Giger: "Goldene Zeiten sind vorbei"

9. März 2007, 09:42
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Cheftrainer Toni Giger im Interview über die er­starkte Konkurrenz, die Probleme im ÖSV und die RTL-Pleite von Aare

Wien/Salzburg - Ohne ihren Cheftrainer Toni Giger müssen Österreichs Ski-Herren vorerst auskommen. Der 43-jährige Salzburger wurde am Donnerstag am Knie operiert und darf mehrere Woche nicht Ski fahren. Unmittelbar vor dem Eingriff zog Giger nochmals eine WM-Bilanz und zeigte sich dabei stolz über den Zusammenhalt in seiner Mannschaft. Er gestand aber auch ein, dass die goldenen Jahre der ÖSV-Herren vorbei sind, weil die jahrelang schlafende Konkurrenz längst aufgewacht ist. Für Giger ist Österreich aber nach wie vor die stärkste Ski-Nation der Welt.

Als ob ihre Herren nicht schon genug Probleme hätten, fällt nun auch noch der Chef aus.

"Alpinchef Hans Pum übernimmt vor Ort meine Agenden, die Schlüsselaufgaben haben wir aufgeteilt. Außerdem bin ich für Fragen und Entscheidungen am Telefon erreichbar."

Ihr WM-Resümee mit einigen Tagen Abstand?

"Es war eine Hochschaubahn und vor allem für die Mannschaft eine echte Nagelprobe. Es ist sehr viel auf sie eingeprasselt. Entweder es fällt dabei etwas auseinander oder es schweißt sich fester zusammen. Zweiteres ist passiert. Ich bin stolz, dass die Mannschaft nicht auseinander gebrochen ist."

Obwohl es historisch schlechte Ergebnisse gab?

"Der Riesentorlauf war richtig schlecht, da darf man nicht die Augen verschließen. Aber die Trainer haben danach das Richtige getan. Der Druck vor dem Slalom war so enorm wie noch nie und dann haben wir Gold gewonnen."

Was war der Grund für die vielen WM-Überraschungen?

"Es hat sich sehr viel verschoben. Die US-Herren, vor zwei Jahren noch unsere größten Gegner, sind medaillenlos geblieben. Dafür gibt es eine Menge neuer Gegner, deshalb sind viele Favoriten bei der WM leer ausgegangen. Zwei Drittel sind mit den Verhältnissen in Schweden nicht zurechtgekommen. Auch die schwedischen Herren nicht. Anderen wiederum sind die Bedingungen förmlich in den Schoß gefallen."

Schwere Momente haben oft auch eine berührende, schöne Seite.

"Wenn so viel Kritik von außen kommt, vergisst man leicht, wozu man eigentlich da ist. Die harte Gangart der Medien hat zu extrem vielen Unterstützungserklärungen geführt. An einem Tag habe ich an die 150 Unterstützungs-Mails bekommen."

Insgesamt haben sie was aus der WM gelernt?

"Dass die Emotionen in diesem Sport in Österreich ungebrochen sehr hoch sind. Und dass bei uns im ÖSV die Achse nach oben hält. Unsere Chefs haben uns extrem den Rücken gestärkt. Das ist schön."

Die WM ist vorbei, die Probleme bleiben.

"Die Erfolge, die wir von Mitte der 90er Jahre bis Bormio gewohnt waren, lagen auch daran, dass einige Nationen richtiggehend geschlafen haben. Das tun sie längst nicht mehr und deshalb dürfen wir mit solchen Erfolgen nicht mehr selbstverständlich rechnen. Und natürlich arbeitet die Konkurrenz mit österreichischem Know-how-Transfer. Die goldenen Zeiten sind vorerst vorbei, damit müssen wir uns abfinden."

Die Gründe für die eigenen Probleme?

"Wir hatten in der Abfahrt viele Schwerstverletzte, vor allem die junge Generation der Jahrgänge 1980 bis 1983. Das kann man nicht innerhalb eines Jahres wegstecken. Man muss vor einem Mario Scheiber echt den Hut ziehen."

Und im Riesentorlauf?

"Es gilt, was ich schon im Dezember gesagt habe. Unsere Herren fahren nach wie vor einen schnellen Schwung, sind aber zu fehlerhaft. Schönfelder war bei der WM schneller unterwegs als Svindal, kassiert dann aber bei einem Tor plötzlich mehrere Zehntel. Bis auf Benni Raich schaffen wir es nicht, auch in zwei Läufen in Podest-Nähe zu kommen."

Was sollte ihrer Meinung nach jetzt passieren?

"Der größte Fehler wäre, jetzt österreichische Trainer freizusetzen. Das würde das Ausland noch mehr stärken. Ich sehe uns noch immer als stärkste Ski-Nation und wir werden weiter kämpfen bis zum Umfallen." (APA)

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    "Ich bin stolz, dass die Mannschaft nicht auseinander gebrochen ist"

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