Ein Ja, ein Nein und Bomben

2. März 2007, 12:51
63 Postings

Letzte Kosovo-Status-
Verhandlungsrunde heute in Wien - UÇK bekennt sich zu Vortages-Anschlag in Prishtina

Einen Tag vor der letzten Kosovo-Status-Verhandlungsrunde in Wien explodierten in Prishtina Bomben. Die UÇK bekannte sich zu dem Anschlag. Die Kosovo-Albaner bleiben trotzdem zuversichtlich, die serbische Delegation weist den Ahtisaari-Plan zurück.

***

Die positive Stimmung in Prishtina vor dem Beginn der letzten Verhandlungsrunde in Wien wurde in der Nacht auf Dienstag von einem Bombenanschlag, bei dem drei UNO- Fahrzeuge zerstört wurden, getrübt. Die UÇK habe sich mit der „ersten Aktion in Prishtina am 19. Februar aktiviert“, zitierten Medien in der kosovarischen Hauptstadt eine Aussendung der Untergrundorganisation, die offiziell aufgelöst ist. Die Bombenexplosion sei auch eine „Rache“ für den Tod von zwei Albanern, die beim Anti-UNO-Protest am 10. Februar ums Leben kamen.

In der kosovo-albanischen Delegation überwiegt trotzdem heitere Zuversicht. Prishtina unterstütze im Großen und Ganzen Ahtisaaris Plan und werde in Wien die Bestätigung der „Staatlichkeit“ des Kosovo fordern, erklärte Sprecher des albanischen Teams, Skender Hiseni. Bemerkungen habe man allerdings über die zukünftige Zusammenarbeit der serbischen Gemeinden im Kosovo mit Belgrad.

Kommt nicht infrage

In Belgrad steht hingegen alles im Zeichen der Verteidigung der staatlichen Souveränität und territorialen Integrität Serbiens. Alle maßgebenden politischen Kräfte sind sich darüber einig, dass die Gründung eines zweiten albanischen Staates auf serbischem Territorium verhindert werden muss und dass der seit 1999 von der UNO verwaltete Kosovo ein Bestandteil Serbiens bleiben müsse. In diesem Sinne wies das serbische Parlament vergangene Woche alle Teile des Kosovo-Plans von UN-Verhandler Martti Ahtisaari zurück, die eine Unabhängigkeit der südserbischen Provinz vorsehen.

„Es kommt überhaupt nicht infrage, dass die Organe der Provinz die Grenze kontrollieren, dass die Provinz eigene Streitkräfte, egal ob nur leicht bewaffnet oder nicht, bekommt, selbstständig internationale Verträge abschließen und über das staatliche Eigentum Serbiens verfügen kann“, erklärte ein Mitglied des serbischen Verhandlungsteams, Aleksandar Simic, unmittelbar vor der Abreise. Die Serben in der Provinz müssten als konstituierendes Volk und nicht als Minderheit behandelt werden, sagte Simic.

Belgrad werde sich weiters dafür einsetzen, dass die serbische orthodoxe Kirche im Kosovo keine Sonderrechte bekommt, wie es der Ahtisaari-Plan vorsieht, sondern direkt an das Mutterland gebunden bleibt. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 21.2.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Keine Aussicht auf Einigkeit: UN-Verhandler Albert Rohan (li.), Martti Ahtisaari (mi.) und der serbische Präsident Boris Tadic (von hinten) bei einem Gespräch Anfang Februar in Belgrad.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bei der Explosion in Prishtina wurden drei Fahrzeuge UNO-Mission beschädigt

Share if you care.