Der Makler in der Meute

20. Februar 2007, 17:17
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Gottfried Hackbarth, Business Development Director von ERA, sieht im STANDARD- Gespräch im Konkurrenten ReMax "keinen Maßstab und kein Vorbild"

Vor rund sechs Jahren startete mit ReMax ein erfolgreiches Franchise-System für Makler. Gottfried Hackbarth, der neue Business Development Director des Konkurrenzsystems ERA, möchte dies binnen weniger Jahre ändern. Ein Interview von Gerhard Rodler.

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STANDARD: Sie haben angekündigt, mit ERA in Österreich gleich groß wie ReMax werden zu wollen. Ist das nicht etwas zu optimistisch?

Gottfried Hackbarth: Das haben wir niemals angekündigt. Außerdem ist ReMax mit Verlaub kein Maßstab und kein Vorbild für ERA. In den nächsten Jahren werden wir auf rund 90 Franchisepartner anwachsen, und zwar mit einer Intensität von rund zwölf Partnern pro Jahr. Das durchschnittliche Partnerbüro hat sechs bis acht Mitarbeiter.

STANDARD: So eine rasante Entwicklung hört sich doch reichlich unrealistisch an.

Hackbarth: Bei ERA Österreich hat sich seit Sommer 2005 intern noch einmal einiges verändert. Nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Start 2001 wurde umstrukturiert und die ERA-Linie optimiert. Diese Maßnahme hat sich sowohl im Zuwachs als auch im Ansehen deutlich bemerkbar gemacht.

STANDARD: Immerhin hat ReMax die kritische Größe für ihre flächendeckenden, österreichweiten Aktivitäten in der Zwischenzeit überschritten.

Hackbarth: Das haben wir mit unseren 25 Büros auch. Doch mir geht es hier nicht um ein Match mit ReMax. Schauen Sie: Weltweit gesehen, gehen durchschnittlich rund 70 Prozent der Immobiliengeschäfte über Makler in Franchise-Systemen. In Österreich beträgt dieser Anteil erst an die 30 Prozent. Genau da wollen wir ansetzen. Das Ziel ist nicht, ReMax oder andere selbstständige und seriöse Maklerkollegen zurückzudrängen, sondern vor allem in jene Bereiche hineinzuwachsen, in denen die Immobiliengeschäfte am Makler vorbeigehen. Nach wie vor geht ja der Großteil der Immobilientransaktionen in unserem Land direkt über die Bühne, also von privat an privat. Das Potenzial von rund 50 Prozent der gesamten Immobilientransaktionen ist nur durch Vertrauen, Qualität und gesteigerte soziale Kompetenz der österreichischen Immobilienmakler zu erreichen.

STANDARD: Leider haben die Immobilienmakler ein schlechtes Image.

Hackbarth: Ja, es gibt viele schwarze Schafe in unserer Branche, die alles tun, um an einen Auftrag zu kommen. Das ist aber nicht überall so. In Holland und den USA beispielsweise gehen 80 Prozent der Immobilientransaktionen über den Makler. In Schweden übt der Immobilienmakler sogar die Funktionen eines Notars praktisch mit aus. Und in all diesen Ländern gibt es - nicht zufällig - gut funktionierende und weit verbreitete Immobilien-Franchise-Systeme.

STANDARD: Braucht Österreich denn gleich zwei etablierte Franchisesysteme für Makler?

Hackbarth: ERA stellt eine Alternative dar, die mittel- bis langfristig mit Sicherheit dem europäischen Standard gerecht werden wird. In Bezug auf Qualität ist das jetzt schon der Fall.

STANDARD: Wie unterscheiden Sie sich von Ihrem größeren Mitbewerber?

Hackbarth: Die ERA-Einstiegsgebühren sind niedriger, unsere Bedingungen sind deutlich moderater - sie basieren auf Motivation und nicht auf Angst. ERA betreibt auch kein klassisches Multilevel-Marketing-System. Darüber hinaus verkaufen wir keine Territorien, sondern betreiben so genanntes geostrategisches Farming bei der Auswahl unserer Netzwerkpartner.

STANDARD: Sie behaupten also, ReMax ist de facto ein Strukturvertrieb?

Hackbarth: Das haben Sie gesagt. Jedenfalls gibt es dort meiner Meinung nach strukturvertriebsähnliche Formen.

STANDARD: Andererseits gibt es bei ERA keinen Gebietsschutz.

Hackbarth: Ganz richtig. Aber natürlich achten wir darauf, dass sich ERA-Franchise-Nehmer nicht gegenseitig auf die Zehen steigen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.2.2007)

  • Gottfried Hackbarth: "Ziel ist es nicht, Maklerkollegen zurückzudrängen, sondern dort hineinzuwachsen, wo die Immobilien- geschäfte am Makler vorbeigehen."
    foto: era austria

    Gottfried Hackbarth: "Ziel ist es nicht, Maklerkollegen zurückzudrängen, sondern dort hineinzuwachsen, wo die Immobilien- geschäfte am Makler vorbeigehen."

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