IG Metall entsetzt, Berlin irritiert

1. März 2007, 14:28
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Gewerkschaften kritisieren "Salamitaktik" - Deutsche Kanzlerin Merkel will mit Frankreichs Präsident Chirac beraten

Die Ankündigung des französischen Premierministers Dominique de Villepin, dass Airbus 10.000 Stellen streichen wolle, haben in Deutschland Entsetzen, aber auch Irritation ausgelöst. "Da weiß Villepin mehr als ich", sagt der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders und liegt mit der deutschen Regierung auf einer Linie. "Nach Kenntnis der Bundesregierung sind von der Spitze des europäischen Gemeinschaftsunternehmens EADS noch keine abschließenden Vereinbarungen getroffen worden", erklärt auch Regierungssprecher Thomas Steg. Daher beruhten alle Berichte über einen Arbeitsplatzabbau auf Spekulationen, an denen sich die Regierung nicht beteiligen werde. Steg wollte auch nicht spekulieren, welche der sieben deutschen Airbus-Werke besonders gefährdet seien.

Auf jeden Fall wird die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag das Thema Airbus mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac besprechen. Die beiden treffen sich im brandenburgischen Schloss Meseberg - eigentlich ein Routinetermin, der nun wohl im Zeichen der Airbus-Krise stehen wird. In Berlin fürchtet man mittlerweile, dass die EADS die Details des Sanierungsplans überhaupt erst nach den französischen Wahlen im Frühjahr bekannt geben will.

Kritik an "Salamitaktik" von EADS

Mangels konkreter Pläne von EADS blühen auch in Deutschland die Spekulationen, wo besonders viele Stellen wegzufallen drohen. Laut Bild-Zeitung könnten am Airbus-Standort Hamburg "nur" rund 1000 der 12.000 Arbeitsplätze gestrichen werden und die beiden niedersächsischen Werke Nordenham und Varel mit zusammen 3.500 Mitarbeitern verkauft werden. Vor allem bei der Belegschaft von Airbus sorgen die spärlichen, aber beunruhigenden Nachrichten aus Frankreich für großen Unmut. "Es ist unerträglich, dass all diese Gerüchte durch die Welt geistern. Wir brauchen Fakten", sagt Daniel Friedrich von der Gewerkschaft IG Metall. Eine "Salamitaktik" sei den Beschäftigten nicht zuzumuten.

Kritik kommt auch von Garrelt Duin, dem Vorsitzenden der niedersächsischen SPD: "Die Beschäftigten in so einen Schwebezustand zu versetzen ist verantwortungslos. Ich habe den Eindruck, dass das Management überfordert ist." Die Arbeitnehmerseite fordert, endlich ein Gesamtkonzept vorzulegen, und weist vorsorglich darauf hin, dass eine einseitige Verlängerung der Wochenarbeitszeit in Deutschland nicht möglich sei. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2007)

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