Zeitarbeit wird salonfähig

14. März 2007, 15:29
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72 Millionen Arbeitsstun­den wurden 2006 in Österreich vermittelt, das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Wien - Zeitarbeit in Österreich boomt. Im Gegensatz zu Deutschland bringt in Österreich der Einsatz von Zeitarbeitskräften zwar keine direkten Kostenvorteile, da der Überlassungslohn dem Niveau der Bezahlung im Unternehmen entsprechen muss. Trotzdem ist die Nachfrage in Österreich hoch, analysiert das Consulting-Unternehmen Kreutzer & Fischer & Partner in einer aktuellen Studie.

Im Jahr 2006 waren in Österreich rund 59.000 Personen bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Dies entspricht etwa 1,9 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten oder etwa dem Doppeltem der Beschäftigten in der Chemischen Industrie.

Weiterer Anstieg

Die Anzahl der vermittelten Arbeitsstunden wuchs 2006 im Jahresvergleich um 20 Prozent auf mehr als 72 Millionen, der Umsatz expandierte sogar um fast 23 Prozent auf knapp 1,8 Mrd. Euro. Für heuer erwartet Kreutzer Fischer & Partner einen Anstieg auf fast 2 Mrd. Euro und für 2008 werden 2,3 Mrd. Euro prognostiziert.

Verantwortlich für diese Entwicklung ist das produzierende Gewerbe bzw. das Handwerk. Die Nachfrage in diesem Kundensegment wuchs im Vergleich zu 2005 um 42 Prozent. Bereits 39 Prozent der Gesamtnachfrage nach Zeitarbeit kommt von Klein- und Mittelbetrieben, die den Konjunkturaufschwung zuerst einmal mit Leihpersonal bewältigten. Die Flexibilität, auf kurzfristige Auftragsschwankungen reagieren zu können, ist auch das Hauptargument für den Einsatz von Zeitarbeitskräften. Mehr als 80 Prozent der Überlassungsverträge enden bereits nach längstens drei Monaten.

Wichtigste Kundengruppe ist unverändert die Industrie mit 42 Prozent Marktanteil. Im Handel ist der Einsatz von Leiharbeitskräften mit rund 4 Mio. vermittelten Arbeitsstunden (Marktanteil: 6 Prozent) gering, da die Kollektivvertragslöhne der Zeitarbeiter höher sind als die branchenübliche Bezahlung.

83 Prozent der Arbeitsleistung von Zeitarbeitern entfällt auf Arbeiter, nur 17 Prozent auf Angestellte. Der durchschnittliche Verrechnungssatz für einen Arbeiter lag 2006 bei 23,30 Euro pro Stunde. Große Abnehmer handeln sich aber Rabatte von bis zu 40 Prozent heraus. (APA)

  • Nur 17 Prozent der Arbeitsleistung von Zeitarbeitern entfällt auf Angestellte, 83 Prozent auf Arbeiter.
    foto: photodisc

    Nur 17 Prozent der Arbeitsleistung von Zeitarbeitern entfällt auf Angestellte, 83 Prozent auf Arbeiter.

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