Mit Schwung am Mars vorbei

24. Februar 2007, 13:00
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Kritisches Manöver des ESA-Kometenjägers "Rosetta" gelungen - Zweites Swingby-Manöver im November 2009

Darmstadt - Auf seiner sieben Milliarden Kilometer langen Reise durch das All hat der europäische Kometenjäger "Rosetta" am Sonntag ein kritisches Manöver am Mars erfolgreich bewältigt. Bei einer Geschwindigkeit von rund 30.000 Kilometern pro Stunde näherte sich die Sonde dem Mars bis auf 250 Kilometer.

Durch die Schwerkraft des Roten Planeten wurde "Rosetta" auf die korrekte Flugbahn gelenkt, die sie bis über die Umlaufbahn des Planeten Jupiter hinaustragen wird. Nächstes Ziel ist am 13. November das Gravitationsfeld der Erde, um Schwung für den weiten Weg zum Kometen Tschurjumow-Gerassimenko zu holen. "Rosetta" soll den Kometen 2014 erreichen.

"Heute haben wir einen wichtigen Schritt bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage zurückgelegt, ob das Leben auf der Erde mit Hilfe von Kometen begann", sagte David Southwood, ESA-Direktor für das wissenschaftliche Programm nach dem geglückten Manöver am Sonntag in Darmstadt.

Kontakt unterbrochen

Pünktlich um 3.40 Uhr MEZ war die Sonde wieder aus dem Marsschatten aufgetaucht. Zuvor war der Kontakt zum Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt (Hessen) rund 15 Minuten lang unterbrochen, die beiden 14 Meter langen Solarflügel wurden erstmals seit dem Start der Mission 24 Minuten lang nicht vom Sonnenlicht bestrahlt. "Wir mussten uns darauf verlassen, dass die Batterien noch funktionieren, die wir seit dem Start vor drei Jahren nicht mehr gebraucht hatten", sagte Andrea Accomazzo, Leiter des Rosetta-Raumfahrzeugbetriebs. Während der Sonnenfinsternis wurden alle nicht unbedingt notwendigen Geräte abgeschaltet oder in den Energiesparmodus gebracht. Auf das Manöver hätten sich die Flugingenieure seit Jänner vergangenen Jahres vorbereitet.

Von der Mission erhoffen sich die Wissenschafter Erkenntnisse über die Anfänge des Planetensystems vor 4,6 Milliarden Jahren. Außerdem untersuchen sie, welche Rolle Kometeneinschläge bei der Entstehung des Lebens auf der Erde gespielt haben.

Zweites Swingby-Manöver im November 2009

Auf ihrer elliptischen Bahn durch das Weltall wird der Kometenjäger im November 2009 ein weiteres Mal die Schwerkraft der Erde nutzen. "Bei den so genannten Swingby-Manövern wird die Sonde jedes Mal auf eine größere Umlaufbahn gelenkt, bis sie schließlich die Flugbahn des Kometen erreicht", sagte Flugleiter Paolo Ferri. Es sei leicht, an einem Kometen vorbeizufliegen.

Die komplexe Reiseroute sei aber nötig, weil "Rosetta" den Zielkometen von 2014 an mehr als ein Jahr lang auf seinem Weg in Richtung des inneren Sonnensystems folgen und ihn genau untersuchen werde. "Dafür müssen wir dieselbe Flugbahn erreichen und sehr schnell fliegen", sagte Ferri. Erstmals in der Raumfahrtgeschichte wird außerdem ein Landegerät auf einem Kometen ausgesetzt. Die drei Tonnen schwere Sonde der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) hatte ihre zehnjährige Reise am 2. März 2004 begonnen. (APA/dpa)

  • Diese spektakuläre Aufnahme entstand kurz vor der größten Annäherung zwischen "Rosetta" und dem Mars. Die Sonde befand sich zu diesem Zeitpunkt rund 1.000 Kilometer von der Planetenoberfläche entfernt.
    foto: european space agency esa/esoc

    Diese spektakuläre Aufnahme entstand kurz vor der größten Annäherung zwischen "Rosetta" und dem Mars. Die Sonde befand sich zu diesem Zeitpunkt rund 1.000 Kilometer von der Planetenoberfläche entfernt.

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