Untreue-Prozess gegen Ex-ARBÖ-Generalsekretär Hellar

23. Februar 2007, 11:47
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Inkriminierte Schadenssumme: 22.000 Euro - Zivilrechtlich stehen Schadenersatz-Forderungen in Millionen Euro-Höhe im Raum

Der ehemalige ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar wird sich wegen Untreue vor Gericht verantworten müssen. Laut Staatsanwaltschaft Wien soll er über Jahre hinweg Clubgelder für private Zwecke verwendet haben. Der Strafantrag umfasst 15 Fakten mit einer Schadenssumme von 22.000 Euro. Bei einer Verurteilung drohen Hellar bis zu drei Jahre Haft. Zivilrechtlich stehen zwischen Hellar und seinem früheren Arbeitgeber wechselseitige Schadenersatzforderungen im Raum.

Bis Anfang 2006 war Hellar als Generalsekretär bei dem Automobilclub beschäftigt. Im Herbst 2005 kamen die nunmehr inkriminierten Malversationen vor der - dann geplatzten - Wiederwahl des Präsidenten Herbert Schachter ans Tageslicht. Darüber hinaus wurde die teilweise finanziell angespannte Lage einzelner Landesorganisationen sichtbar. Viele Funktionäre erfuhren erst durch Medienberichte von den Vorgängen an der Spitze. Auch das Gehalt von Hellar - knapp 240.000 Euro jährlich - sorgte vielfach für Empörung.

"Bruderkrieg"

Die folgende Affäre wurde zu einem "Bruderkrieg" und hielt den Club fast ein Jahr lang auf Trab. Suspendierungen, Entlassungen und Vereinsausschlüsse von Spitzenfunktionären standen an der Tagesordnung. Die ARBÖ-Präsidenten wechselten teilweise im Monatsrhythmus.

Im Detail wirft die Staatsanwaltschaft dem Ex-Generalsekretär Hellar vor, seit Anfang 2003 wiederholt Gelder des Verkehrsclubs für private Zwecke verwendet zu haben. "Die einzelnen Beträge sind nicht wahnsinnig hoch, doch in Summe macht das einen beachtlichen Schadensbetrag aus", hieß es dazu heute, Dienstag, bei der Anklagebehörde.

Inkriminiert sind nicht nur regelmäßig wiederkehrende Bargeldentnahmen aus der ARBÖ-Kasse, sondern auch Vorgänge rund um die Renovierung von Hellars Haus: Dabei sollen Arbeiten äußerst kostenschonend vorgenommen worden sein, wofür Hellar die betreffenden Firmen großflächig und angeblich zum Nulltarif im ARBÖ-Journal "Freie Fahrt" inserieren ließ, so der Vorwurf.

Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass Hellar gezielt seine Befugnis, über das ARBÖ-Vermögen zu verfügen, missbraucht hat. Besonders erschwerend wird ihm der lange Tatbegehungszeitraum angekreidet.

Schadenersatzforderungen

Neben der strafrechtlichen Komponente stehen hohe Schadenersatzforderungen im Raum: Demnach dürften auf Hellar seitens des ARBÖ zivilrechtliche Forderungen mit einem Streitwert von mindestens 700.000 Euro zukommen. Hellar, der stets alle Anschuldigungen zurück gewiesen und immer von einem Machtkampf im Automobilclub, der auf seinem Rücken geführt worden sei, gesprochen hatte, soll wiederum gegen den ARBÖ eine Klage in der Höhe von mehr als einer Million Euro betreiben.

Die Mitglieder des ARBÖ haben dem Club offenbar aller Turbulenzen zum Trotz die Treue gehalten. Laut eigenen Angaben ist die Mitgliederzahl inzwischen leicht angestiegen, auf zuletzt rund 490.000. Als Folge der Causa Hellar verpasste sich der Verein auch neue Strukturen. So wurde in der Führungsspitze das Vier-Augen-Prinzip eingeführt, mit dem "Mauscheleien" verhindert werden sollen. (APA)

  • Ex-ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar
    foto: andy urban

    Ex-ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar

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