Entführungsopfer Betancourt nicht mehr in Kolumbien

5. März 2007, 15:11
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Franko-kolumbianische Politikerin seit fünf Jahren entführt

Paris/Bogotá - Die Schwester der vor fünf Jahren entführten kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt schließt nicht aus, dass die 45-Jährige aus Kolumbien herausgeschafft worden ist. Es gebe Gerüchte, dass die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) ihre Schwester außer Landes gebracht hätten, sagte Astrid Betancourt am Mittwoch im französischen Fernsehsender France 2. "Das würde bedeuten, dass sie sie vor militärischen Einsätzen (der kolumbianischen Armee) schützen wollen."

Astrid Betancourt nannte kein Land, in dem sich ihre Schwester befinden könnte, sondern sagte nur, dass die Gebiete, in denen die in Kolumbien Entführte sein könne, an Peru, Brasilien und Ecuador angrenzen. Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hatte zuvor gegenüber französischen Medien erklärt, dass sich Betancourt möglicherweise außerhalb Kolumbiens befinde. Die Mutter der Geisel sagte dagegen, sie glaube das nicht. "Er weiß, dass Kolumbien voll ist mit internationalen Journalisten, die wissen wollen, was aus ihr geworden ist", sagte Yolanda Pulecio in Bogota. "Für ihn ist es einfacher zu sagen: 'Sie ist nicht mehr hier'". Sollte es dennoch stimmen, wäre sie zufrieden, denn das bedeute, dass ihre Tochter nicht bei einer gewaltsamen Befreiung durch Soldaten getötet werden könne.

Noch am Leben

Astrid Betancourt gab sich überzeugt, dass ihre Schwester noch am Leben sei. Es gebe zwei Unterhändler, einen Franzosen und einen Schweizer, die sich "unter Lebensgefahr" mehr als ein Dutzend Mal nach Kolumbien begeben hätten, um eine Lösung zu finden. Die beiden Gesandten hätten ihrer Familie versichert, dass einer der FARC-Anführer, Raul Reyes, nicht gelogen habe, als er sagte, "dass Ingrid am Leben und bei guter Gesundheit ist". Sie halte eine "humanitäre Einigung" für das einzige Mittel, um die Geisel freizubekommen, ohne ihr Leben aufs Spiel zu setzen, sagte Astrid Betancourt.

Ingrid Betancourt, die die französische und kolumbianische Staatsbürgerschaft hat, war am 23. Februar 2002 im Präsidentschaftswahlkampf entführt worden. Ihr letztes eindeutiges Lebenszeichen ist ein im August 2003 von den FARC veröffentlichtes Videoband. Die kolumbianische Regierung hatte zuletzt unter Verweis auf "glaubwürdige" Informationen mitgeteilt, die prominente Geisel sei "bei guter Gesundheit". (APA/AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Melanie Betancourt vor dem Porträt ihrer Mutter vor der dem Pariser Rathaus

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