Tausende Facharbeiter fehlen

10. April 2007, 14:25
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IV-Generalsekretär Beyrer kritisiert Kanzler Gusenbauers Absage an einen Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland

Wien – "Jährlich fehlen in Österreich 5000 bis 7000 Facharbeiter, Tendenz steigend", betonte Markus Beyrer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), am Freitag bei der Präsentation der Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2006. Besonders im Bereich der Metallarbeiter werde es zu Engpässen kommen. Die Industrie warnt davor, dass sich der Mangel an Fachkräften zu einem bremsenden Faktor für die heimische Wirtschaft verdichten werde.

Abflachungtendenzen

Die Konjunkturprognose der IV fällt derzeit gut aus. "Wir gehen davon aus, dass wir uns in den nächsten Quartalen von unten an eine Wachstumsrate von drei Prozent heranarbeiten", sagte IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Aus dem Vorjahr sei ein Wachstumsüberhang von 0,6 Prozent mitgenommen worden. Zusätzlich gebe es einen wetterbedingten Effekt in der Baubranche, der weitere 0,3 Prozent Steigerung ausmache. Zusammen mit dem von Helmenstein prognostizierten realen Wachstum von zwei Prozent ergibt das einen Wert von 2,9 Prozent. "Wir sind im Gesamtbild nach wie vor am Zenith der Konjunktur", so Helmenstein weiter. Allerdings sehe man erste Abflachungstendenzen. Die Auftragsbestände seien rückläufig, trotzdem glaube man, dass die Konjunktur europaweit stark genug für einen Aufschwung bis 2008 sei.

"Schlecht beraten"

Kritik übt die Industriellenvereinigung an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der sich am Donnerstag gegen einen Zuzug von ausländischen Fachkräften ausgesprochen hatte. Markus Beyrer: "Gusenbauer ist hier standortpolitisch schlecht beraten. Man darf nicht kurzfristigen Populismus über beschäftigungspolitische Vernunft stellen." Weiters zeigt sich Beyrer verwundert, dass in der Facharbeiterfrage die Politik oft von einem "fiktiven Problem" spricht. Das sei Realitätsverweigerung, wenn man sich die Zahlen anschaue. Die gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) ermittelten Daten würden bei Schweißern 375 Arbeitslose und zugleich 753 offene Stellen ausweisen. Ähnlich weit klaffe die Schere bei den Drehern und Fräsern auseinander.

Wachstumsbremsen

"Ein Abschotten führt dazu, dass Aufträge nicht ausgeführt werden können", sagte Beyrer. Das würde sich negativ auf Beschäftigung und Konjunktur auswirken. Trotz der verlängerten Übergangsfrist für den Arbeitskräftezuzug aus den neuen EU-Ländern hält die IV eine sektorale Öffnung für möglich und wichtig. Diese Öffnung nach Bedarf wurde auch im Regierungsübereinkommen festgeschrieben. Umso verwunderter zeigte man sich über Gusenbauer.

Als zweites Wachstumshemmnis bezeichnet IV-General Beyrer eine verfehlte Raumplanung. Die Firmen würden wegen Versäumnissen in der Vergangenheit nicht die Flächen bekommen, die sie brauchen. Hier sei der Bund in die Verantwortung zu nehmen, eine übergeordnete Raumplanung wäre sinnvoll. Als dritte "Wachstumsbremse" sieht die IV die Klimapolitik. Als unrealistisch bezeichnet man die Umweltschutzziele für Österreich und die EU. Beyrer plädiert für einen sinnvollen globalen Klimaschutz anstelle einer überzogenen nationalen Politik. Die Industrie habe ihre Hausaufgaben erledigt. Nur etwa ein Viertel der CO2-Emissionen komme von den Industriebetrieben. (jep, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.2.2007)

  • Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Markus Beyrer ortet Realitätsverweigerung.
    foto: standard/hendrich

    Der Generalsekretär der Industriellenvereinigung Markus Beyrer ortet Realitätsverweigerung.

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