Feinstaub-Studie in Wien

26. Juli 2007, 12:30
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40 vorzeitige Todesfälle weniger in Wien - Maßnahmen in Industrie und Verkehr reduzierten laut Umweltmediziner Gesundheitskosten - Kritik von Opposition

Wien - Die in Wien gesetzten Maßnahmen gegen Feinstaub und Stickoxide zeigen laut einer Studie Wirkung. Bis zu 40 vorzeitige Todesfälle jährlich habe man verhindern können, erklärte Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Die Untersuchung bezieht sich auf Eingriffe beim Verkehr und der Industrie. Die Auswirkungen von Tempo 50 in Wien wurden noch nicht berücksichtigt.

Positive Effekte

"Die bisher gesetzten Maßnahmen hatten beträchtliche positive Effekte auf die Gesundheit der Wiener Bevölkerung", so der Umweltmediziner Hans Peter Hutter. Die Einsparungen an Schadenskosten hätten dabei die gesetzten Investitionen übertroffen. Hutter zeigte sich überzeugt, dass auch die Wiener Temporeduktion messbare Verbesserungen gebracht hat. Das Evaluationsergebnis dieser Maßnahme soll laut Sima im Mai oder Juni vorliegen.

Die Untersuchung wurde von der Organisation "Ärzte für eine gesunde Umwelt" durchgeführt. Sie errechneten, was etwa die Partikelfilter-Pflicht für Off-road-Baumaschinen, das Verbot von Heizöl Leicht oder Maßnahmen beim Mobilitätsmanagement gebracht haben. Grundlage zu den Aussagen zur Sterblichkeit waren Daten der städtischen Umweltabteilung (MA 22) über die Reduktion von Schwebestaub (PM10) und Stickstoffdioxid (NO2) sowie internationale Studien zum Zusammenhang von Exposition und Wirkung dieser Schadstoffe.

Todesfälle verhindert

Laut der Studie haben die bisherigen Maßnahmen allein bei der Industrie 40 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub verhindert. Beim Verkehr seien es zwischen 17 und 38 Todesfälle, je nachdem, ob man die Hintergrundbelastung oder jene im Nahbereich des Schadstoffausstoßes heranziehe. Zusammenrechnen könne man die Werte von Verkehr und Industrie allerdings nicht, weil es teilweise Überschneidungen gebe, betonte Hutter.

Noch viel stärker schlägt sich die Reduktion bei NO2 zu Buche: 330 Todesfälle weniger bei der Industrie und 41 bis 113 Fälle beim Verkehr vermerkt hier die Untersuchung. Bei den eingesparten Kosten kommen die Studienautoren auf 54,6 Mio. Euro bei Feinstaub und 310,2 Mio. Euro beim Stickstoffdioxid.

Handlungsbedarf

Für Hutter muss in Zukunft die Zurückdrängung der Verbrennungsaerosole - unter anderem aus Autos - Priorität haben, weil diese für die kleinsten, und damit gefährlichsten, Feinstaubpartikel verantwortlich seien. Sima sieht auch bei der Industrie Anlass zum Handeln. Das Emissionsniveau gehöre gesenkt, denn: "Die Gesetzgebung stammt aus einer Zeit, als der Feinstaub noch kein Thema war."

Wiener Opposition unzufrieden Auf Kritik stießen die präsentierten Daten bei der Rathaus-Opposition Die ÖVP verlangte wirksame Maßnahmen im Verkehrsbereich, darunter die Förderung der Partikelfilter-Nachrüstung bei Dieselfahrzeugen. Die Grünen warfen Sima eine bedenkliche Verharmlosungsstrategie vor.

"Die nun erfolgte Evaluierung der Feinstaubmaßnahmen der Stadt Wien hat gezeigt, dass die in der IG-Luft-Verordnung der Stadt Wien verfügten Maßnahmen nicht gerade wirksam sind", so der Umweltsprecher der Wiener ÖVP, Roman Stiftner, in einer Aussendung. Bezeichnenderweise fehle in der vorgelegten Evaluierung die Bewertung für die seinerzeitige umstrittene Tempo-50-Regelung.

Rüdiger Maresch von den Grünen kritisierte, dass der präsentierte Rückgang bei den Feinstaubtoten auf theoretischen Annahmen beruhe, die nicht der Wirklichkeit entsprächen und eine "gefährliche Verharmlosung" darstellten. Zur Berechnung sei davon ausgegangen worden, dass in Wien im Jahresmittel eine Feinstaubreduktion von 0,60 bzw. 0,25 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft erreicht wurde. Die Luftmesswerte zeigten aber, dass es von 2005 auf 2006 sogar zu einer Erhöhung der Jahres-Feinstaubmittelwertes gekommen sei. (APA)

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