Elsners Operation erfolgreich beendet

13. März 2007, 12:51
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Der Ex-Bawag-Chef wurde heute am Herzen operiert, mit dem raschen Eingriff wollte die Justiz verhindern, dass sich der Prozess in der "Causa Bawag" weiter verzögert

Wien - Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner (71) ist wegen seiner Koronargefäßerkrankung am Mittwoch erfolgreich operiert worden. Der mehrstündige chirurgische Eingriff am Wiener AKH endete Mittwoch gegen 11.30 Uhr. Der Zustand des Patienten war zufrieden stellend und den Umständen entsprechend gut. Der Leiter der Krankenanstalt am Landesgerichtlichen Gefängnis in Wien, Harald Schopper, machte sich am Nachmittag auf, um Elsner zu besuchen. "Ich werde schauen, wie es ihm geht", sagte der Arzt. Er, Schopper, habe aber keine Informationen, wonach es nach der Operation irgendwelche Probleme gegeben hätte.

Die Dreifach-Bypass-Operation des ehemaligen Bankers war seit Tagen geplant worden. Elsner war Montagabend von der kardiologischen Abteilung am Wiener Wilhelminenspital ins AKH überstellt worden. Am Dienstag liefen dann die letzten Vorbereitungen für den Eingriff.

Elsner wurde Mittwoch gegen 6.00 Uhr von der Bettenstation in den Operationstrakt gebracht. Dies erfolgte früher als sonst üblich, um Aufsehen zu vermeiden. Das Wiener AKH gab zum Beginn bzw. zum Ablauf der Operation keine Informationen heraus. Dies geschah in Absprache mit der Justiz. Das Spital hätte - so wie bei jedem anderen Patienten - sowieso nur unter Rücksicht auf die Privatsphäre des Betroffenen und mit entsprechender Erlaubnis Informationen weiter gegeben.

Vierstündiger Eingriff

Der Eingriff wurde von einem Ärzteteam der Klinischen Abteilung für Herz- und Thoraxchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie durchgeführt. An der Spitze des Teams stand der in Fachkreisen weltbekannte Herzchirurg Ernst Wolner, Leiter der Abteilung. Der Eingriff war für rund vier Stunden Dauer geplant worden.

Um 11.30 Uhr erklärte Schopper nach Ende der Operation: "Ich habe mit Herrn Professor Ernst Wolner telefoniert. Die Operation ist gut verlaufen. Dem Patienten geht es den Umständen entsprechend gut."

Der Mittwochvormittag durchgeführte Eingriff zur Behebung von Verengungen (Stenosen) an den Herzkranzgefäßen Elsners bedeutete für den Betroffenen zwar eine erhebliche Belastung. Solche Eingriffe gehören aber seit vielen Jahren zu den täglich an Herzchirurgien der Industriestaaten durchgeführten Operationen.

Medizinischer Ablauf

Unmittelbar nach dem Eingriff kam der Patient auf die Intensivstation. Die intensivmedizinische Versorgung wird so kurz wie möglich gehalten. Bei einem guten Zustand des Betroffenen kann sie schon nach etwa einem Tag beendet werden. Es gibt die Möglichkeit, den Betroffenen in einem Überwachungsbett weiter zu beobachten. Binnen weniger Tage kommt der Patient dann wieder in ein normales Krankenzimmer. Üblicherweise dauert der Spitalsaufenthalt von Kranken auch nach Mehrfach-Bypass-Operationen nur noch zehn bis 14 Tage. Bei einer guten Wundheilung werden die Nähte zwischen dem achten und zehnten postoperativen Tag entfernt.

Die weitere Medikation von Patienten wie Helmut Elsner kommt immer auf den individuellen Befund an. Zu den routinemäßig verabreichten Arzneimitteln gehören Mittel zur Verhinderung der Thrombusbildung, zum Beispiel Clopidogrel bzw. niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS). Viele Patienten erhalten auch Cholesterinsenker, um die Atherosklerose zu bremsen. Hinzu können bestimmte Blutdruckmittel kommen. Bei letzteren werden oft so genannte ACE-Hemmer verwendet. Die Medikation hängt aber auch davon ab, ob der Betroffene möglicherweise zu Herzrhythmusstörungen neigt.

Die Komplikationsrate der Operation liegt je nach Ausgangslage des Patienten zwischen ein und fünf Prozent. Die Bypass-Operation hat eine sehr gute langfristige Prognose. Der Großteil der Kranken ist damit lebenslänglich von ihren Problemen befreit. Normalerweise folgt auf den Spitalsaufenthalt eine Rekonvaleszenz. Erst dann kommt es routinemäßig zu einer vierwöchigen Rehabilitations-Therapie. Sie kann stationär - in einem Spital oder einem Rehab-Zentrum - oder auch ambulant erfolgen. Im Grunde genommen geht es dabei um körperliches Training, um die Herz-Kreislauf-Fitness nach der Operation wieder zu steigern (Ergometer-Radfahren, Spazierengehen etc.). Zugleich wird eine allfälligerweise notwendige längerfristige Medikation abgestimmt.

Operationskosten üträgt Strafvollzugsverwaltung

Da Häftlinge - und somit auch der formal in U-Haft sitzende Elsner hier zu Lande nicht sozialversichert sind, verrechnen die Krankenanstalten in derartigen Fällen die erbrachten medizinischen Leistungen und Pflegegebühren dem Justizministerium.

Da aus medizinischer Sicht die Bypass-Operation bei Elsner geboten war, werden die Kosten des Eingriffs automatisch von der Strafvollzugsverwaltung übernommen, bestätigte der Sprecher des Justizministeriums, Thomas Geiblinger. Zur genauen Höhe - kolportiert werden 15.000 Euro - konnte Geiblinger nicht Stellung nehmen: "Wir haben noch keine Rechnung gelegt bekommen."

Grundsätzlich kann sich ein U-Häftling nicht aussuchen, wer an ihm einen benötigten medizinischen Eingriff vornimmt. Auf eigene Kosten hat er allerdings das Recht, einen Arzt seines Vertrauens beizuziehen. Im vorliegenden Fall dürfte jedoch Schopper den Kontakt zum anerkannten Herzchirurgen Wolner gesucht und so den Operationstermin ermöglicht haben. "Die Justiz ist selbstverständlich daran interessiert, dass Elsner so operiert wird, dass er gesundheitlich rasch wieder hergestellt ist", bemerkte dazu Geiblinger.

Möglicherweise muss das Ministerium und damit der Steuerzahler nicht für die gesamten Kosten aufkommen, die die Behandlung Elsners erfordert: Zwar besteht eine gesetzliche Kostentragungspflicht, doch kann eventuell eine Zusatzversicherung in die Pflicht genommen werden, sollte der frühere Bawag-Chef eine solche abgeschlossen haben. "In diesem Fall müsste man allenfalls prüfen, ob man regressieren kann", hielt Geiblinger fest. (APA)

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    Elsner wird nach der Operation intensivmedizinisch betreut. Komplikationen waren offenbar nicht aufgetreten.

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