Die schmutzige Frau

28. Februar 2007, 07:00
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Ein fiktiver Roman von Claudia Redlhammer, der auf irreal scheinenden, jedoch ganz und gar realen Geschichten basiert

Was gibt es Gemütlicheres als an einem Wochenende ein Buch auszulesen! Getrieben zu sein von der Spannung und nicht aufhören können. Diesmal war es anders. Spannend ja, gemütlich ganz und gar nicht. Denn die Spannung rührte an jenen Emotionen, die weh tun und Trauer hervor rufen.

Claudia Redlhammer erzählt die Geschichte der 48-jährigen Irene, die alles zu haben scheint: eine glänzende Karriere, ein schönes Haus, ein schnittiges Auto, genug Geld und Liebhaber en masse. Nach außen hin alles paletti. Alleine der reichliche Genuss an Alkohol und der sich steigernde "Verschleiß" an Männern könnte zu denken geben, dass sich hinter der erfolgreichen Fassade "etwas" verbirgt.

Der Zusammenstoß mit einem Unbekannten bringt dieses "Etwas" in Bewegung. Der über jahrzehnte versteinerte Schmerz bricht auf... Nach der Scheidung hatte Irene nach langem Zögern und einer inneren Not und Überforderung heraus ihre beiden Kinder dem Ex-Mann überlassen und im Lauf der Zeit durch dessen brutale Strategie der Entfremdung verloren. Obwohl sie jahrelang im mühseligen Kampf gegen Bürokratismen versucht hatte, wieder Zugang zu ihren Kindern zu erlangen, scheiterte sie.

Diese Geschichte, so dachte ich beim Lesen, besitzt Seltenheitswert. Auch wenn Teile davon real sein sollten, müsse es sich um einen Einzelfall handeln. So grausam kann eine Gesellschaft nicht sein. Doch wenn ich der Autorin Glauben schenke - und das tue ich nach der Lektüre unweigerlich - dann liegt hier leider etwas vor, dass häufiger passiert als denkbar scheint.

Claudia Redlhammer hat aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen, die das Gerüst für das Buch liefern, mit Menschen gesprochen, denen Ähnliches widerfahren ist. Die zu all den Schmerzen der Trennung von ihren Kindern, der Trauer, den Schuldgefühlen, den Gefühlen des totalen Versagens als Mutter (oder Vater) noch zusätzlich verzweifelt erkennen mussten, dass es keine gesetzliche Handhabe gibt, die ihnen nützlich sein könnte.

"Ich träume von der Änderung der Gesetze", schrieb mir Claudia Redlhammer in ihrem Brief, den sie dem Buch beigelegt hatte, und weiter: "Ein großer Traum? Mag sein. Doch jedes Wunder begann mit einem kleinen Funken. Vielleicht kann ich ja dieser Funke sein". (Dagmar Buchta)

  • Claudia Redlhammer:
"Die schmutzige Frau"
KaMeRu Verlag 2006
ISBN 3-906739-31-7
Euro 16,95
    foto: buchcover
    Claudia Redlhammer:
    "Die schmutzige Frau"
    KaMeRu Verlag 2006
    ISBN 3-906739-31-7
    Euro 16,95
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