Istanbul: Fünfstöckiges Wohnhaus eingestürzt

23. Februar 2007, 11:38
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Zwei Tote - 26 Verletzte - Kind in kritischem Zustand - Auslöser vermutlich: Pfusch am Bau

Istanbul - Beim Einsturz eines fünfstöckigen Wohnhauses sind in der türkischen Metropole Istanbul zwei Bewohner getötet worden. Rettungsmannschaften zogen nach dem Unglück in der Nacht auf Mittwoch die Leiche einer Frau aus den Trümmern. Eine andere Frau starb im Krankenhaus, weitere 28 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Rettungsmannschaften suchten die ganze Nacht nach Überlebenden. Kurz vor Mittag wurde die Suche für beendet erklärt. Bagger begannen anschließend damit, die Trümmer des Hauses abzutragen. Einige Gebäude in der Nachbarschaft waren vorsorglich evakuiert worden.

Neu eingezogene Betondecke

Offizielle Angaben über die Einsturzursache liegen noch nicht vor. Der Chef eines Rettungsteams äußerte die Vermutung, dass Pfusch am Bau den Einsturz verursachte. Erst kürzlich sei im Dach eine Betondecke eingezogen worden. Bülent Gündüz, der Leiter einer Rettungsmannschaft, beschrieb die kürzlich eingezogene Betondecke als zwanzig Zentimeter dicke Schicht im obersten Stockwerk des Hauses. Möglicherweise sei das zu viel für das Gebäude gewesen. Der türkische Nachrichtensender NTV meldete, es sei noch nicht klar, ob die Betondecke zur Dachverstärkung gedacht gewesen sei oder als Vorbereitung einer illegalen Gebäudeerweiterung: In der Türkei werden vielerorts zusätzliche Geschosse auf fertige Häuser gesetzt, ohne dass dafür Genehmigungen oder statische Berechnungen vorliegen.

Teehaus-betreiber hörte seltsame Geräusche

Die Aufmerksamkeit eines Teehaus-Betreibers im Erdgeschoss des Hauses verhinderte Schlimmeres: Kurz nach Mitternacht (23.40 Uhr MEZ) hörte der Teehaus-Betreiber verdächtige Geräusche, die von den Stützpfeilern des Gebäudes kamen. In den Minuten darauf alarmierte er die Hausbewohner, von denen es einige noch nach draußen schafften. Andere waren noch auf der Treppe, als das Haus einstürzte. Das Haus wurde erst 1987 gebaut und hatte acht Wohnungen.

Möglicherweise wurde Stützpfeiler entfernt

Bürgermeister Kadir Topbas sagte, möglicherweise gehe der Einsturz auch darauf zurück, dass der Rauch aus dem Ofen einer Bäckerei im Kellergeschoss die Stützpfeiler mürbe gemacht habe. Zudem wird untersucht, ob einige Stahlträger in dem Haus illegal beseitigt wurden, um Platz für einen Saal zu schaffen.

Kaum Baugenehmigungen

Topbas beklagte im Fernsehen die weit verbreitete Verwendung minderwertigen Materials bei Bauvorhaben in Istanbul. Tausende Gebäude in der Stadt wurden ohne Genehmigung errichtet; staatliche Kontrollen bleiben meistens aus. Experten befürchten deshalb für den Fall eines neuen Erdbebens eine Katastrophe.(APA)

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