Wenig Schnee, gutes Geschäft

14. März 2007, 14:27
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Die "Gipsbomber" haben derzeit Hochsaison: Bis Ende Februar gab es im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent mehr Passagiere

Innsbruck/Rotterdam – Des einen Freud, des anderen Leid: Der heurige Winter mit viel Kunstschnee führt in dieser Konstellation zu zahlreichen Skiunfällen. Derzeit sind "Krokus-Ferien" in den Niederlanden, 600.000 niederländische Skifahrer pilgern in dieser Woche in die Alpen. Rund die Hälfte davon wird ihren Urlaub in Westösterreich verbringen.

Aus medizinischer Sicht ist dies der Höhepunkt der diesjährigen so genannten Gipsbombersaison. Das System "Gipsbomber" hat der Chef der Tiroler Fluggesellschaft Welcome Air, Jakob Ringler, (damals Chef der Tyrolean Air Ambulance) im Winter 1980/81 mit holländischen Versicherungen ins Leben gerufen, damit verletzte Niederländer die rund tausend Kilometer lange Rückreise samt Gipsfuß oder Korsett nicht mehr in einem Auto über sich ergehen lassen müssen.

"Bis 12. Februar haben wir bereits 715 Gipsbomber-Passagiere transportiert, ein Plus von über 18 Prozent gegenüber den Vergleichszeitraum des Vorjahres", erläutert Ringler. Er hält einen neuen Rekord von bis zu 1700 Passagieren gegenüber 1600 im Jahr 2006 für möglich. "An normalen Tagen fliegen wir bis zu dreimal täglich nach Rotterdam", so Ringler.

Rollfeld-Prozession

Auf dem Vorfeld des Innsbrucker Flughafens ist eine ungewöhnliche Prozession von Rettungsfahrzeugen aufgestellt. Die Einsatzfahrzeuge haben Patienten aus den Wintersportgebieten Süd- und Nordtirols eingesammelt. Mediziner Thomas Haueis, ein Spezialist mit mehr als 700 Gipsbomber-Einsätzen, checkt die ungewöhnliche Passagierliste nach Rotterdam mit Zwischenlandung in Chambery. Vorsichtig wird ein Mädchen mit Kreuzbandruptur und Beckenfraktur in die bunt bemalte Dornier 328 der Welcome Air getragen. Weiters ein Herr mit Gehirnerschütterung, zudem ein Snowboarder mit Oberhandfraktur. "Meine Röntgenbilder sind die Urlaubsfotos", meint dieser gut gelaunt.

Im "fliegenden Lazarett" sind medizinische Geräte und Decken verstaut, Fußstützen zum ruhig lagern von Beinverletzungen eingebaut. Auch so genannte "Stretchers" sind installiert, jene Betten, welche sich jeweils über drei normale Sitze erstrecken, um darauf Patienten liegend zu versorgen. Kurze Zeit später fliegt der Jet über jene Skipisten hinweg, wo Tags zuvor die Passagiere noch über den Schnee flitzten.

Gutes Geschäft

Nach einer Stunde Flug, Zwischenlandung in den französischen Alpen. Weitere Verletzte werden mit Ambulanzen angeliefert. Diese Sammeltransporte sind ein gutes Geschäft. Der Flugpreis, den die Versicherung bezahlt, beträgt für einen Sitzplatz mit Legrest 660 Euro, liegend am Stretcher sind 1660 Euro zu berappen – Oneway.

Landung in Rotterdam: Auch die Abholung der insgesamt 13 Patienten funktioniert reibungslos. Die Gipsbombersaison dauert noch bis Ostern. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2007)

  • Heimreise im Spezialflugzeug: Im Vorjahr wurden 1600 Passagiere in die Niederlande transportiert, heuer dürften es mehr werden.
    foto: standard/hofmann

    Heimreise im Spezialflugzeug: Im Vorjahr wurden 1600 Passagiere in die Niederlande transportiert, heuer dürften es mehr werden.

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