Verein Ute Bock: Von vergangenen Ereignissen verfolgt

von Redaktion  |  11. Juli 2007, 12:43
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    Ute Bock mit zwei Klienten des neuen Familienprojekts

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    Projektmanager Jürgen Stowasser: Gerade bei AsylwerberInnen aus den Bundesländern, die meist in privaten Pensionen untergebracht sind, "geht es schnell, dass einer rausfliegt, da die Pensionswirten nicht entsprechend ausgebildet sind und daher oft wenig Verständnis aufbringen".

Der Verein Ute Bock bietet traumatisierten AsylwerberInnen nun psychosoziale Betreuung an - Vor allem Kinder oft überfordert

Ein Familienvater, der sein eigenes Grab schaufeln musste, die Pistole im Nacken spürte, sah, dass andere erschossen wurden und selbst überlebte: Mit Schicksalen wie diesen sind die BeraterInnen des Vereins Ute Bock immer wieder konfrontiert. Es sind traumatisierte Menschen, die nach Österreich geflüchtet sind - um hier erneut um das Überleben kämpfen zu müssen: "Rund tausend Asylwerber in Wien haben kein Dach überm Kopf", sagt Jürgen Stowasser, der organisatorische Leiter des Ute Bock-Familienprojekts, das vor kurzem ins Leben gerufen wurde.

Für diese Menschen ist Ute Bock die erste Ansprechpartnerin. "Jeden Tag kommen Leute und wollen, dass ich ihnen einen Platz zum Wohnen gebe. Die warten so lange in der Schlange, dass sie sich eigentlich ein Bett mitnehmen sollten", klagt die Vereinsgründerin Ute Bock.

Familienprojekt

Während es dem Verein bisher vor allem darum ging, den Menschen ein Dach über dem Kopf, rechtliche Beratung und eine Zustelladresse für Postsachen zu bieten, geht das Familienprojekt darüber hinaus: Jene Eltern mit Kindern, die vor Kriegsgräueln und Folter geflüchtet sind, von diesen Erfahrungen aber noch heute psychisch verfolgt werden, sollen nun auch psychosozial betreut werden.

"Besonders unter den AsylwerberInnen, die keine Grundversorgung erhalten, gibt es sehr viele traumatisierte Menschen", sagt Stowasser. Das liege daran, dass "Menschen mit Traumaerfahrungen eben oft ‚schwierig' sind". Und gerade bei AsylwerberInnen aus den Bundesländern, die meist in privaten Pensionen untergebracht sind, "geht es schnell, dass einer rausfliegt, da die Pensionswirten nicht entsprechend ausgebildet sind und daher oft wenig Verständnis aufbringen".

Rund 20 Familien

Zurzeit betreut das Projekt rund zwanzig Familien, acht davon sind in Ute Bock-Wohnungen untergebracht, andere leben in Heimen, ein Teil ist obdachlos. Der Großteil ist aus der Kaukasus-Region, vor allem Tschetschenien, geflüchtet. Psychologische Betreuung ist nur ein Teil des Programms – zu einer nachhaltigen Traumabewältigung gehöre aber mehr als das, betont Anita Buder, Kleinkind-Pädagogin im Familienprojekt: "Psychologische Hilfe kann nicht viel bewirken, wenn ich mich ständig fragen muss: Wann kriege ich wieder etwas zu Essen, wo schlafe ich nächste Nacht, was ist, wenn ich krank werde?" Beim Projekt gehe es vielmehr darum, den Betroffenen "ein Umfeld der Sicherheit zu bieten – Verpflegung, medizinische Versorgung, soziale Kontakte".

Die Idee war während eines Sommercamps für Flüchtlingskinder entstanden. "Da gab es Probleme mit einem tschetschenischen Mädchen, das massive Konflikte mit ihrem Vater hatte", erzählt Stowasser. Bei näherem Hinschauen stellte sich heraus, dass die Zwölfjährige ihren jüngeren Geschwistern Mutter, ihrem Vater Hausfrau sein musste – die Mutter war im Krieg verschleppt und getötet worden. "Das Mädchen hat sich uns am Camp anvertraut. Sie kam mit dieser Verantwortung überhaupt nicht zurecht", sagt Stowasser. "Da erkannten wir, dass wir auf gewisse Probleme in der reinen Flüchtlingsberatung gar nicht draufkommen können."

Eigene Kinderbetreuung

Kinder werden im Familienprojekt eigens betreut. Zu den Ausflügen in den Zoo Schönbrunn, den Nachmittagen im Kindercafè Lolligo und den Spielfesten sind AsylwerberInnen-Kinder aus ganz Wien eingeladen. "Die Kinder haben alle eine schlimme Vergangenheit", sagt Buder. "Hier leben sie in der ständigen Unsicherheit, ob sie dableiben können, und sie merken immer wieder, dass sie in Wien nicht gerade erwünscht sind."

In der Gruppe sollen sie sich sicher fühlen. Und letztlich gehe es auch darum, dass positive Erinnerungen an Wien und den Aufenthalt in Österreich übrig bleiben sollen: "Wenn die Kinder einmal abgeschoben werden, sollen sie im Ausland erzählen können: ‚Ich war drei Jahre lang in Wien und habe dies und das gesehen, und dieses und jenes war super'".

Eintritte, Fahrkarten, Verpflegung der Kinder sowie Buders Teilzeitjob sind von der Stiftung Kindertraum und der Investcredit Bank gesponsert worden, die Rahmenfinanzierung des Projekts kommt von der Hausbetreuungsfirma Attensam. Der tatsächliche Bedarf sei aber weit höher: "Unser Verein bewegt sich ständig am finanziellen Abgrund. Die öffentliche Hand wird in der Asylbetreuung aber kaum aktiv", erklärt Stowasser, "wir sind auf Sponsoren angewiesen."

Wohnraum stiften

Erstes Ziel sei, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Und mittelfristig solle die Betreuung nicht mehr nur Familien, sondern auch Einzelpersonen zugute kommen. Der Verein biete Menschen und Unternehmen, die sich sozial engagieren möchten, konkrete Fördermöglichkeiten an: "Mit einer Spende von nur 250 Euro im Monat könnte man bereits einer fünfköpfigen Familie Wohnraum stiften." (Maria Sterkl, derStandard.at, 28.2.2007)

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david mortimer
01.03.2007 06:54

solange die allgemeinheit dafür nicht zahlen muss,...ein schönes projkt

Eine Kreatur
08.03.2007 17:59
wie wäre es ..

wenn sie ihren beitrag für diese und andere projekte als ausgleich dafür einzahlen, das:

europa den afrikanischen kontinent hinten und vorne ausbeutet? pharmaindustrie, erdölindustrie, "müllentsorgung", rohstoffe (erz, seltene metalle, getreide, ...), waffenverkäufe an pseudo- und nichtdemokratische systeme, tourismus, usw. usw. ....

schwalbe
01.03.2007 17:58

Die Fr. Bock war auch rigoros in der MA 11, als Heimleiterin kenne ich sie, so nach dem Motto, diese Jugendlichen hat mir die Gesellschaft verschandelt. Sie versteht Sozialarbeit als Kritik am System, eine existenzielle Gratwanderung. Manche Menschen behalten Linie.

Gusti Rentner 
28.02.2007 17:22
"Wenn die Kinder einmal abgeschoben werden... WIE BITTE ??? HABEN WIR IN ÖSTERREICH NICHT angeblich ZU WENIG KINDER ?????!!!!!

Emil Zatopek
28.02.2007 16:16

Eine bewundernswerte Frau!

Da geh ich auch gern wieder auf die Altwartenburg zum Bock ma´s ;)

Kontrahent
28.02.2007 12:29
Warum muß ich nur immer

an 1945 denken, wenn ich das alles lese ?

hanslblasta 
01.03.2007 06:00
jo eh; die Erfahrungen der damaligen Generationen

haben sich dann zB als - gelegentlich sehr brutaler - Erziehungsstil bis in die 70er und 80er durchgezogen;
und Möglichkeiten der Aufarbeitung gab es nach dem Krieg kaum, vielleicht noch solche, wieder in einen Sicherheitsdienst oder in eine Hilfsorganisation zu gehen, zum Kameradschaftsbund oder einen totalen Putzfimmel zu entwickeln;
aber dass die Seele nach Kriegserlebnissen Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht, wurde in den 40er/50er Jahren IMHO verdrängt;

Kontrahent
01.03.2007 18:42
Ich glaub, die meisten hatten keine Zeit

sich groß an Misshandlung, Vergewaltigung, Bombennächte usw. zu erinnern. Zuerst gings ums tägliche Essen mit Hamsterfahrten und so, dann gings ans 'Wirtschaftswunder', nix mit 36 Stunden da wurde durchmalocht, aufgebaut und deshalb gabs schon 1960 wieder funktionierende Länder.

de schiache oide vom friedhof 
28.02.2007 12:15

lol

shinkyshonky
28.02.2007 11:35
dank

frau bock und ihre mitarbeiter sind grossartig!! danke!

Terence Lennox
28.02.2007 11:22
bock..

..schaut auf dem foto wie bob geldof aus..

MichaelBr   
28.02.2007 17:19
Danke...

...für diesen Beitrag!

pandoras box
28.02.2007 09:47

der unterschied zwischen frau bock und herrn westenthaler? westenthaler bekommt von khol für seine "verdienste für die republik österreich" einen orden umgehängt. der ober-deportierer, alles klar...

MichaelBr   
28.02.2007 17:34
Westenthaler wurde geehrt für...

..."seine Handschlagsqualität, seine brillante Rhetorik, seinen Fleiß und seinen Witz", so Kohl in der Laudatio.

Ich versteh die Welt nicht mehr, in welchem Land lebe ich hier?

Pefo
01.03.2007 07:47

Naja, MichaelBr,

vielleicht übte Khol für seine Rede beim nächsten Villacher Fasching.

Rumpelstilschen
28.02.2007 11:36

Mit "Verdienste" kann aber nur das Politikereinkommen des Ingenieur Hojak gemeint sein ;)

plasticfly
28.02.2007 10:13

zum Glück kann ich noch andere, wesentliche Unterschiede erkennen

MichaelBr   
28.02.2007 06:28
Traurig...

..., dass es in Österreich wichtiger ist, illegale Einwanderer abzuschieben, als sich um solche Menschen zu kümmern. Traurig, dass so viele Österreicher zuerst darauf schaun, ob man jemanden nicht vielleicht doch abschieben kann, anstatt zuerst nachzusehen, wo Hilfe notwendig ist.

MichaelBr   
28.02.2007 17:35
Soll heißen...

...danke Ute Bock!

Gusti Rentner 
28.02.2007 17:25
Mit dem Geld, das eine Abschiebung im Besonderen und die ganze Diskriminierungsbürokratie im Allgemeinen kosten, könnte an den Flüchtlingen VIEL GUTES GETAN WERDEN !!!

Timagoras 
28.02.2007 01:59
frau Bock ist es!


nicht integrations- oder migrations"expertInnen", soziologInnen, sozialanthropologInnen, integrationsbeauftagte, migrationsforscherInnen, politikerInnen, politikwissenschafterInnen, journalistInnen, ...

menschen wie frau Bock sind es!!!

free spirit
01.03.2007 07:23
menschen die ihre freizeit opfern

menschen die ihre freizeit opfern um die frau bock bei ihrer arbeit zu unterstützen sind es...

alleine kann das nämlich niemand. schauen sie sich die leute an die tätig sind, ehe sie die arbeit einzelner bewerten.

auch wenn sie es lieb gemeint haben mögen, aber die leute die ohne entgelt viel leisten, werden nicht begeistert sein über ihre meinung.

Timagoras 
01.03.2007 18:03
"schauen sie sich die leute an die tätig sind, ehe sie die arbeit einzelner bewerten"

und genau aus diesem grunde habe ich geschrieben:

"menschen wie frau Bock sind es!!!"

frau Bock steht also hier nur stellvertretend für all diese menschen.

was ist daran so schwer zu verstehen?

schwalbe
01.03.2007 22:49

Sie hat ihren Job riskiert.

Gabriele Komma
03.03.2007 17:25

... und verloren, denn sie wurde ja fristlos entlassen damals! und heute arbeitet sie mit vielen anderen gemeinsam, gratis!!!!! unterstützt von privaten spenden und kampagnen!

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