Wir sind auf der Leiter sehr weit nach oben geklettert."

Dank höherer Preise für Strom, Gas und Wasser sowie leichter Absatzverbesserungen erhöhte sich der Umsatz von RWE im Jahr 2006 um 12,1 Prozent auf 44,3 Mrd. Euro, das Betriebsergebnis kletterte um 13,7 Prozent auf 6,1 Mrd. Euro. Das um Einmaleffekte bereinigte Nettoergebnis steigerte RWE um 9,3 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro. Inklusive aller Sondereffekte, wie dem Verkauf von Thames Water und Änderungen in der Steuergesetzgebung, stieg das Nettoergebnis sogar um 72,4 Prozent auf 3,9 Mrd. Euro. Damit seien auch die Schulden vollständig abgebaut, betonte Roels. Erstmals seit 2001 liegt dem Vorstandschef zufolge eine positive Nettofinanzposition in Höhe von 4,7 Mrd. Euro vor.

Aussicht auf Dividende

RWE schlägt eine Dividende von 3,50 Euro je Aktie vor, doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Ins laufende Geschäftsjahr wagt der Energieriese einen optimistischen Blick: Zwar erwartet RWE durch die Netzregulierung in Deutschland für 2007 einen Umsatzrückgang um 700 Mio. Euro gegenüber des Erlösen vor Beginn der Regulierung. Dennoch soll das bereinigte Nettoergebnis um zehn Prozent steigen. Unverändert arbeitet der Konzern auch auf einen Börsengang der US-Wassertochter American Water hin.

"Ebenso wie im Stromsektor sind wir auch beim Gas auf Wachstum programmiert", sagte Roels. Geplant sei etwa der Bau einer 760 Kilometer langen Pipeline quer durch Deutschland von der tschechischen bis zur belgischen Grenze mit Investitionen von rund einer Milliarde Euro. Vorbedingung für diese Investition sei jedoch, dass diese Gasleitung für einen bestimmten Zeitraum aus der Netzregulierung ausgenommen werde, sagte Roels.

RWE, voestalpine, Kelag kooperieren

Der Linzer Stahlkonzern voestalpine und der deutsche Energiekonzern RWE haben in Essen einen Rahmenvertrag für Strom- und CO2-Zertifikatshandel geschlossen. Der Vertrag sieht ein Maximalvolumen von 350 Gigawattstunden (GWh) Strom und 100.000 Tonnen CO2 pro Jahr vor und läuft bis mindestens 2011. Mit Strom beliefert wird die voestalpine dabei von RWE-Partner Kelag, an der der deutsche Konzern 35 Prozent hält. (APA/Reuters/DPA)

(APA/AP/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Berthold Bonekamp

Share if you care.