Europas Telkos suchen Heil in Indien

3. März 2007, 17:31
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Margen von bis zu 35 Prozent möglich - Stolperstein kulturelle Ignoranz

Mit jährlichen Wachstumsraten von 80 Prozent und der geringen Penetrationsrate von gerade zehn Prozent bietet Indien den an geringem Ertragswachstum und sinkenden Margen leidenden europäischen Telekomanbietern enorme Chancen. Schon im Jahr 2010 könnte die Zahl der indischen Mobilfunkkunden auf 400 Mio. vervierfacht werden. Ein Engagement in Indien verspricht darüber hinaus eine verbesserte Marktkapitalisierung. Die Börse reagiert erfahrungsgemäß positiv auf mögliche Wachstumschancen. Die internationale Strategie- und Technologieberatung Booz Allen geht etwa davon aus, dass etablierte europäische Telkos ihren Marktwert so um bis zu 15 Prozent steigern können.

Eintrittspforte

"Ein Markteintritt ist derzeit sowohl über Akquisitionen als auch über neue Lizenzen möglich", erklärt Roman Friedrich, Geschäftsführer bei Booz Allen Hamilton, gegenüber pressetext. Der Gang nach Indien biete jedem großen Player mit internationalen Ambitionen eine Chance, betont Friedrich. Aufgrund der hohen Wachstumsraten sei aber auch kleineren Anbietern eine Expansion zu empfehlen, etwa über ein MVNO-Modell. Allerdings sollten sich interessierte Unternehmen beeilen, empfiehlt der Experte. Der milliardenschwere Einstieg von Vodafone beim viertgrößten indischen Mobilfunkbetreiber Hutchison Essar habe das Interesse auf den Markt gelenkt. "Nun steigen die Preise", sagt Friedrich.

Boom

Für einen möglichst schnellen Einstieg sprechen neben den hohen Wachstumsraten auch die günstige Infrastruktur sowie die hohe durchschnittliche Handynutzung. "Die Festnetzpenetration ist in dem riesigen Land deutlich niedriger als in Europa. Um überhaupt eine Telefonversorgung zu erhalten, nimmt die Bevölkerung die Mobilfunkangebote zügig an", erklärt Friedrich. Zum Vergleich: Mit fast 400 Minuten pro User und Monat telefonieren die Inder fast doppelt so häufig wie Spanier, Franzosen und Griechen und sogar mehr als dreimal so viel wie die Deutschen. Deshalb können europäische Telekomanbieter trotz des niedrigen Minutenpreises von umgerechnet 1,9 Eurocent pro Minute eine EBITDA-Marge von 30 bis 35 Prozent erzielen.

Warnung

Darüber hinaus biete ein Engagement in Indien auch ein Tor zu weiteren Wachstumsmärkten der Region wie China, Indonesien, Malaysia oder Vietnam. Allerdings sollten die Europäer darauf achten, sich eine lokale Expertise anzueignen. "Der größte Stolperstein wäre eine kulturelle Ignoranz", warnt Friedrich. Denn die europäischen Provider könnten von ihrer Präsenz in den Wachstumsmärkten durchaus auch lernen. Etwa, mit welchen Geschäftsmodellen profitables Wachstum auch in diesen Märkten möglich ist und wie sie sich mit diesem Wissen für den weiteren Preiswettbewerb in den Heimmärkten wappnen können. Außerdem biete sich den europäischen Telkos die Chance, von Synergien bei der Beschaffung von Netzinfrastruktur und Endgeräten zu profitieren. (pte)

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