Tirol: Verwirrung um Regionalbahn

25. Februar 2007, 18:25
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Aus für Innsbrucker Nahverkehrsprojekt wird immer wahrscheinlicher

Innsbruck – Vor zweieinhalb Jahren schien alles auf Schiene. Innsbrucks Bürgermeisterin Hilde Zach ("Für Innsbruck") und der damalige Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle (VP) bejubelten ihren in Wien erzielten Verhandlungserfolg: Der Großraum Innsbruck erhält eine 200 Millionen Euro teure Regionalbahn, die auf eigenem Gleiskörper von Völs im Westen bis ins zehn Kilometer östlich gelegene Hall reicht und mitten durch das Stadtzentrum fährt. So die Botschaft mit dem Clou, dass sich der Bund mit 32 Millionen beteiligen werde. Innsbruck baute umgehend im innerstädtischen Bereich neue Gleise und Haltestellen. Moderne Niederflurgarnituren wurden bestellt, die ersten werden im Mai geliefert. Ansonsten blieb das Projekt aber "ein Strich auf der Landkarte", sind sich die Verkehrsverantwortlichen von Stadt und Land Walter Peer und Hans Lindenberger einig. Beide sind von der SPÖ und kamen erst lange nach dem Oktober 2004 in ihre Ämter.

Nur eine Idee

Bisher habe es "nur eine Projektidee gegeben", betont Lindenberger und wehrt sich gegen den Vorwurf der Grünen, er sei mit Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) ein "Totengräber der Regionalbahn": "Man kann nur begraben, was es schon gegeben hat", kontert Lindenberger.

Bis Ende März will er nun eine Machbarkeitsstudie vorlegen, danach soll eine "Grundsatzentscheidung" fallen. Angeblich müssten für die Regionalbahn Häuser geschleift werden, mit den Anrainergemeinden spießt es sich bei den Trassen. Lindenberger kann sich vorstellen, die neue Bahn nur bis zur östlichen Stadtgrenze Innsbrucks zu führen und dort mit der bestehenden Eisenbahnstrecke zu verknüpfen. Denn nach Fertigstellung der neuen Unterinntaltrasse (frühestens 2011) würde auf der alten Trasse viel Platz für eine attraktive Schnellbahn zwischen Jenbach und Telfs sein. Allerdings droht bei diesem Modell ein Ausstieg des Bundes. Die Regionalbahn würde zur Straßenbahn schrumpfen, weil sie nicht mehr "ortsüberschreitend" verkehrt, und wäre für den Bund keine förderungsfähige "Nebenbahn" mehr. Das weiß auch Lindenberger, sieht aber im Vertrag vom Oktober 2004 eine Grundlage für neue Gespräche mit dem Bund. Die Grünen verweisen auf einstimmige Gemeinderatsbeschlüsse, wonach es die Regionalbahn Völs–Innsbruck–Hall neben der Schnellbahn am ÖBB-Gleis im Inntal brauche.

Stadtrat Peer, der sich nach einem "professionellen Projektmanagement" sehnt, sieht sich jüngst mit neuen stadtinternen Kuriositäten konfrontiert. Der Aufsichtsrat der Innsbrucker Verkehrsbetriebe, dem Peer nicht angehört, hat die altersschwachen Fahrzeuge der bestehenden beiden O-Buslinien aus dem Verkehr gezogen und durch Dieselbusse ersetzt. Peers Wunsch, dass wenigstens die O-Busleitungen hängen bleiben, bis über das Regionalbahnkonzept entschieden wurde, dürfte unerfüllt bleiben. Gemeinsam mit den alten Bussen sollen die Leitungen bereits in die Ukraine verkauft worden sein. (Hannes Schlosser, DER STANDARD - Printausgabe, 21. Februar 2007)

  • Elegant und barrierefrei sind die neuen Garnituren, die demnächst geliefert werden. Sie sollen im bestehenden Straßenbahnnetz und bei der neuen Regionalbahn eingesetzt werden.
    foto: ivb

    Elegant und barrierefrei sind die neuen Garnituren, die demnächst geliefert werden. Sie sollen im bestehenden Straßenbahnnetz und bei der neuen Regionalbahn eingesetzt werden.

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