Neutronenstern kümmert sich nicht um "Geschwindigkeitsbegrenzung"

2. März 2007, 17:49
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Objekt XTE J1739-285 rotiert mit 1122 Umdrehungen pro Sekunde - und widerspricht damit einer astronomischen Theorie

Iowa City - Aus Beobachtungen Theorien oder gar Gesetze abzuleiten birgt stets das Risiko in sich, das entsprechende Gesetz umstoßen zu müssen, wenn neue Beobachtungsdaten den bisherigen widersprechen. Im Fall sich schnell drehender Neutronensterne etwa waren viele WissenschafterInnen von der Annahme ausgegangen, dass es für deren Rotation ein "Tempolimit" geben müsse; bedingt durch von den Neutronensternen ausgelöste Gravitationswellen.

Grund dieser Annahme war gewesen, dass noch kein Neutronenstern beobachtet worden war, der schneller als mit 716 Umdrehungen pro Sekunde rotierte - bis jetzt. Nun wurde jedoch von einem AstronomInnenteam um Philip Kaaret von der University of Iowa mit Hilfe des Satelliten RXTE ("Rossi X-ray Timing Explorer") ein Neutronenstern entdeckt, der sich um die postulierte "Geschwindigkeitsbeschränkung" nicht kümmert und trotzdem stabil ist: XTE J1739-285 rotiert mit 1122 Umdrehungen pro Sekunde, eineinhalbmal schneller als die bisherigen Rekordhalter; das berichtet der "New Scientist". Eine endgültige Bestätigung der Beoachtungsdaten steht allerdings noch aus.

Die Beobachtung

Die Beobachtung gelang dadurch, dass XTE J1739-285 einem nahen Stern regelmäßig Masse entreißt - was wiederum zu thermonuklearen Ausbrüchen auf der Oberfläche des Neutronensterns führt. Und bei ebendiesen Ausbrüchen stellte das Kaaret-Team Helligkeitsschwankungen mit einer Frequenz von 1122 Hertz fest. Als plausibelste Erklärung für solche Schwankungen gilt eine Rotationsbewegung mit entsprechender Geschwindigkeit.

Noch steht eine Bestätigung aus, dass es sich tatsächlich um die Rotationsgeschwindigkeit als Ursache handelt und nicht etwa um zufällige Fluktuationen. Rotiert XTE J1739-285 aber tatsächlich in diesem vermeintlich "unmöglichen" Tempo, sind AstronomInnen umso stärker an der Zusammensetzung des Neutronensterns interessiert. XTE J1739-285 muss eine enorme Dichte aufweisen, um trotz seiner rasanten Drehung stabil zu bleiben. Eventuell finden sich in seinem Inneren gar exotische "weiche" Zustandsformen von Materie - etwa freie Quarks, die anders als in gewöhnlicher Materie nicht untereinander verbunden sind und dadurch Teilchen wie z. B. Protonen bilden. (red)

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