Deutscher Caritasverband startet Suche nach ehemaligen Zwangsarbeitern

21. Juli 2000, 13:18

In deutscher, englischer, polnischer und russischer Sprache wird im Internet um Erkenntnisse über Zwangsarbeiter-Einsatz von in Einrichtungen der Caritas gebeten

Hamburg - Der Deutsche Caritasverband hat im Internet die Suche nach ehemaligen Zwangsarbeitern in katholischen Einrichtungen aufgenommen. In deutscher, englischer, polnischer und russischer Sprache wird im Internet um Erkenntnisse über den Einsatz von Zwangsarbeitern in Einrichtungen der Caritas gebeten. Der katholische Wohlfahrtsverband will damit die Betroffenen auch in ihren Herkunfts- und Heimatländern erreichen. Dem Text ist eine elektronische Antwortmöglichkeit angefügt.

Nachdem die Evangelische Kirche Deutschlands festgestellt hatte, dass in ihren Einrichtungen Zwangsarbeiter beschäftigt waren, will sie gemeinsam mit dem Diakonischen Werk zehn Millionen Mark (über 70 Millionen Schilling) in die Stiftung zur Entschädigung einbringen. Bund und Industrie haben sich verpflichtet, jeweils fünf Milliarden Mark (35 Mrd. Schilling) in den Fonds zu zahlen. Die Initiative "Kirche von unten" forderte am Freitag die katholische Kirche auf, sich ebenfalls ihrer Verantwortung zu stellen. Es sei beschämend, dass die Verstrickung in das nationalsozialistische Unrechtsregime bis heute innerkirchlich totgeschwiegen worden sei, erklärte die Initiative aus kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen.

Mitverantwortung

Die "Kirche von unten" rief allerdings evangelische und katholische Kirche dazu auf, ihre ehemaligen Zwangsarbeiter direkt zu entschädigen und das Geld nicht in den allgemeinen Fonds einzuzahlen. Die Stiftung diene hauptsächlich dazu, "deutsche Firmen im Ausland vor Entschädigungsklagen zu schützen und ihnen mit garantierter Rechtssicherheit ein Weiterwirtschaften zu ermöglichen", kritisierte die Initiative. Eine Beteiligung der Kirchen daran wäre "ein falsches Signal".

Die Caritas betonte in der im Internet veröffentlichten Stellungnahme, die Mitverantwortung "im Umgang mit der Unrechtsgeschichte des Nationalsozialismus, die Entschädigung entrechteter und schikanierter Menschen und bestehende Möglichkeiten der Wiedergutmachung" seien eine Frage der Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Wichtig sei dem Verband, rasch zu möglichst gesicherten Erkenntnissen zu kommen.

Der Caritas-Chef des Erzbistums München-Freising, Prälat Peter Neuhauser, sagte am Freitag in München, die katholische Kirche könne sich einer finanziellen Beteiligung am Fonds nicht entziehen. Dieses Zeichen der Solidarität sei nötig, unabhängig davon, ob die katholische Kirche Zwangsarbeiter beschäftigt habe oder nicht. (APA/dpa)

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