Die Tropen klopfen an

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  • Im Windschatten der verschneiten Gipfel der Sierra Nevada wachsen, dank Mikroklima, tropische Pflanzen.
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    Im Windschatten der verschneiten Gipfel der Sierra Nevada wachsen, dank Mikroklima, tropische Pflanzen.

An der Costa Tropical mit ihrem einzigartigen Mikroklima wachsen tropische Pflanzen in Sichtweite der Gipfel der Sierra Nevada

Wer denkt in den "Tropen" schon an Voranmeldung. Also führt uns- statt des offiziellen Guides - Polizist Julian durch die engen Gässchen seines Dorfes zu einer verfallenen Holztüre. Mit Mühe entsperrt er das alte Schloss und öffnet die Pforte zum "Paradies": Der Mühlenbau am Eingang droht bereits einzustürzen, denn über Jahrzehnte war die imposante Anlage in privaten Händen. Und die gingen nicht besonders sorgsam mit diesem Erbe um, folglich will nun die Gemeinde mit einer Drei-Millionen-Euro-Förderung eine Generalsanierung beginnen. Darauf ist Julian ebenso stolz wie auf die angeblich höchsten Zypressen der Welt, die hier knappe 25 Meter vor in den Himmel ragen.

Dieses Kleinod im Dorf Vélez de Benaudalla an der Costa Tropical nennt sich "Jardínes Prohibidos", verbotene Gärten. Immerhin handelt es sich dabei um die zweitgrößten maurischen Wasser- und Floraspielereien Spaniens, die nur noch von jenen der Generalife in Granada übertroffen werden. Im Schatten der großen andalusischen Ziele zu stehen bringt diesem kleinen Streifen Land eigentlich nur Vorteile. Den Windschatten der schroffen Dreitausender der Sierra Nevada etwa, der hier im Süden der Provinz Granada garantiert, dass fast das ganze Jahr Mangos, Guaven und Papayas gedeihen. Sie sind noch immer wirtschaftliches Rückgrat der Region, denn nur langsam begann die Region erst spanische und nun auch internationale Gäste in das klimatische Unikum zu lotsen.

Alles im Aktionsradius

Wer urlaubsreif ist, seine Pläne aber nur zu gerne spontan ändert, der tut sich zwischen Almería, Granada und Málaga, wirklich nicht schwer. In einem Radius von nur 40 Kilometern liegen Skipisten, Tauchreviere, Golfklubs sowie Mountainbike-, Kletter- und Wanderrouten vereint. Sobald man auf der N-323, der Verbindungsstraße zwischen Granada und Motril, das auf einer imposanten Kalksteinkaskade gelegene Vélez de Benaudalla erreicht, spürt man die Klimaveränderung - im positiven Sinne. Sattgrüne Wiesen und blühende Mandelbäume blenden die auf Wintergrau geeichten Augen.

In Vélez liegt auch ein ideales Basislager für den subtropischen Kurzurlaub: die Casa del Marqués. Das hundert Jahre alte, originalgetreu restaurierte andalusische Herrenhaus hat nur vier Doppelzimmer und zwei Appartements, dafür durchgängig Mosaikböden und arabeskgeschmückte Badezimmer. Unaufdringlicher Luxus war dem freundlichen Hotelier-Ehepaar dennoch wichtig: Aus dem Jacuzzi blickt man in die Sierra ebenso wie aus dem Swimmingpool, und im heimeligen Wohnzimmer trifft man sich nach den Ausflügen zu einer Partie Schach oder Domino.

Eine sündig-süße Köstlichkeit, die Pestiños, sind mit Anis gewürzte Strauben in Donut- und Schneckenform - und Taufpaten. Denn sie sind so typisch für die Stadt, dass man als Bürger von Vélez in der nahen Verwaltungsstadt Motril gleich Pestiñero genannt wird, erzählt der charmante Dorfpolizist. Und diese Pestiñeros fahren nicht ungern von Vélez in Richtung Playa de Cabria, eine zwar ausgeschilderte, aber dennoch gut versteckt Bucht vor Almuñecar. Kurze 30 Minuten dauert die Fahrt durch Avocadoplantagen. In die andere Richtung schlängelt man sich etwa eine Stunde über Serpentinen bergauf zu den weißen Bergdörfer der Alpujarras - oder bleibt bereits in Jete am Rio Verde hängen: beim Canyoning in den Wasserfällen eines anderswo nach Feuchtigkeit lechzenden Andalusiens.

Rohzuckerreserven

Am Straßenrand bieten die Obsthändler vor allem baumfrische Chirimoyas an. Die grünen Tropenfrüchte mit gallertig weißem Fruchtfleisch sind zwar picksüß, aber eine ideale Wegzehrung, sollte man auf Energiereserven aus sein, die bis zu den "süßen Nachbarn" in Motril reichen müssen. Der Stolz der Motrileños ist nämlich das Zuckerrohr. Als Rohstoff für den stadteigenen Rum, Palido, kann er sich zwar nur schwer mit der karibischen Konkurrenz messen, die Verkostung der "Reserva" sollte man aber dennoch nicht ausschlagen.

?Das Interessanteste, was wir hier haben, ist unser Zuckerrohr-Museum?, meint die Dame im Tourismusbüro. Und sie hat Recht. Motril besteht vorwiegend aus 50er- Jahre-Spannbetonbauten und hat neben einer süßen Vergangenheit kaum etwas zu bieten. Immerhin lässt sich die Zuckerverarbeitung anhand originalgetreuer Maschinerie bis zur Blütezeit im 19. Jahrhundert nachverfolgen, wo 39 Fabriken das Caña verarbeiteten. Wenn man schon einmal dort ist, nimmt man wenigstens ein Glas "Miel de Caña", also Zuckerrohrhonig, mit.

Dieser wird auch in Tapas-Bars wie dem "El Dorado" und überall sonst an der Costa Tropical kredenzt, vor allem zu den Berejeñas Fritas, den fritierten Melanzani-Chips. Leichter verdaulich ist dennoch der Fisch im Restaurant "El Bambú" in der nahen Bucht "La Herradura". Allerdings nicht aus geschichtlicher Perspektive: In der hufeisenförmigen Bucht erinnert ein Denkmal an die über 5000 Matrosen, die 1562 durch einen Navigationsfehler ertranken. Wie man auch beim einfachen Soldat der Marine, Miguel de Cervantes, in seinem "Don Quichote" nachlesen kann. (Jan Marot/Der Standard/Printausgabe/24./25.2.2007)

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100e Fotos aus der Gegend zum Anschauen

Wer mehr von der Costa del Sol und der Costa Tropical sehen will, ist herzlich gerne eingeladen das entsprechende PhotoGlobe-Album durchzusehen:

http://www.photoglobe.info/hl_costadelsol/

Die Photos sind alle mit kleinen Karten versehen, so dass man auch weiß, wo das jeweilige Photo gemacht wurde....

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