Geilomatisch

Redaktion, 27. Februar 2007, 14:35

Ein Geschenk von Herrn M.M.

Das Wort "geil" kennt man, und zwar nicht nur in seiner ursprünglichen, auf die geschlechtliche Brünstigkeit bezogenen Bedeutung, sondern auch als ein weit verbreitetes umgangssprachliches Synonym für "gut, interessant, positiv" ("Geiz ist geil", "Österreich ist geil" etc.) Auch das Wort "automatisch" glaube ich den verehrten Lesern nicht erklären zu müssen – wohl aber darf ich sie auf eine neuartige Kreuzung aus "geil" und "automatisch", nämlich auf "geilomatisch" hinweisen.

Neuartig war dieses Wort für den Chronisten., neuartig war es aber auch für Herrn M.M., der mir dieses geschrieben hat: "Sehr geehrter Herr Winder, heute bin ich über das Wort ,geilomatisch’ gestolpert. Ich habe das noch nie gelesen und schon gar nicht gehört. Google ist da aber anderer Meinung und gibt 1970 Treffer aus. Wenn Sie es brauchen können - ich schenke es Ihnen. Mein Fundort: fotocommunity.de/... ...und dort dann suchen. Herzliche Grüße, M. M."

Herzlichen Dank! Ich habe noch ein paar andere Belegstellen aus dem Internet heruntergekletzelt, wie zum Beispiel: "Super!! Iron maiden sind so geilomatisch!!" "hab von meiner perle zum geburtstag und zu weihnachten 2 tage europapark mit übernachtung bekommen.extremst geilomatisch, da ich voll der freizeitparkwahnsinnige bin." "Weniger geilomatisch finde ich, dass Öl- und Gaspreise mal wieder steigen."

Obwohl ich, wie gesagt, mit dem Wort keine Erfahrung habe, nehme ich einmal an, dass es als Steigerung der ordinären Geilheit gedacht ist und soviel wie "besonders geil", "geiler als geil" oder "richtig geil" bedeuten soll. Wie immer lade ich die p.t. Leser natürlich auch diesmal ein, mich gegebenenfalls zu ergänzen, zu korrigieren oder ihre geilomatischen Erfahrungen mit dem aktuellen Stichwort beizutragen.

Von Christoph Winder
Winders Wörterbuch zur Gegenwart ist ein Work in Progress.
Zweckdienliche Hinweise auf bemerkens- und erörternswerte Wörter sind erbeten an christoph.winder@derStandard.at.
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23 Postings

eine elende wortschöpfung. eklig gar.

jo geilowitsch!

das ist endgeil!

geilo

Mein Sohn (gerade 6 geworden) verwendet das Wort geilo (offensichtlich als steigerung für geil) mit wahrer Hingabe. Lustig find ich nur, dass die Kindergarten-"Tanten" das gar nicht geilo finden und den Kindern das Wort verbieten!

ah, tschuldigung,

der ursprüngliche wortsinn von geil ist aber "fett", im sinne vom fettgehalt einer torte oder einer speise.

Bei Thomas Mann

sieht Gustav von Aschenbach im "Tod in Venedig" gleich im ersten Kapitel "...aus geilem Farrengewucher, aus Gründen von fettem, gequollenem und abenteuerlich blühendem Pflanzenwerk haarige Palmenschäfte nah und ferne emporstreben [...] und fühlte sein Herz pochen vor Entsetzen und rätselhaftem Verlangen." Finden wir hier die Schnittstelle der Wortbedeutungen?

zu wuchern mit üppig-quellenden, geilen reizen,

versteht manche schöne - doch spröd' auch zu geizen!

sehe ich auch so

die großmutter von freunden hat vor kurzem zum kaffee cremeschnitten mitgebracht, die auch recht deftig waren. wir haben uns ohne schmutzige gedanken über die geilen schnitten gefreut :-)

es wäre auch interessant zu wissen, ob das wort "fett" im sinne von cool sich aus der ursprünglichen bedeutung von geil ableitet.

fett

ich würde hierbei eher auf die eindeutschung des englischen "phat" tippen (http://en.wikipedia.org/wiki/Phat)

"Geilomat!"

als Ausdruck vom Bewunderung oder Entzücken habe ich in Wien von einem westfälischen Austauschstudenten kennengelernt. Meistens folgte dann ein Aussagesatz: "Geilomat! Hier kann man sich im Supermarkt die Brötchen frisch belegen lassen!!" oder ähnlich...

aha

ich kenne es ganz einfach aus GRAS-Kreisen. Geilomat!

"geilooo" kenn ich dann noch. nur gesprochen aber, nicht geschrieben. als grund vermute ich, dass man das wort "geil" nur relativ schwer dehnen kann.

Zwecks der Dehnung

gibt es auch die Variante "Geieeeeel".

fett

Meiner Erinnerung nach war schon die Bedeutung "brünftig" eine Bedeutungswandlung. Aus meiner Großelterngeneration kenne ich geil nur im Sinne von "fett" bei Speisen, z.B. "Diese Torte kann ich nicht essen, die ist mir zu geil" oder "Mir ist richtig schlecht von dem geilen Essen".

Was mir dazu noch einfällt:

Durch die Bedeutungswandlung des Wortes "geil" hin zu "super, toll", sind wir für die geschlechtliche Brünftigkeit jetzt sprachlos geworden, weil immer mehr die Reklameinflation mitschwingt. Wäre ein Thema für "Winders Wörterbuch": wie sagt man jetzt griffig dazu?

Ich kenn da

noch den Ausdruck "gampig"

Varianten dazu sind:

gamerig, gamrig, gambrig/gamprig; gumperig, gumprig, auch gumpig (vom Verbum gumpen und gumpern)

immer noch "geil" (oder "scharf"). wobei es bei beiden wörtern auch hier nochmal eine zweideutigkeit gibt: einerseits "jemand ist geil/scharf (auf jemanden anderen)", andererseits "jemand ist geil/scharf (er sieht gut aus, ist sexy)".

mir kommt vor, dass geil (auf jemanden anderen) kaum noch so verwendet wird. eher eben das geil im sinne von cool, super.


@james t. kirk
fuer geschlechtliche brünftigkeit wuerde man (od ich, od so wie ichs halt kenn) wohl gambrig (weissnet wie man das schreiben soll) verwenden

Also dafür (geschlechtliche brünftigkeit) kenn ich den Ausdruck "gamsig". Hab' ich allerdings schon lange nicht mehr gehört.

gamsig nach Brunfti, dem Gämsenbock -

"anhabig" manch' Alte im Minirock!

Näher bei der Tierwelt

anlassig

Ja wie geil ist das denn!?

(Ich zitiere das, und zwar beinahe unter Protest; sagen würde ich das niiiiiemals!)

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