Aufbegehren der Kleinen: Mehr Rechte bei Hauptversammlung

7. März 2007, 13:55
1 Posting

Wenige Monate vor Beginn der HV-Saison fordert der Interessenverband für Anleger Maßnahmen zur Straffung und Aufwertung der Aktionärsversammlungen

Wien - Wilhelm Rasinger, Chef des Interessenverbandes für Anleger (IVA) macht sich für eine Straffung der oft stundenlangen Hauptversammlungen (HV) stark. Wie auch eine in Ausarbeitung befindliche EU-Richtlinie will Rasinger die Erleichterung der Teilnahme an der HV durch eine Stichtagsregelung statt der derzeitigen Hinterlegungsfrist. In Deutschland ist der Stichtag 21 Tage vor der HV, in Großbritannien ist es ein Monat vor der HV. Außerdem soll die Stimmabgabe per Brief oder E-Mail ermöglicht werden, statt der derzeit notwendigen Präsenz.

Darüber hinaus will der IVA die Depotbanken verpflichten, die Aktionäre über den HV-Termin, die Tagesordnung und die Anträge zu informieren. Die Einführung eines neutralen Stimmrechtsvertreters wird ebenso verlangt wie die Einschränkung von Vorratsbeschlüssen. Ein Delisting sollte nur durch HV-Beschluss und ein Abfindungsangebot möglich sein. Und: Es sollte eine Meldepflicht für Optionen ab fünf Prozent geben. Derzeit gälten solche Meldeschwellen nur bei direktem Aktienbesitz, nicht aber, "wenn sich Investoren über Optionen schon de facto eingekauft haben". Meister der Optionen sind für den Aktionärsschützer die Investoren Martin Schlaff (bei RHI) und Ronny Pecik (bei SkyEurope)

Weniger Redezeit für den Vorstand

Um die HV-Dauer zu verkürzen, sollte die Redezeit des Vorstandes auf maximal eine Stunde beschränkt werden und die Aktionärsfragen auf zehn bis 20 limitiert werden. Die Funktionsperioden für Vorstände und Aufsichtsräte sollten auf dreimal fünf Jahre begrenzt werden.

Als "die Hauptversammlung des Jahres" bezeichnete Rasinger jene der BA-CA am 3. Mai. Dort wird die Abfindung des fünfprozentigen Streubesitzes und der Börsenrückzug beschlossen. Um den Abfindungspreis wird bereits jetzt gepokert. Neben britischen und skandinavischen Fonds fordern auch heimische Kleinaktionärsvertreter hohe Auszahlungssummen. Der britische Hedgefonds Polygon hat sich Anfechtungsklagen vorbehalten, sollte die Abfindung zu niedrig sein.

Rasinger bestätigte, mit Polygon im "Interessengleichklang" zu sein. Einer Klage von Fonds will er sich aber nicht anschließen. Ihm schwebt ein Modell wie bei der Generali vor: ein Kompromiss statt eines langjährigen Gerichtsverfahrens. Rasinger gab zu, dass sich schon etliche Anwälte bei ihm anstellten, die sich für die Überprüfung des von UniCredit erwarteten Bar-Offerts interessieren. "Das wird ein Eldorado für die Juristen."

Umtauschwert

Für Polygon wäre alles, was unter 171 Euro je Aktie bleibt, "eher nicht akzeptabel", hieß es zuletzt. Rasinger selbst legt seinen Forderungen den seinerzeitigen Umtauschwert als Richtwert zugrunde, den UniCredit bei der ersten (nicht gelungenen) Streubesitzübernahme 2005 angelegt hatte. Damals bot UniCredit den Tausch von 19,92 eigenen Stämmen gegen eine BA-CA-Aktie. Eine UniCredit-Aktie kostete am Donnerstag 7,25 Euro. Bei knapp 20 Aktien wären das zu derzeitigen Kursen 145 Euro je BA-CA-Aktie. Laut IVA müsste da aber noch eine Prämie drin sein, womit er für seine Abfindungs-Empfehlungen auf 150 Euro je Aktie kommt. Die BA-CA-Aktie notierte bei 138 Euro.

Rasinger berief sich auch auf eine jüngste Äußerung von UniCredit-Chef Alessandro Profumo im Standard, der sich ab neun Euro je UniCredit-Aktie für einen Verkauf seines Bankimperiums "verhandlungsbereit" gab. Multipliziert mit 20 ergäbe Profumos "Bewertung" sogar 180 Euro für die BA-CA-Aktie, rechnete Rasinger vor. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.12.2007)

  • Wilhelm Rasinger
    foto: standard/fischer

    Wilhelm Rasinger

Share if you care.