Nicht genügend

5. März 2007, 10:24
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Die Analysten hatten vom Verbund noch höhere Gewinne erwartet – und sind enttäuscht worden - Von Günther Strobl

Genug ist nicht genug. Auch, wenn der Verbund 2006 mehr verdient hat als je zuvor, dem Kapitalmarkt war's zu wenig. Um bis zu 7,5 Prozent ist der Aktienkurs von Österreichs größtem Stromerzeuger eingebrochen. Die Analysten hatten, euphorisiert durch blendende Ergebniszahlen in den ersten drei Quartalen, noch höhere Gewinne erwartet – und sind enttäuscht worden. Für den scheidenden Verbundchef Hans Haider ist das nach der Nichtverlängerung seines im Mai auslaufenden Vertrages die zweite Watschen, die er einfängt. Er wollte unbedingt noch einmal zeigen, wie hell der Konzern unter seiner Führung strahlen kann. Mit dem Ergebnisbericht ist ihm das nicht ganz gelungen.

Tatsache ist, dass der Verbund dank der vielen, großteils abgeschriebenen Wasserkraftwerke so günstig produzieren kann wie kaum ein zweiter Stromkonzern in Europa. Jeder Preisanstieg am europäischen Großhandelsmarkt, an dem sich auch die österreichischen Stromerzeuger orientieren, fließt fast eins zu eins ins Verbund-Ergebnis ein. Dafür können Haider und seine Vorstandskollegen nichts. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Fallen, wie zuletzt geschehen, die Großhandelspreise, zeigen sich auch im Zahlenwerk des Verbund entsprechende Spuren.

Und die Konsumenten? Die werden alt beim Warten auf Strompreissenkungen in größerem Stil. Schuld daran ist die Politik, die es verabsäumt hat, für mehr Wettbewerb in der Strombranche zu sorgen. Auch bei der Auswahl der neuen VerbundVorstände hatte man den Eindruck, dass Politik- vor Unternehmensinteressen stehen. Die beiden neuen im Verbund, Ulrike Baumgartner-Gabitzer (ÖVP) und Christian Kern (SPÖ), werden bald zeigen können, wie unabhängig sie sind. Die Politik bekommt auf jeden Fall ein Nicht genügend. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2007)

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