Bawag-Chef hofft auf Elsners Geld

13. März 2007, 12:51
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Die Bawag ist laut Generaldirektor Ewald Nowotny aus dem Gröbsten raus. Langsam fließen die Spareinlagen zurück. Vom Ex-Vor­stand will man Geld und Wohnungen zurück

Wien - Für Ewald Nowonty, den Generaldirektor der gerade noch gewerkschaftseigenen Bawag P.S.K., gibt es zwei Gewerkschaftsbanken: die Bawag-Alt und die Bawag-Neu. Erstere ist die vom Karibik-Debakel unter Walter Flöttl, Helmut Elsner und Johann Zwettler geschüttelte, zweitere die, die der Universitätsprofessor seit einem Jahr leitet und ab "Mitte, Ende Mai" endgültig dem US-Fonds Cerberus gehören wird.

Für die Bawag-Neu freute sich ihr Chef am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten (in Anspielung auf die vorjährigen Katastrophenmeldungen über die Bawag-Alt) mitzuteilen, "dass die gute Nachricht die ist, dass ich keine Sensationen zu berichten habe". Die Bank laufe wieder im "Normalbetrieb", die noch nicht testierte Bilanz für 2006 werde einen Gewinn von rund 20 Mio. Euro ausweisen. Der Plan, 2011 einen Gewinn von 300 Mio. Euro auszuweisen, sei "realistisch". Das Kreditgeschäft laufe sehr gut, auch die Betriebsräte tun das ungeachtet der ÖGB-Krise - und vermitteln fleißig die Bawag-spezifischen Betriebsratskredite. Die geplanten Beteiligungsverkäufe (Lotterien, Stiefelkönig, Bösendorfer, ATV) sind "gestoppt", um die wird sich Cerberus selbst kümmern.

Entwarnung gab der Bankchef bei den Spareinlagen: In der Zeit der Bawag-Krise im Vorjahr hatten die Kunden in Summe an die 3,4 Mrd. Euro (eine Zahl, die bis heute nicht offiziell bestätigt wird) Einlagen abgezogen; jetzt gehe der Trend wieder in die Gegenrichtung, laut Nowotny seien allein heuer 440 Mio. Euro eingesammelt worden. "Aber natürlich konnten wir den dramatischen Einbruch des Vorjahres nicht aufholen", musste selbst er eingestehen, "es ist ein langer Weg, bis wir das alles zurückbekommen."

Apropos Sparen: Bei den Sparzinsen, die die Branche gemäß einem OGH-Urteil anpassen und allenfalls auch nachzahlen muss (bisher pflegte man sofort nach unten, aber bestenfalls zeitverzögert nach oben anzupassen, Anm.) erfülle die Bawag "die OGH-Anforderungen bereits zu hundert Prozent". Von den Überprüfungen der Sparzinsen der Vorjahre - von 1,2 Mio. Spar-Kunden haben in der Gewerkschaftsbank bisher 1200 Anfragen gestellt - erwartet sich der Banker nachzahlungsmäßig "keinen großen Effekt".

Interesse am Geld Ganz das Gegenteil gilt im Zusammenhang mit der Bawag-Alt und ihrem Chef Elsner. Nowotny auf die Frage, ob er Letzteren im Spital besuchen werde: "Er ist die alte Bawag, ich bin die neue. Ich habe mit Elsner nichts zu tun, mich interessiert nur, Geld von ihm zurückzubekommen." Die Bank hat Elsner auf zunächst zehn Millionen Euro Schadenersatz geklagt; der Prozess ist aber auf die Zeit nach Elsners Strafverfahren vertagt.

Das Geld, das Elsner auf Bawag-Konten und in seinen beiden Stiftungen Birdie und Gambit (insgesamt sind das angeblich rund 3,5 Mio. Euro) liegen hat, wurde vom Gericht eingefroren. "Bei der Klärung der Frage, ob es darüber hinaus noch etwas gibt oder ob es zu Kick-backs kam, stehen wir an, da hat die Staatsanwaltschaft bessere Möglichkeiten als wir", meinte Nowotny. Noch nicht weitergekommen ist man beim gerichtlichen Kampf ums berühmte Penthouse von Elsners Frau Ruth. Die anderen Vorstände, die Optionsverträge für den (günstigen) Kauf ihrer Wohnungen hatten, haben darauf bereits verzichtet, berichtete Nowotny. Die Dachwohnung des Elsner-Vorgängers, Walter Flöttl, will die Bawag mangels anderen Auswegs nun kaufen (siehe Geschichte unten).

Was seine eigene Karriere betrifft, kündigte Nowotny an, demnächst "voraussichtlich einen Fünf-Jahres-Vertrag mit Cerberus" abzuschließen. Ob er einem (durchaus möglichen) Ruf an die Spitze der Notenbank daher nicht folgen werde? Nowotny: "Ich habe gelernt, dass Karriereplanung nie funktioniert." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2007)

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Bawag
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    Nowotny beantwortete die Frage, ob er Ex-Bawag-Chef Elsner im Spital besuchen werde, mit höflichem Schweigen.

  • Bawag-Boss Ewald Nowotny hat die Beteiligungsverkäufe "gestoppt". An Bösendorfer hat der künftige Eigentümer, Cerberus, Gefallen gefunden.
    foto: standard/regine hendrich

    Bawag-Boss Ewald Nowotny hat die Beteiligungsverkäufe "gestoppt". An Bösendorfer hat der künftige Eigentümer, Cerberus, Gefallen gefunden.

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