Millionen für Hauptbahnhof gesucht

28. Februar 2007, 16:33
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In der ÖBB wird fieberhaft nach 180 Millionen Euro gesucht - genauer gesagt nach Zahlern, die sich mit Kostenbeiträgen am Wiener Hauptbahnhof beteiligen

Wien – In Sachen Wiener Zentralbahnhof setzt die ÖBB-Holding neuerdings große Hoffnungen in die Wiener SPÖ. Nicht nur, weil die Wiener Stadtregierung beim umstrittenen Hauptbahnhof der wichtigste Mitstreiter der Eisenbahner ist, sondern weil sie vielleicht doch ein bisschen mehr Geld dazuzahlen könnte, als die bisher vereinbarten 40 Millionen Euro.

Vor diesem Hintergrund hängt von der traditionell im burgenländischen Rust stattfindenden Klausur der Wiener Roten viel ab. Eine gewisse Beweglichkeit haben die Wiener bereits signalisiert: Wohl nicht, was höhere Zuschüsse zur Errichtung betrifft, dafür aber bei der Erhaltung. Für den neuen Busbahnhof oder den Bahnhofsvorplatz würden die Wiener allenfalls aufkommen, erfuhr der STANDARD aus ÖBB-Kreisen. Außerdem führt man Gespräche über Grundstücksabtretungen.

Ob die ÖBB direkt oder doch der für die ÖBB-Schulden zuständige Finanzminister Wilhelm Molterer oder gar Infrastrukturminister Werner Faymann mit seinem ehemaligen Chef, Bürgermeister Michael Häupl, Nachverhandlungen führen muss, ist noch offen. Molterers Vorgänger Karl-Heinz Grasser war jedenfalls fest entschlossen, den Wiener Bürgermeister zur Kasse zu bitten für den – laut internen ÖBB-Sprachregelungen tunlichst als „Drehscheibe zwischen Ost, West, Nord und Süd innerhalb des transeuropäischen Netzes“ – bezeichneten Durchgangsbahnhof.

Das größte Problem beim neuen Durchgangsbahnhof sind 180 Millionen Euro, die im derzeit noch immer gültigen "ÖBB-Rahmenplan 2005– 2010" schlicht und einfach fehlen. Diese Finanzierungslücke beim 889-Millionen-Investitionsprojekt resultiert unter anderem aus unzuverlässigen Kostenschätzungen bzw. Aufwendungen für Infrastrukturinvestitionen, die seinerzeit nicht berücksichtigt wurden. Zur Erinnerung: Im Rahmenplan eingestellt sind nur 420 Millionen Euro für Infrastrukturinvestitionen, gebraucht werden nach der nunmehr vorliegenden "vertieften Kostenprognose" (auf Preisbasis Jänner 2006) aber 702 Mio. Euro, die durch Geld aus Wien und Brüssel auf 600 Mio. Euro reduziert werden sollen. Wobei ein Risiko bleibt: Ob die EU tatsächlich 62 Millionen Euro TEN-Förderung locker machen wird. Die 180 Millionen Euro sind jedenfalls hausgemacht:

  • Valorisierung: 18 Mio. Euro
  • Projektmanagement- und Detailplanungskosten (bisher nicht ausreichend berücksichtigt): 42 Mio. Euro;
  • Provisorien für die Bauphase (bisher nicht ausreichend berücksichtigt): 30 Mio. Euro;
  • "Auto im Reisezug" (Anlage für die Abwicklung war nicht geplant): 24 Mio. Euro;
  • Tragwerke im Bereich der Verkehrsstation (waren nicht bzw. in zu geringem Umfang berücksichtigt): 25 Mio. Euro;
  • Dekontamination und Einbautenumlegungen (nicht ausreichend berücksichtigt): 50 Mio. Euro;
  • Projektrisiken wurden nicht kalkuliert: 16 Mio. Euro;

    Außerdem ergibt sich laut ÖBB-Aufsichtsratsprotokoll neben den Gesamtkosten in Summe "eine notwendige Zwischenfinanzierung von rund 230 Mio. Euro im Bereich der Fließmittel". Da Faymann den gut 4,2 Milliarden Euro teuren Koralmbahn-Ausbau nicht mehr verschieben kann, müssen andere ÖBB-Projekte dran glauben: Dies könnte der Ausbau der Unterinntaltrasse sein, oder der ohnehin stockende Lainzer Tunnel. "Der Hauptbahnhof liegt im Unterinntal begraben", sagt ein ÖBB-Kapitalvertreter zum STANDARD. Diese Strecke koste fast zwei Milliarden Euro – um 800 Millionen mehr, als geplant. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2007)

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      Ein städtebaulich viel versprechendes und für die Eisenbahner wichtiges Projekt, das finanziell derzeit allerdings teilweise noch in der Luft hängt: der Hauptbahnhof Wien. Bis Ende März will man Mitzahler suchen, damit sich im ÖBB-Rahmenplan der Koralmtunnel und der Wiener Durchgangsbahnhof ausgehen.

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