Der Sport kommt, die Sünde bleibt

14. März 2007, 13:35
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Las Vegas zerstreut moralische Bedenken und lockt die großen US-Profi-Ligen in die populärste City der Welt

Las Vegas - Oscar Goodman hat eine Vision: Spätestens in fünf Jahren will der Bürgermeister von Las Vegas seine Stadt zum Mittelpunkt der US-amerikanischen Sportszene gemacht haben. Nach der gerade bestandenen Feuertaufe beim Allstar-Spiel der National Basketball Association (NBA) glaubt Goodman, die großen Profiligen in das Spielerparadies locken zu können: "Ende des Jahrzehnts werden wir drei Millionen Einwohner haben. Es gibt keinen guten Grund, uns weiterhin die kalte Schulter zu zeigen."

Pro Jahr besuchen 40 Millionen Touristen die größte Messestadt des Landes. Mit einem Bekanntheitsgrad von 97 Prozent ist Las Vegas gemeinsam mit New York die populärste City der Welt. Doch nach wie vor zieren sich die US-Profi-Ligen, ihre Klubs in der "Stadt der Sünde" anzusiedeln.

Die Angst vor möglichen Manipulationen schreckte vor allem die National Football League (NFL) immer wieder ab. Wie ernst dieses Problem ist, wurde gerade erst wieder beim 41. Super Bowl klar. So war es den Casinos in Las Vegas erneut per Gerichtsbeschluss untersagt, das NFL-Endspiel auf den Großbild-Leinwänden zu übertragen. Damit nicht genug: Der für die Fernsehbilder verantwortliche Sender CBS verlegte auf Druck der Liga seine Fernsehserie "Las Vegas" auf einen anderen Tag, um damit die Ausstrahlung von Werbespots für die neue Folge während des Super Bowls zu vermeiden.

"Das alles wird bald der Vergangenheit angehören", meint Goodman. Der Grund für den Optimismus des Politikers liegt auf der Hand: Die NBA will im April über eine Lockerung im Umgang mit Las Vegas entscheiden. Der selbsterklärte "glücklichste Bürgermeister" - aufgrund seiner Vorliebe für Alkohol-Mischgetränke "Martini Mayor" genannt - hatte die NBA vorher auf typische Vegas-Art umworben. Zur Bekanntgabe des Austragungsortes für das Allstar-Spiel 2007 war Goodman in Begleitung zweier nahezu nackter Schönheiten und eines angezogenen Elvis-Imitators nach New York gereist.

Die Stars der Sportszene haben Las Vegas ohnehin längst zu ihrer Lieblingsstadt erklärt. Shaquille O'Neal von den Miami Heat versucht sich im Palms Casino regelmäßig als Discjockey, Golfer John Daly und NBA-Altstar Charles Barkley zieht es immer wieder zum Zocken in die "Sin City".

Auch die Fans zeigten sich mit ihrer Bereitschaft, bis zu 5000 Dollar für ein Ticket zum Allstar-Spiel zu bezahlen, ligareif. Den Casinos kann der Profisport derweil gar nicht schnell genug in die Stadt kommen. Am Allstar-Wochenende vermieteten sie ihre Nightclubs an gutbetuchte Edelfans - für bis zu eine Millionen Dollar pro Nacht. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. Februar 2007, sid)

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    Die Stadt der Sünde soll nun auch die Stadt des Sports werden. Auf die Skyline dürfte das freilich keine gröberen Auswirkungen haben.

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