Rückblick 2007: Nobelpreis für US-Klimaschützer Al Gore

13. Oktober 2007, 16:17
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Friedenspreis auch an UN-Weltklimarat - Anhänger hoffen, dass er in den Präsidentschaftswahlkampf eintritt

Der frühere US-Vizepräsident Al Gore und der Weltklimarat erhalten in diesem Jahr die weltweit höchste politische Auszeichnung: den Friedensnobelpreis. In den USA hoffen die Anhänger Gores auf einen Einstieg ihres Idols in den US-Präsidentschaftswahlkampf.

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Der Geehrte reagierte so, wie es der Knigge für würdige Preisträger vorschreibt. Mit angemessener Bescheidenheit. In San Francisco, wohin er geflogen war, um mit der amerikanischen Allianz für den Klimaschutz die nächsten Schritte zu beraten, fand Al Gore als Erstes lobende Worte für die Organisation, die den Nobelpreis mit ihm teilt. Der Weltklimarat habe über Jahre hinweg selbstlos und unermüdlich gearbeitet, hob er heraus. Sein Preisgeld, teilte er ferner mit, wolle er spenden. Ebenjene Alliance for Climate Protection, mit deren Vertretern er sich am Freitag treffen wollte, sollte die 1,5 Millionen Dollar bekommen. "Wir haben es mit einer Notlage des Planeten zu tun", fügte Gore hinzu. "Die Klimakrise ist keine politische Angelegenheit, sie ist eine moralische und geistige Herausforderung für die ganze Menschheit."

Während die US-Umweltaktivisten feierten, euphorisch von einem Signal gegen den Klima-Sitzenbleiber George W. Bush sprachen, fielen die Glückwünsche aus dem Weißen Haus um etliche Nuancen kühler aus. "Natürlich freuen wir uns für Gore und den UN-Klimarat, dass sie diese Anerkennung erhalten haben", sagte Tony Fratto, der Vize-Sprecher des Präsidenten. Bush selbst äußerte sich zunächst nicht zu der Auszeichnung für den Ex-Rivalen, den er bei der Wahl des Jahres 2000 unter höchst umstrittenen Umständen besiegt hatte.

"Ich gratuliere!", flimmerte wiederum über die Website Hillary Clintons, der Kandidatin, die Gore im Vorausscheid der Demokraten schlagen müsste, wollte er doch noch ins Präsidentschaftsduell 2008 einsteigen. Die Hingabe, der Fleiß ihres Freundes, so Clinton, hätten dazu beigetragen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die globale Erwärmung zu schärfen. Einer Bewerbung Gores ums Oval Office hatte die derzeit aussichtsreichste Anwärterin allerdings schon vor einigen Tagen die kalte Schulter gezeigt. "Ich denke, dass wir bereits ein sehr gutes Kandidatenfeld haben", wiegelte sie ab.

Wird Gore seinen Hut dennoch in den Ring werfen? Weitaus angeregter als über die Folgen für den Klimadiskurs debattiert das politische Washington diese eine Frage. Dass der 59-Jährige ausgerechnet gegen Hillary Clinton ins Rennen geht, gegen die Gattin des Mannes, unter dem er Vizepräsident war, gilt als unwahrscheinlich. Eher laufen die Spekulationen auf das Jahr 2012 hinaus. Dann könnte Gore in den Wahlkampf ziehen, um seine politische Karriere zu krönen.

Ex-Präsident Jimmy Carter nutzte den Trubel, um die Hoffnung der Gore-Fans, ihr Idol möge sich eines Besseren besinnen, zu dämpfen. "Ich habe Al so oft angerufen, ihn so oft bedrängt, für die Präsidentschaft zu kandidieren", sagte Carter. "Beim letzten Mal hat er mir endgültig gesagt: Bitte, Präsident Carter, rufen Sie mich deswegen nicht mehr an." (Frank Herrmann aus Washington/DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.10.2007)

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  • Der amerikanische Ex-Vizepräsident Al Gore warnt, stets mit eindrucksvoller Inszenierung, vor den Folgen des Klimawandels.
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    Der amerikanische Ex-Vizepräsident Al Gore warnt, stets mit eindrucksvoller Inszenierung, vor den Folgen des Klimawandels.

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