Siemens-Chef warnt: Boomländer wie China holen bei Innovation auf

8. März 2007, 11:32
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Gefahr der Produktpiraterie in technischem Bereich "nicht mehr existent" - Kleinfeld nimmt Autoindustrie in Schutz

Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat vor einer Überbewertung der Produktpiraterie in Boomländern wie China gewarnt. "Wir unterliegen da einer hochgefährlichen Illusion. Zumindest im technischen Bereich ist diese Gefahr praktisch nicht mehr existent", sagte der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Elektrokonzern in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Hamburg.

Herausforderungen

Zwar spiele Produktpiraterie bei Konsumgütern weiterhin eine Rolle. Die westliche Industrie stehe aber in Ländern wie China vor einer weit größeren Herausforderung: "Der im vergangenen Jahr veröffentlichte neue Fünfjahresplan der chinesischen Regierung sieht vor, in Kernindustrien Innovationsführer zu werden." So sei die Volksrepublik bereits in der Telekommunikation hochinnovativ und bringe selbst entwickelte Produkte mit schnellem Tempo auf den Markt.

Ausbildung

Der Aufholprozess von Ländern wie China spiegele sich auch in der großen Zahl der ausgebildeten Ingenieure wider. Während China jährlich 400.000 Ingenieure ausbilde, seien es in Deutschland 40.000. Auch bei den Patenten hole die Volksrepublik stark auf. "Die Chinesen wollen den Patentschutz selbst im internationalen Wettbewerb zum eigenen Vorteil nutzen."

"Der Wettbewerb wird noch härter und die Geschwindigkeit weiter steigen", erwartet Kleinfeld. Dennoch sei er optimistisch, dass der Westen dem stärkeren globalen Wettbewerb standhalten könne. "Wir müssen schneller werden." Siemens sei selbst gut aufgestellt und habe auf vielen Feldern die Technologieführerschaft. Dies gelte etwa für die Automatisierungstechnik sowie die Energie- und Umwelttechnik, auch in der Medizintechnik liege der Konzern vorn.

Wachstum

"Die größte Wachstumsbremse sind wir selbst", sagte Kleinfeld. So gebe es bei Siemens derzeit rund 2500 offene Stellen in Deutschland, die wegen des Mangels an Nachwuchs-Fachkräften nicht besetzt werden könnten. In Deutschland müsse dringend mehr getan werden, "um mehr Begeisterung für Ingenieurberufe zu wecken". Deutschland als Industriestandort habe in der Vergangenheit "immer nur über Innovationen gewonnen".

Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadiskussion warnte Kleinfeld vor der Verunglimpfung ganzer Branchen wie etwa der Autoindustrie. Es sei schädlich, wenn etwa technisch anspruchsvolle Luxuslimousinen, die eine wichtige Funktion als Innovationsträger übernähmen, als "Dreckschleudern" bezeichnet würden. "Die Automobilindustrie und ihre gesamte Zulieferindustrie ist die herausragende Schlüsselindustrie in Deutschland." (APA)

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