"Kickback"-Zahlungen von AMIS-Vorgänger AMV an Bawag

5. März 2007, 12:05
2 Postings

"Format": Verdacht von Schmiergeldzahlungen zwischen AMV und Bawag

Wien - Die Vorgängergesellschaft des insolventen Finanzdienstleisters AMIS, die AMV Asset Management Vermögensverwaltung, hat laut einem Magazin-Bericht an die BAWAG "Kickback"-Zahlungen geleistet. Wie das "Format" in seiner morgen, Freitag erscheinenden Ausgabe schreibt, werde bei gerichtlichen Untersuchungen geklärt werden müssen, ob diese Zahlungen widerrechtlich geflossen seien. Brisante Unterlagen nährten den Verdacht von Schmiergeldzahlungen zwischen AMV und BAWAG, heißt es.

Das Magazin zitiert aus einem Protokoll zur Generalversammlung der AMV Vermögensverwaltungs-GmbH über ein Treffen der AMV-Manager Dietmar Böhmer und Harald Loidl am 8. August 1997 mit ihrem Salzburg-Repräsentanten Wolfgang Petran. Dabei sei es um die Entwicklung des "Euro-Fonds" und die damit verbundenen BAWAG-"Kickbacks" gegangen. "P. hat die Aufstellung über die Kickbacks bis Februar erhalten", heißt es in dem Protokoll. "März und April fehlen, sodass er noch nicht komplett gegenrechnen konnte. P. ist aber bereit, 50 Prozent der BAWAG-Kickbacks zu übernehmen. Herr C. (Anm. ein BAWAG-Manager) hat ihn bereits angerufen, ob und wann er nun bezahlt, da BAWAG von Wien nur 50 Prozent erhalten hat." Weiters heißt es dort laut "Format": "Problem des Restes liegt beim BAWAG-Vorstand".

Petran erklärte gegenüber dem "Format", er habe keine Kenntnis von AMV-Geldtransfers an die BAWAG und bestreitet alle Vorwürfe vehement.

1993 gegründet

Der genannte AMV Euro-Fonds wurde laut BAWAG-Sprecher Thomas Heimhofer im Jahr 1993 gegründet, von der AMV gemanagt und investierte in europäische Aktien und Anleihen. Die BAWAG habe den Fonds-Mantel zur Verfügung gestellt und diente als Abwickler. Der damalige BAWAG-Treasurer Thomas Hackl kontrollierte als Aufsichtsratsvorsitzender der BAWAG-Invest auch die AMV-Geschäfte, schreibt das Magazin. Reportiert wurde demnach direkt an BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen der AMIS und der BAWAG reichen bis in die frühen Neunziger-Jahre zurück, so das Magazin. Damals seien die AMIS-Vorgängergesellschaften AMV und ihre Schwester Albag Gesellschaft für allgemeine Finanzierungsberatung GmbH von Dagmar Partik-Wordian und ihrem Ehemann, dem Ex-BAWAG-Vorstand Gerhard Partik, gegründet worden. BAWAG-Wertpapierdeals wurden ab diesem Zeitpunkt immer öfter von AMV oder Albag abgewickelt. Auch der Investmentbanker Wolfgang Flöttl habe die AMV in ihrer Gründungsphase finanziell unterstützt: 16,7 Mio. Schilling habe er als nachrangiges Darlehen in die Firma gepumpt, weitere 20 Mio. Dollar (15,3 Mio. Euro) zur Veranlagung an die AMV weiter geleitet.

Von der im Herbst 2005 erfolgten AMIS-Insolvenz sind rund 10.000 österreichische und etwa 6.000 deutsche Anleger betroffen. Von ihren Anlegergeldern sind rund 70 Mio. Euro verschwunden. Die beiden AMIS-Gründer Harald Loidl und Dietmar Böhmer waren Ende November 2005 in Venezuela festgenommen worden und sitzen seitdem in U-Haft. Gegen sie wird wegen des Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung. (APA)

Share if you care.