Historischer Vergleich

20. Februar 2007, 18:59
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Günther Sandner untersuchte zwei linke Intellektuellengruppen

Ende Jänner erst hätte die große Sozialpsychologin Marie Jahoda ihren 100. Geburtstag gefeiert. Leider hat die gesamte sozialwissenschaftliche und mediale Öffentlichkeit Österreichs auf ihre große Tochter vergessen, die sich als Koautorin der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ (die sie im Übrigen nahezu im Alleingang verfasste) in die Geschichte der Soziologie eingeschrieben hat.

Jahoda ist eine der Protagonistinnen im Buch „Engagierte Öffentlichkeit“ des Politikwissenschafters Günther Sandner, der im Rahmen des FWF-Projekts „The Politics of Culture. The Austromarxist Cluster and the Birmingham Group of Cultural Studies“ zwei Intellektuellengruppen miteinander verglich, die einiges gemeinsam hatten.

Sowohl die austromarxistischen Intellektuellen der Zwischenkriegszeit (neben Jahoda u. a. Otto Neurath und Paul Lazarsfeld) wie auch die Gründerväter der Cultural Studies im Großbritannien der Nachkriegszeit entwickelten innovative wissenschaftliche Konzepte zur Analyse der Gesellschaft. Beide Gruppen wollten die Gesellschaft mittels ihrer „engagierten Wissenschaft“ von links reformieren. Und beide sind heute Geschichte.

Es ist zwar auf der einen Seite in Ordnung, an diese beiden wichtigen Gruppen zu erinnern, ihre Protagonisten und deren Hauptwerke ein weiteres Mal ins Gedächtnis zurückzuholen. Auf der anderen Seite wird nicht wirklich klar, was mit dem Vergleich der beiden Gruppen, die zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten wirkten, gewonnen wird. Und nicht zuletzt: was uns diese linken Vordenker heute noch sagen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 21. Februar 2007)

  • Buchtipp
Günther Sandner: Engagierte Wissenschaft
LIT Verlag, 345 S., 30,80 Euro
    foto: lit verlag

    Buchtipp
    Günther Sandner: Engagierte Wissenschaft
    LIT Verlag, 345 S., 30,80 Euro

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