Schlammschlacht auf italienisch

22. Februar 2007, 17:00
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Joe Lechner hat eine neue Aprilia RXV 450 und gab sie Guido Gluschitsch zum Testen - Selber schuld, Joe!

Vor ein paar Tagen hat mich der Lechner Joe angerufen. Erst dachte ich, es sei ihm langweilig, weil sein Ski-Jöring nun zum zweiten Mal ob des miesen Winters ins Wasser gefallen ist.

Dabei sollte ich schon wissen, dass einem wilden Hund wie dem Joe nie fad ist. Und wenn ihm ein Event platzt, dann heißt das, dass er Zeit für einen anderen Schwachsinn hat.

Der Joe hat eine nigelnagelneuche Aprilia RXV 450. Und weil die noch so neu ausschaut, darf ich sie um die Erd hauen. So verstehe ich das. Er formuliert es anders: "Aber schmeiß sie nicht weg, weil die brauch ich morgen!" Als ob ich mich je einbauen würde. Tz.

Der Joe trifft nicht ganz rechtzeitig auf der Strecke ein. Der Sulzi mit seiner Kamera ist hingegen überpünktlich und sucht vorab schon die besten Plätze zum Fotografieren. Mir macht es nichts, dass der Joe ein wenig zu spät kommt, weil ich sitz ja mit Joe und zwei hübschen Mädels bei einem Kaffee. Nur dem Sulzi ist ein wenig frisch. Ich hingegen frag mich, ob ich in der nächsten Nacht wohl schlafen werde können, wenn mich die beiden Mädels heute wild herbrennen. Noch dazu, wo sie im Vergleich zur Aprilia ja mit Ackergäulen unterwegs sein werden.

Als Joe, die Mädels und ich endlich auf der Strecke sind, weiß Sulzi schon genau wo er welche Fotos machen will. Erst schickt er mich auf einen Feldweg. "So lange die Aprilia noch sauber ist..." Ich soll den Weg runter fahren, umdrehen und er macht dann ein paar Fotos, wenn ich auf ihn zukomme.

Weil ich ja so ein Engerl bin, denk ich mir, dass ich dem Sulzi gleich eine Schotterdusche verpassen könnte. Das heißt, ich presse mit durchdrehendem Hinterrad von ihm weg und er frisst Staub. Ich steh in den Rasten, klopf galant den zweiten Gang rein, damit die Aprilia nicht zu arg anreißt, verlagere das Gewicht ein wenig nach vorne und gebe Gas.

Was soll ich sagen? Die Aprülüa hat ein großes Herz aus zwei Kammern. 450 ccm. V2. Die RXV kommt derartig fett von unten raus, dass gleich einmal das Vorderrad aufsteigt. Mich reißt es nach hinten. Dadurch drehe ich unweigerlich noch mehr am Gas, die Aprilia reißt weiter an ... Nein, ich mag nicht nach den ersten Metern das erste Mal absteigen. Keine Ahnung wie, aber ich hab die Situation gemeistert. Der Sulzi hat keinen Schotter abbekommen, dafür hab ich gewaltig die Hosen voll.

Aber ich hab was gelernt. Auf der RXV muss man vorsichtig am Gas agieren. Die reißt an, so was hab ich noch nicht erlebt. Brachialst. Ein wenig Übermut und ich lieg auf der Pfeife. Dazu bräuchte es aber gar keine RXV, hab ich schon gehört. Zitternd fahre ich den Feldweg auf und ab, während Sulzi fotografiert.

>>> Heiße Mädels

Ich gewöhne mich an den italienischen Zuchtbullen und trau mich jetzt sogar auf die MX-Strecke. Und weil ich nun so sorgsam mit der Aprilia fahre, haut es mich auch erst im zweiten Anlieger auf. Also eh ganz gut.

Während ich mir den Schotter aus dem Gesicht klopfe und das Eisen wieder aufstelle, reißen an mir die beiden Mädels vorbei. Sie schottern mich komplett ein, während ich die Aprilia aus der Kurve schiebe. Lustige Mädels. So was tut man doch nicht.

Der Joe erklärt mir, dass er den Chip der RXV 450 extrig für mich ein wenig modifiziert hat. Die hat nämlich so arg angerissen, dass ich das nie daritten hätte. Danke, Joe. Jetzt fährt sie sich lammfromm und ich hab sogar eine ganze Kurve geschafft. Ist echt gewaltig, welche Kraft in dem Radl steckt. Das Fahrwerk ist perfekt für den MotoCross-Einsatz. Beim Enduron müsste man sie ein oder zwei Eutzerl weicher stellen. Der Joe weiß sicher wo.

Die Auspuffröhreln sind ein Designergeniestreich. Schön Ende nie und vom Klang her herrlicher als Albano und Romina Power zusammen – erst recht, wenn sie den Schnabel halten. Deshalb singe ich auch ein "Felicitá" nur mit leicht geändertem Text. Der Herr Rudolf und ich haben das einst in Italien umgetextet, als wir die Gixxen ritten, auf "Velocita".

Und das brülle ich in meinen Helm als ich den Abhang runter fahre. Den Abhang, der dann in dem riesigen Schlamm- und Schotterloch mündet. Da muss man voll auf Zug durch, am besten nur am Hinterradl. Weil sonst ist man komplett eingesaut. Und wenn es einem da das Vorderradl im Matsch fangt, gibt es kein Entrinnen mehr.

Das Schlammloch nehme ich voll auf Zug. Ich rutsche in eine der vielen ausgefahrenen Spuren und als es mir den Bock leicht versetzt, mach ich intuitiv das Gas ein bisserl zu. Gerade genug, dass das Vorderrad sich im Dreck fängt. Aber nein, diesmal steig ich nicht ab! Ich geb Vollgas, damit die Aprilia vorne gleich wieder aufsteigt. Tut sie aber nicht.

Diesmal bricht sie hinten aus und ich dreh mich in dem Schlammloch ein. Kreiselalarm. Letzten Endes detonier ich dann doch und verteile beim Einschlag die Hälfte des Schlamms auf der ganzen Piste.

Als ich mich derrappel, mir den Schlamm aus dem Gesicht streiche und die Mopetten aufstelle, ziehen die Mädels an mir vorbei. Zwei so fesche Damen. Und dann wüten sie nur im Dreck. Muss denn das sein? (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, derStandard.at, 22.2.2007)

  • Was von der Schotterdusche übrig blieb - Guido Gluschitsch bei der Schublehre.
    foto: sulbacher

    Was von der Schotterdusche übrig blieb - Guido Gluschitsch bei der Schublehre.

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