Royal nimmt "Elefanten" mit ins Boot

12. März 2007, 18:16
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Fabius und Strauss-Kahn nun auch Ex-Premier Jospin im Team der sozialistischen Präsidentschafts-
kandidatin

Paris - Frankreichs Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat im Widerspruch zu ihrer ursprünglich bekundeten Absicht die so genannten "Elefanten" ihrer Sozialistischen Partei (PS) - die früheren Regierungs- und Parteichefs Pierre Mauroy, Laurent Fabius und Lionel Jospin - sowie frühere Konkurrenten in ihr Wahlkampfteam aufgenommen. Dem "Team des Präsidentschaftspakts", das sie am Donnerstag in Paris vorstellte, gehören 13 Personen an, unter ihnen ihr langjähriger Lebenspartner, der amtierende PS-Chef Francois Hollande, Ex-Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn, Ex-Parteichef Henri Emmanuelli, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe, die ehemalige Arbeits- und Sozialministerin Martine Aubry und Ex-Gesundheitsminister Bernard Kouchner.

Das Team soll die Wahlkampfveranstaltungen im ganzen Land vorantreiben und Royal aus ihrem jüngsten Tief in den Meinungsumfragen herausholen. "In dieser entscheidenden Wahlkampfphase sind alle vereint", sagte sie nach dem überraschenden Parteiaustritt ihres früheren Wirtschaftsberaters Eric Besson. Dieser hatte seinen Schritt mit scharfer Kritik an der Wahlkampfführung Royals begründet.

Der frühere Premierminister (1997-2002) Lionel Jospin, der bei der Präsidentenwahl 1995 Jacques Chirac unterlag und 2002 schon in der ersten Runde scheiterte, weil er vom rechtsextremen Jean-Marie Le Pen überflügelt wurde, hatte im vergangenen Jahr versucht, die Nominierung Royals zu verhindern. Diese setzte sich aber mit großem Erfolg in einer Basisabstimmung der Parteimitglieder gegen Strauss-Kahn und Fabius durch.

Die 53-jährige Präsidentin der Westregion Poitou-Charentes und ehemaligen Familien- und Umweltministerin hatte am Sonntag angekündigt, dass sie ihr Team "besser strukturieren" wolle. In mehreren Umfragen war Royal zuletzt hinter ihren konservativen Mitbewerber Innenminister Nicolas Sarkozy zurückgefallen, bis sie mit einem Fernsehauftritt am Montag wieder Boden wettmachen konnte.

Innerhalb der sozialistischen Partei hatte sich Royal zunächst demonstrativ bemüht, auf Distanz zu den "Elefanten" zu gehen, vor allem nachdem ihr von Jospin "Demagogie und Oberflächlichkeit" vorgeworfen worden war. Mit der Einbeziehung ihres Kritikers in ihr Team will sie nach Ansicht politischer Beobachter dessen Regierungserfahrung und positives Image in der Öffentlichkeit nutzen. "Lionel Jospin bringt seine Erfahrung und seine Stärke mit und zeigt uns, dass wir die Zersplitterung vermeiden müssen", sagte Hollande. Jospins Niederlage vor fünf Jahren war auf die Vielzahl linker Kandidaten zurückzuführen.

Die Präsidentenwahl findet am 22. April, die Stichwahl am 6. Mai statt. Die präsumtiven Kandidaten haben mit dem Sammeln der verfassungsmäßig benötigten Unterschriften begonnen. Sie haben bis 16. März Zeit, 500 Unterschriften von gewählten Amtsträgern - Abgeordnete, Senatoren, Regionalräte, Generalräte der Départements und Gemeinderäte - zusammenzubringen. Erst nach Prüfung der Unterschriften durch den Verfassungsrat werden die Franzosen wissen, wem sie in der ersten Wahlrunde ihre Stimme geben können. (APA/AP)

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    Kandidatin Royal bei einer Wahlkampfveranstaltung im Südwesten Frankreichs.

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