Jüngste Frühgeborene darf nach Hause

10. Juli 2007, 15:16
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Amillia war bei ihrer Geburt kaum größer als ein Kugelschreiber - Nach Monaten im Brutkasten darf sie nun in die Obhut ihrer Eltern

Miami - Nach monatelanger Pflege auf der Intensivstation einer US-Klinik kann das weltweit jüngste Frühchen endlich nach Hause kommen. Die am 24. Oktober nach nur 21 Wochen und sechs Tagen geborene Amillia Taylor gedeihe so gut, dass sie von ihren Eltern gepflegt werden könne, teilten die Ärzte des Baptist Children's Hospital in Miami am Montag (Ortszeit) mit.

Geringe Überlebenschancen

Die Überlebenschancen der Kleinen waren nach ihrer Geburt als sehr gering bewertet worden. Denn bisher war weltweit kein Fall eines lebensfähigen Frühgeborenen bekannt, das jünger als 23 Wochen war, wie die Universität Iowa unter Berufung auf eigene Frühchen-Statistiken mitteilte.

Amillias Mutter Sonja Taylor zeigte sich überglücklich über die anstehende Heimkehr ihrer Tochter. "Es war kaum vorstellbar, dass sie es so weit schaffen würde, aber jetzt sieht sie langsam wie ein richtiges Baby aus", sagte sie. "Obwohl sie immer noch nur 1,8 Kilo wiegt, kommt sie mir fast dick vor."

"Wunder-Baby"

Amillia war im Oktober durch einen Kaiserschnitt auf die Welt geholt worden, nachdem es den Ärzten nicht gelungen war, die Frühgeburt zu verhindern. Das Baby wog nur 280 Gramm und war mit 24 Zentimetern nur wenig größer als ein Kugelschreiber. Dennoch konnte es selbstständig atmen und versuchte sogar zu schreien.

Der Frühchenspezialist der Klinik, William Smalling, bezeichnete seine jüngste Patientin als "Wunder-Baby". Die Versorgung Amillias in den vergangenen Monaten sei vergleichbar gewesen mit dem Navigieren in unbekannten Gewässern, sagte er. "Wir wussten noch nicht einmal, was der normale Blutdruck für ein so kleines Baby ist."

Angesichts von Amillias glücklichem Schicksal müsse man die Standards der US-Vereinigung der Kinderärzte überdenken, denenzufolge ein weniger als 23 Wochen altes Frühchen als nicht lebensfähig bezeichnet werde. Die Technik zur Behandlung von Frühchen habe sich dramatisch verbessert. "Heute können wir Babys retten, die vor zehn Jahren nie überlebt hätten", sagte Smalling. (APA/AFP)

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