Von Mäusen und Zecken

4. März 2007, 18:09
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Medizinier: In diesem Jahr erhöhte Aktivität zu erwarten - Impfung schützt zu mehr als 99 Prozent

Wien - "Die Zecken sitzen da und warten." So charakterisierte am Donnerstag Univ.-Prof. Dr. Horst Aspöck vom Hygiene-Institut der Medizinischen Universität Wien bei einer Pressekonferenz die Situation rund um die FSME. Für dieses Jahr sei mit einer erhöhten Aktivität zu rechen: Weil einerseits im Winter starke Temperaturschwankungen fehlten, andererseits keine sehr tiefen Temperaturen auftraten, welche die Mäusepopulation schädigten. Die Nager sind nämlich für die Entwicklung der Blutsauger wichtig. Besonders wichtig ist daher heuer die FSME-Impfung, wurde betont.

"Die Zecken beginnen ihre Aktivität bei fünf, vielleicht auch sechs Grad Celsius. Einen 'Wirt' suchen sie ab acht, neun, zehn Grad Celsius. Die Zecken sitzen an der Vegetation und warten, bis jemand vorbei kommt", sagte Aspöck. Der Entwicklungszyklus der kleinen Spinnentiere von der Larve über die Nymphe bis zum geschlechtsreifen FSME-Überträger bedarf zunächst einer Mauspopulation, dann erst kommen größere Tiere - und als "Unfall" - der Mensch in Frage.

Viele Mäuse, viele Zecken

Der Experte: "Mäuse sind viel temperaturempfindlicher als Zecken." Und weil in diesem Winter eben mehr Mäuse überlebt haben dürften und gleichzeitig längere warme und feuchte Jahreszeiten die Aktivität der Zecken größer mache, sei umso mehr auf die Notwendigkeit der Impfung gegen die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis hinzuweisen. Aspöck: "Wir können davon ausgehen, dass es in diesem Jahr eine hohe Mauspopulation geben wird und davon ausgehend auch eine hohe Zeckenpopulation. Man muss die Bevölkerung informieren, dass (eine FSME-Infektion, Anm.) auch jetzt schon möglich ist."

An sich sieht es mit dem FSME-Impfschutz in Österreich gut aus: Im landesweiten Durchschnitt haben schon 88 Prozent der Menschen einmal eine solche Immunisierung bekommen. In der Schweiz und in Deutschland sind es beispielsweise 13 Prozent, in Tschechien nur elf Prozent. In der Tschechischen Republik allerdings wurden vergangenes Jahr erstmals mehr als 1.000 FSME-Fälle bei drei Todesopfern registriert. In Österreich gab es 84 Erkrankungen. Zwischen 2000 und 2005 dürfte die Immunisierung in Österreich geschätzten mehr als 2.700 Menschen die schwere Erkrankung erspart haben.

Zu 99 Prozent schützend

Univ.-Prof. Dr. Franz X. Heinz vom Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien: "Korrekt geimpft sind in Österreich aber nur 58 Prozent der Menschen. Dann beträgt die Schutzrate mehr als 99 Prozent." Während beispielsweise 67 Prozent der 13- bis 19-Jährigen durch die ersten drei Teilimpfungen und eventuelle weitere Auffrischungen im Impfschutz sind, sind es bei den 20- bis 29-Jährigen nur noch 54 Prozent, bei den 70- bis 79-Jährigen nur 43 Prozent. Geht jemand nicht regelmäßig zur Auffrischungsimpfung, rutscht er in das siebenfache Infektionsrisiko.

Gegen die FSME geimpft werden können alle Menschen ab dem ersten Lebensjahr. Für Kinder bis 16 gibt es eine spezielle Vakzine. Zunächst erfolgen zwei Impfungen im Abstand von einem Monat, der dritte Teil dann nach einem Jahr. Die erste Auffrischung sollte nach drei Jahren erfolgen. Danach kann bei Personen bis zum 60. Lebensjahr die Auffrischung alle fünf Jahre geschehen, später wieder alle drei Jahre. Die Erwachsenen-Vakzine kostet in den Apotheken 22,50 Euro, jene für Kinder etwas weniger. Krankenkassen leisten Zuschüsse.

Die Impfung zahlt sich auf jeden Fall aus: Im Falle einer Erkrankung haben nämlich 35 bis 38 Prozent der Betroffenen mit langfristigen und schweren Schäden zu rechnen. (APA)

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    Eine Zecke wartet auf einer Blattspitze auf den nächsten Wirt. Mediziner gehen davon aus, dass die Blutsauger heuer etwas aktiver sein werden.

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