Pröll will Biosprit-Offensive

5. März 2007, 16:43
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Bereits in drei Jahren muss in Österreich Treibstoff zehn Prozent Biosprit enthalten, bekräftigte Umweltminister Josef Pröll beim EU-Rat

Die Kioto-Ziele könne Österreich noch erreichen, meint er. Das würde eine CO2-Reduktion von 30 Prozent bis 2012 bedeuten.
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Österreich ist im Umweltbereich kein Musterschüler: Nach dem Kioto-Ziel müsste der Treibhausgas-Ausstoß im Jahr 2012 bereits 13 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen. Derzeit liegt er aber 17 Prozent darüber, was bedeutet, dass in den kommenden fünf Jahren der Ausstoß um fast ein Drittel sinken müsste. "Ich halte das für durchaus möglich," sagte Österreichs Umweltminister Josef Pröll am Rande der Tagung der EU-Umweltminister am Dienstag in Brüssel.

Vor allem beim Verkehrsbereich will Pröll einschneidende Maßnahmen setzen: Während die EU bis 2020 den Anteil an Biokraftstoffen auf zehn Prozent steigern will, plant Pröll eine Verordnung noch vor dem Sommer, die dies für Österreich bereits für 2010 vorsieht. Dies würde eine Einsparung von zwei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bedeuten, so der Umweltminister.

Dazu würden die Erhöhungen der Mineralölsteuer um drei Cent pro Liter bei Diesel und um einen Cent bei Benzin den Tanktourismus einbremsen. Die Treibstoffmengen, die an Österreichs Grenzen verkauft werden, finden zur Gänze in Österreichs Umweltbilanz ihren Niederschlag.

Noch ungeklärt ist allerdings, wie die erhöhte Beimischung von Biosprit von den Automotoren verkraftet wird, Experten sehen ab einer Beimengung von sechs bis sieben Prozent Probleme. Derzeit werden rund fünf Prozent beigemischt.

Eine vorläufige Einigung gab es bei den EU-Umweltministern auf verbindliche Ziele bei der Kohlendioxid-Reduktion. Der Vorschlag der deutschen Präsidentschaft sieht eine verbindliche Reduktion von 20 Prozent bis 2020 vor und unverbindliche Ziele bis zu 30 Prozent. Alle Mitgliedstaaten haben zugestimmt, nachdem vereinbart wurde, dass die EU-Kommission bei der Verteilung der Reduktionsziele bestimmte Bedenken und Kriterien berücksichtigen wird. "Es geht nicht darum, ob die Lasten verteilt werden, sondern wie", betonte der deutsche Umweltminister und Ratsvorsitzende Sigmar Gabriel in Brüssel. Deutschland will das Thema beim EU-Gipfel noch einmal aufgreifen. (Michael Moravec aus Brüssel/DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2007)

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