Auftakt zur langen Messesaison

21. Februar 2007, 22:50
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Die 26. Internationale Madrider Kunstmesse Arco schloss mit einem Verkaufsrekord, Gastland war heuer Korea

Die Umsätze sind laut Direktorin Lourdes Fernández um etwa 15 Prozent gestiegen.


Madrid - Jung-Wha Kim gab sich hoch zufrieden: "Unsere Galerien haben zu100 Prozent alle Werke verkauft und kehren mit leeren Händen zurück", frohlockte die Koordinatorin des Auftritts von Südkorea als Gastland an der Madrider Arco 2007. Sofern die Jubelmeldung auch voll glauwürdig ist, kann der dann als durchschlagend zu wertende Erfolg des Gastlandes wohl kaum an der durchschnittlichen Qualität von Koreas Angebotspalette gelegen haben. Eher schon am Gewinn versprechenden Asien-Hype, an spekulativen Investments und sicher auch am einen oder anderen patriotisch orientierten koreanischen Sammler. 14 der 271 Galerien aus 30 Staaten vertraten das Gastland. Im nächsten Jahr sollen mit Gästen aus Brasilien die Kurse noch weiter nach oben getrieben werden.

Einen Schwerpunkt für sich bildete Damien Hirst mit seiner Soloshow beim Galeristen/Sammler Hilario Galguera aus Mexico-City. Ein auf zumindest auf fünf Meter aufgeblasenes Anatomiemodell (Hymn, bemalte Bronze) stand nicht zum Verkauf, dafür fand eine Vitrinenlandschaft aus dem Biologiekabinett für annähernd sechs Millionen Euro ebenso einen neuen Liebhaber, wie Hirsts Tisch mit einem Klingensortiment aus der Prosektur für den lächerlichen Gegenwert von vier Millionen Euro fortan einen neuen Liebhaber im privaten Rahmen täglich an die gemeine Endlichkeit der Existenz ermahnen kann.

Minimal im Original

Wer es weniger aufgeregt und gediegener, dafür aber noch teurer haben wollte, konnte sich einen Picasso gönnen. Ganz unaufgeregt, nachgerade versteckt, dafür aber auch in Kollegenkreisen als einer der besten Auftritte an dieser Arco gewertet, fiel Hubert Winters Solopräsentation mit wesentlichen Werken des 2003 verstorbenen Minimal-Künstlers Fred Sandback aus. Winter rekonstruierte in Madrid einen seiner ehemaligen Galerieräume in Wien, um Sandbacks reduzierte Verspannungen mit farbigen Acrylfäden am "Originalschauplatz" zu zeigen: Untitled, Six-Part Low-Relief Construction, 1997.

Einen der Project Rooms der Arco reservierte der Düsseldorfer Galerist Michael Cosar für Werner Reiterer. Der setzte eine seiner "gezeichneten Ausstellungen" als reales Objekt in die Tat um: The Ku Klux Klan Monument, ein an der Basis abgeknickter Galgen mit animierter Schnur. Werner Reiterer ist ab 3. März eine Personale im Kunsthaus Graz gewidmet. Titel: Eye Sucks World.

Gemischte Kost

Die österreichischen Teilnehmer zeigten in Madrid durchwegs eine Auswahl aus ihren jeweiligen Programmen: Christine König (Johanna Kandl, Constantin Luser, Jimmie Durham), Ernst Hilger (u. a. Daniele Buetti, Oliver Dorfer, John Gerrard und Massimo Vitali), Grita Insam (Candida Höfer, Karl Heinz Klopf, Peter Sandbichler), Johannes Faber (von Nobuyoshi Araki über Heinrich Kühn bis zu Weegee), Ursula Krinzinger (u. a. Bjarne Melgaard, Frank Thiel und Erwin Wurm), Galerie Nächst St. Stephan / Rosemarie Schwarzwälder (von Adam Adach über Jörg Sasse zu Adrian Schiess).

Thaddaeus Ropac (Salzburg Paris) mischte oft bewährt Baselitz mit Cragg, Elgar Esser, Anthony Gormley, Jack Pierson und Jason Martin. Die Innsbrucker Klaus & Elisabeth Thoman kombinierter Malereien von Herbert Brandl, Walter Vopava und Günther Förg mit Fotos von Clegg & Guttmann und einer Skulptur von Thomas Feuerstein.

Mario Mauroner stellte zum einen Bewährtes aus dem Programm zwischen Carmen Calvo, Susy Gómez, Jaume Plensa und Lois Renner aus. Und bespielte zudem einen Projektraum mit einer Arbeit von Barthélémy Toguo aus Kamerun. Und Georg Kargl hatte neben Gerwald Rockenschaub und Lisa Ruyter famose neue Mischtechniken von Franz Graf am Stand. (Markus Mittringer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2007)

  • In verschiedensten Varianten auf der Arco 2007 zu finden: Marina Abramovic mit ihren "Balkan Epic: Woman" aus 2005.
    foto: la fábrica galeria, madrid

    In verschiedensten Varianten auf der Arco 2007 zu finden: Marina Abramovic mit ihren "Balkan Epic: Woman" aus 2005.

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