"S-O-Ess" in Wien

31. Jänner 2008, 22:05
1 Posting

Plattform eint gemeinsames Engagement von Politik, Wirtschaft, Industrie, Mode und Werbung - Erster Erfolg bereits da

Wien - Auf Initiative der Stadt Wien hat sich in Österreich - parallel zu internationalen Trends in Madrid, Mailand, London oder New York - eine Bewegung gegen Essstörungen formiert. Ein Netzwerk von VertreterInnen aus Politik, Wirtschaft, Industrie, Mode und Werbung stellte am Mittwoch sein gemeinsames Engagement gegen Essstörungen unter dem Titel "S-O-Ess - Initiative gegen Essstörungen" erstmals der Öffentlichkeit vor. Als Initiatorinnen setzen sich die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin, Sonja Wehsely und die Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien, Beate Wimmer-Puchinger, gegen krank machende Vorbilder und für gesundheitsfördernde Maßnahmen im Kampf gegen Essstörungen ein.

TrägerInnen der Initiative sind Sophie Karmasin (Geschäftsführerin Karmasin Motivforschung), Modedesigner La Hong, Manfred Pichelmayer (Präsident des österreichischen Werberates und Geschäftsführer der Fachgruppe Werbung & Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Wien), Cordula Reyer, (ehem. Top-Model), Doris Rose (Geschäftsführerin und Eigentümerin Modelabel Jones) und Andrea Weidler (Geschäftsführerin "Wiener Models") - "eine Basis wichtiger Opinion Leaders, die laufend erweitert werden soll", so Wehsely, die in der Unterstützung von bekannten Persönlichkeiten aus den Bereichen Medien, Werbung, Wirtschaft, Mode und Industrie im Verbund mit GesundheitsexpertInnen die Garantie langfristiger Bewusstseinsänderung hinsichtlich gesundheitsgefährdender Vorbilder garantiert sieht. Schuldzuweisungen punkto Uraschenherden für Esstörungen würde die Initiative bewusst unterlassen, so Wehsely weiter. Ziel sei, gemeinsam Aufklärungsarbeit zu leisten. konkrete Hilfe für Betroffene und Angehörige bieten.

Kodexänderung im Werberat

Die Initiative kann bereits auf einen ersten großen Erfolg verweisen. Der österreichische Werberat hat die Aufgabe, die Selbstdisziplin der Werbung zu fördern und unterstützt verantwortungsbewusstes Handeln. Er werde, so Vorsitzender Dr. Heinrich Schuster, in den Selbstbeschränkungskodex der österreichischen Werbewirtschaft einen Passus aufnehmen, der strikt darauf hinweist, dass "Werbung gerade junge Menschen nicht zu Magersucht verleiten soll".

Zerrissenes Maßband als Symbol der Initiative

Das Emblem der Initiative symbolisiert durch ein zerrissenes Maßband das Ende des übertriebenen Schlankeitswahns. Es steht für Selbstbewusstsein und für "Ich darf so bleiben, wie ich bin". TrägerInnen dieses Logos zeichnen sich als UnterstützerInnen der Initiative "S-O-Ess" aus.

>>>Studie und Essstörungs-Hotline

Studie belegt: Mehrheit der Österreicherinnen trägt Größe 40

Nährboden für das Auftreten von Essstörungen (Magersucht, Bulimie und Esssucht) sind unrealistische Schönheitsideale, die auf übertriebenem Schlankheits- und Jugendkult beruhen, konstatiert die Plattform. Kommuniziert werden diese ungesunden Bilder vielfach durch Werbung. Eine aktuelle Studie der Karmasin Motivforschung im Auftrag der Stadt Wien belegt, dass rund 60 Prozent der Österreicherinnen auf Grund medialer Vorbilder mit ihrem Körpergewicht unzufrieden sind und bereits mindestens ein Mal eine Diät gemacht haben. Als Motive für diese Diäten werden hauptsächlich Streben nach Schönheitsidealen und nach einem höheren Selbstwertgefühl genannt. Die Studie belegt weiters, dass die Mehrheit der Österreicherinnen (44 Prozent) die Konfektionsgröße 40 trägt und nur rund 23 Prozent die Größen 32 bis 36. Befragt wurden im Zeitraum Jänner und Februar 2007 insgesamt 287 Personen, davon 62 aus der Altersgruppe bis 30 Jahre, 104 Frauen zwischen 30 und 50 Jahren und 121, die 50 Jahre und älter sind.

Stadt Wien als Vorreiterin gegen Essstörungen

Der Anlass der Initiative S-O-Ess ist erschreckend: Bezogen auf die österreichische Gesamtbevölkerung leiden von allen 15- bis 20-jährigen mindestens 2.500 an Magersucht und über 5.000 an einer subklinischen Essstörung, d.h. einer leichteren Verlaufsform. Unter 20- bis 30-jährigen Frauen findet man mindestens 6.500 Frauen mit Bulimie. "Insgesamt geht man von über 200.000 Österreicherinnen aus, die zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung erkranken. Allein in Wien haben derzeit mehr als 2.000 Mädchen und rund 100 Burschen ein akutes Risiko an Magersucht oder Bulimie zu erkranken", so Stadträtin Wehsely. Rund 90 Prozent der von Essstörung Betroffenen sind Mädchen und junge Frauen.

Die Stadt Wien ist im Bereich der Prävention bei Essstörungen bereits seit 1998 aktiv und startete als erste europäische Stadt eine Initiative zu diesem Thema. Seit dieser Zeit gibt es für Angehörige und Betroffene professionelle Beratung über die kostenlose und anonyme Essstörungshotline 0800 2011 20 sowie über die Homepage Essstörungs-Hotline.

Darüber hinaus wurde ein Netzwerk mit Schulen, LehrerInnen und Fitnesscentern aufgebaut, wodurch mehr als 20.000 SchülerInnen erreicht und informiert werden konnten. "Essstörungen haben als Krankheitsbild in den vergangenen Jahren Besorgnis erregende Dimensionen angenommen. Pro Jahr führen wir alleine über unsere Hotline rund 2.500 telefonische Beratungen durch", so die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Wimmer-Puchinger. (red)

Links

Das Manifest der Initiative, die konkreten Ziele, jede Menge Zahlen und Daten sowie eine Liste der UnterstützerInnen finden sich unter S-O-Ess

Essstörungs-Hotline: 0800 - 20 11 20 bzw. E-Mail
  • Die Initiative verpflichtet sich u.a. dazu, "ein gesundes Frauenbild in der Öffentlichkeit mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern und so ein positives Beispiel für vor allem junge Frauen darzustellen." (Auszug aus dem Manifest)
    logo s-o-ess
    Die Initiative verpflichtet sich u.a. dazu, "ein gesundes Frauenbild in der Öffentlichkeit mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern und so ein positives Beispiel für vor allem junge Frauen darzustellen." (Auszug aus dem Manifest)
Share if you care.