
derStandard.at: Mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen?
Muslic: Krieg und Gewalt wirken sich immer negativ auf die psychosoziale Gesundheit aus. AsylwerberInnen tragen ein besonders großes Risiko psychischer Probleme in sich, weil sie sehr oft komplexe traumatische Erfahrungen gemacht haben. Das kann sich in allen Lebensbereichen auswirken – körperlich, emotional, im Verhalten, im Denken, im Umgang mit anderen Menschen.
derStandard.at: Können Sie Beispiele nennen?
Muslic: Enorme Angst, Hilflosigkeit, Schuldgefühle oder Wut sind Beispiele für emotionale Auswirkungen. Oft sind die Traumatisierten aber auch in einem "no emotions"-Zustand – gerade, um nicht von den Gefühlen überwältigt zu werden. Viele von ihnen haben häufig Albträume oder Schlafstörungen oder erleben, dass Bilder aus der Erinnerung ganz plötzlich und unkontrolliert wieder auftauchen.
derStandard.at: Wie kann sich ein Trauma körperlich auswirken?
Muslic: Traumatisierte Menschen leiden oft unter chronischer Müdigkeit, aber auch unter Rastlosigkeit und Atembeschwerden. Sehr oft tendieren sie auch zu Suchtverhalten, werden nikotin- oder alkoholabhängig.
derStandard.at: Warum werden traumatisierte Menschen im sozialen Kontakt oft als "schwierig" bezeichnet?
Muslic: Ihre Reaktionen auf das Trauma verursachen im Kontakt mit anderen Menschen manchmal Probleme: Oft isolieren sie sich von FreundInnen oder Familie, behalten ihre Gefühle für sich, vertrauen den anderen nicht oder schämen sich. Manche werden auch aggressiv. Ich möchte aber betonen, dass diese Verhaltensweisen – auch, wenn sie nicht angenehm sein mögen - völlig normale Reaktionen auf abnormale Erfahrungen sind. Es ist eine Art psychische Selbstverteidigung gegen traumatische Einflüsse.
derStandard.at: Was löst es in einem Menschen aus, zu sehen, wie enge Angehörige misshandelt oder sogar getötet werden?
Muslic: Das ist ein extrem qualvolles Ereignis. Was ein Trauma von anderen unheilvollen Erfahrungen unterscheidet, ist, dass es unsere Integrität bedroht. Traumata lösen intensive Angst und Hilflosigkeit aus, sie bringen unser Wertesystem durcheinander.
Sehr oft sagt man, das Trauma liege außerhalb der Palette normaler menschlicher Erfahrungen. Leider bedeutet das aber nicht, dass es selten vorkommt.
derStandard.at:Wie können Sie hier helfen?
Muslic: In vielen Ländern wird die Gesundheit von Flüchtlingen mit Trauma-Erfahrungen zu einem öffentlichen Thema, und viele Staaten der Welt haben bereits spezielle psychologische Betreuungsangebote im öffentlichen Gesundheitssystem integriert.
Der Verein Ute Bock versucht, den Betroffenen eine umfassende psychosoziale Begleitung zu bieten – von der Unterkunft über rechtliche Beratung bis hin zu psychologischer Betreuung. Psychologische Betreuung soll die Menschen emotional stärken, damit sie bereit sind, die Härten des Lebens im Asylverfahren zu ertragen. Das kann in Einzelsitzungen geschehen oder in der Gruppe. Wir sind momentan aber noch dabei, die Bedürfnisse der Familien zu analysieren.
derStandard.at: Ist es möglich, dass traumatische Erfahrungen von Eltern sich auch auf ihre Kinder übertragen - selbst, wenn sie die Traumasituation gar nicht miterlebt haben?
Muslic: Was Sie hier ansprechen, ist die sogenannte sekundäre Traumatisierung: Wenn jemand einer traumatisierten Person oder Familie ausgesetzt ist, können ähnliche Symptome auftreten wie beim Traumaopfer selbst. Wenn beispielsweise eine Familie durch Krieg traumatisiert ist, dann erfasst das Trauma auch jene Kinder, die erst nach dem Krieg geboren sind.
derStandard.at: Können Sie ein Beispiel nennen?
Muslic: In meiner Arbeit mit Flüchtlingskindern in Kroatien, Bosnien und dem Kosovo habe ich viele Kinder kennengelernt, die aggressiv, hyperaktiv oder rastlos waren. Sehr viele von ihnen wurden auch regressiv, hingen stark an ihren Eltern, wurden zu BettnässerInnen oder litten an Albträumen und wiederkehrenden Kopf- oder Bauchschmerzen. Die meisten von ihnen waren Kindern von traumatisierten Soldaten oder Kriegsveteranen. Ich erinnere mich an einen 14-Jährigen, dessen Vater Kriegsveteran war. Er hatte große Schulprobleme und wurde zu mir geschickt, um ihn auf intellektuelle Defizite zu untersuchen. Dabei zeigte sich, dass er sehr intelligent war, infolge seiner Schlafstörungen, Albträume und der inneren Anspannung aber Schwierigkeiten hatte, sich zu konzentrieren.
derStandard.at: Kann eine Psychotherapie die Lage der Betroffenen auch verschlimmern?
Muslic: Generell nicht, aber bei Asylwerbern ist es problematischer. Hier kommt der legale Status ins Spiel: Wir müssen ungefähr wissen, ob und wann die Person abgeschoben werden könnte, um zu verhindern, dass die Therapie plötzlich abgebrochen werden muss.
(Maria Sterkl, derStandard.at, 28.2.2007)
Die ÖVP will alle Asylwerber fünf Tage kasernieren, die SPÖ lehnt eine generelle Internierung ab
Einspruch gegen Aufhebung des Eberauer Baubescheids - Im März findet in den Bezirken um Eberau eine Volksbefragung über das Zentrum statt. Die SPÖ verlangt, dass das Ergebnis bindend ist
Ein "Gremium" soll den Integrationsplan der Regierung umsetzen und die Ergebnisse kontrollieren - Wer, wann und wie, ist noch unklar
Zum zweiten Mal abgelehnt - auch Lebensgefährtin ausgewiesen
Salzburger Helfer: Bis zu einhundert HIV-positiven Patienten droht Abschiebung
Das Land Kärnten zahlt auf der umstrittenen Saualm für 25 angeblich straffällige Asylwerber einen Pro-Kopf-Pauschalbetrag - garantiert über zwei Jahre
Seit Jahresbeginn 2010 gilt das neue Asylrecht - In Traiskirchen bekamen Flüchtlinge schon die eingeschränkte Bewegungsfreiheit zu spüren
Die neue Regelung umfasst auch strenge Meldepflichten, und das könnte der Polizei viel Zusatzarbeit bescheren
Angst und Unsicherheit haben Arigona Zogaj, ihre Mutter und ihre Geschwister in den vergangenen zwei Jahren zur Genüge ausgekostet
Innenministerium kündigt Beschwerden bei VfGH und VwGH gegen Aufhebung des Baubescheides an - Die Einspruchs-Frist läuft kommende Woche aus
Im Montafon leben 100 Asylwerber - Doch 38 davon sind von der Abschiebung bedroht - Nun kämpfen die Schrunser für die neuen Nachbarn
Vordernberger Bürger zu 69,9 Prozent einverstanden
Oberösterreich besonders großzügig - Grüne: Bundesländer näher an den Menschen als Ministerium
Innenministerium sah keine Gründe für humanitären Aufenthalt serbischen Paares
Der Schriftsteller Robert Menasse ist prononcierter Gegner der Asyl- und Fremdenrechtsnovelle, die heute im Parlament beschlossen wird - Er sieht austrofaschistische Kontinuitäten
Gesetzesentwurf ohne zeitliche Obergrenze für Asylwerber-Aufenthaltspflicht
Die die sich des Themas offensiv, nicht defensiv, humanitär, aber ohne falsche Illusionen, realistisch, aber nicht zynisch annehmen, die werden die Zukunft bestimmen
Flüchtlinge müssen im Extremfall bis zu sechs Wochen in Erstaufnahmestelle bleiben
Klagenfurter Wifi hilft Asylwerber, der zehn Tage vor Beendigung eines Schweißkurses abgeschoben wurde
Mayer: "Das ist ein Gefängnis auf Deutsch gesagt" - Funk sieht ebenfalls Eingriff in die persönliche Freiheit - Öhlinger ortet Graubereich
Ein Saualm-Flüchtling wollte freiwillig zurückkehren - Einen Kurs, der ihm eine neue Existenz ermöglichen sollte, durfte er nicht mehr beenden
Korun: "Haft wird zur Regel, Freiheit zur Ausnahme" - BZÖ für rasche Abschiebung - FPÖ fordert Verschärfung - Caritas ortet "Ablenkungsmanöver"
Experten wittern im neuen Kinderrechte-Gesetz eine Hintertür: Ausländische Kinder können benachteiligt werden
Menschen, die kein Delikt gesetzt hätten, so lange in Haft zu setzen, sei "völlig undenkbar"
Eid auf die Fahne bei Staatsbürgerschaftsverleihung - Will Qualifikationspflicht für Jugendliche - Sonst Verlust der Familienbeihilfe
Direktor Chalupka: Traiskirchen wird durch Fekters Vorschlag nicht entlastet
Aufgerüttelt durch den fremdenfeindlichen Wahlkampf der FPÖ, bietet die ÖVP nun bessere Rahmenbedingungen für die Integrationspolitik
Betreiberin erhält Geld unabhängig von Zahl der tatsächlich Betreuten - Dörfler will "nicht bei der Sicherheit sparen"
Die Vergabepraxis des Innenministeriums für die Betreuung von Schubhäftlingen sorgt für Aufregung unter Sozialorganisationen - Kritik von Caritas und Diakonie
Bürgerbüro-Leiter verbreite "einseitige" Botschaften - Menschen fühlten sich "bedrängt"
Innenministerin Maria Fekter macht mit der Asylwerberinternierung im Erstaufnahmeverfahren Ernst
Anmerkungen zur Endlosdebatte um das "Ausländerproblem" unter Berücksichtigung der Sozialdemokratie - und eines zivilgesellschaftlichen Vorzeigemodells
Präsidentin Barbara Helige für mehrere kleinere Erstaufnahmenzentren und EU-Lastenausgleich
Einen fesselnd-schlichten Film hat Nina Kusturica jungen Flüchtlingen in Österreich gewidmet - Ab Freitag im Kino
Ausweisung von HIV-positiven Patienten umstritten
Wie die Fremdenpolizei versucht, unliebsame Ausländer abzuschieben
Darabos wäre bereit, dem Innenministerium Kaserne zu verkaufen
Vor dem Hintergrund der jüngsten Gewaltakte - Nur noch 33 Prozent der Asylanträge werden anerkannt
"Mein Glück war, dass es in England keinen Innenminister vom Schlage der Frau Fekter gab"
Salzburger Plattform für Menschenrechte ortet massive Verschlechterung der Zustände
Offener Brief einer evangelischen Pfarrerin an Innenministerin Maria Fekter
Verband Österreichischer Zeitungen will Werbeverteilern und Zeitungszustellern Anstellung ermöglichen
Hoffnungslose Flüchtlingshelfer: Situation für Asylsuchende seit 22 Jahren kaum verbessert
Grüne fordern Erhöhung des Betreuungsbeitrages
61,6 Prozent in erster Instanz - EU-weit weniger als ein Drittel
Menschen, die Verwandte in Österreich besuchen wollen, scheitern oft schon am Besucher-Visum
Gerichtshof hob damit negative Bescheide im Fall zweier Mädchen auf - Verwaltungsgerichtshof: Erste Begründung sei unschlüssig
Jene neunköpfige Flüchtlingsfamilie aus Tschetschenien, die drei Jahre in der Steiermark lebte und nach Polen abgeschoben wurde, hat dort noch immer kein Quartier
Landesrechnungshof Vorarlberg prüfte Flüchtlings- und Migrantenhilfe der Caritas
In Tschetschenien Polizist und Aktienhändler, sitzt Riswan Elekhanov heute am Mexikoplatz und träumt von einer Welt ohne Öl
Die Innenministerin will die Integration fördern - etwa indem die Familienbeihilfe gestrichen wird, wenn sich Jugendliche der Ausbildung entziehen
Der VwGH-Beschluss, der Ausländer nun davor schützt, während ihres Verfahrens abgeschoben zu werden, betrifft Hunderte
Grüne: Es gibt keine Statistiken und keine Zahlen zu Anzeigen gegen Asylwerber - Werfen Fekter "Stimmungsmache" vor
Von weiteren Asyl-Verschärfungen rät Roland Schönbauer, Sprecher des UNHCR in Österreich, im Interview dringend ab
Schubhaft, Röntgen und Folgeanträge als Knackpunkte - Fragen und Antworten
Caritas-Präsident im Video-Interview: "Thema im Innenministerium offensichtlich nicht gut aufgehoben"
Bisher ist beim Asyl-GH von schnellerer Arbeit wenig zu merken - "Anfangsschwierigkeiten", betont Präsident Harald Perl
Integrationspolitik à la Fekter ist Strache mit Handtasche - von Barbara Coudenhove-Kalergi
Politisch Verfolgte beantragen Asyl, Schlüsselarbeitskräfte und Familienangehörige Aufenthalt im Rahmen des Fremdenrechts
Immer wieder gab es Zwischen- und Todesfälle von Schubhäftlingen
Das Projekt ist sicherlich wichtig, die Fachkompetenz der Kollegin aber doch eher zu hinterfragen. Es gehört zu den Mythen der PTSD dass es sich um:"Normale Reaktionen auf abnormale Erfahrungen" handeln würde. Nur 10-20% jener, welche mit einem traumatisierenden Ereignis konfrontiert werden, entwickeln auch eine posttraumatische Belastungsstörung. Es handelt sich somit um eine reltiv seltene Erkrankung, die aber leider viel zu häufig diagnostiziert wird, da die Kollegen scheinbar das DSM-IV-TR, d.h. die Diagnosekriterien nicht kennen.
Die Reaktion des 15 jährigen Mädchens, dass sich in die Enge getrieben fühlen muss ist nur zu verständlich. Wer von uns, kann ehrlich beurteilen wie traumatisiert Kinder nach Kriegserlebnissen sind? Als ABNORMAL bezeichne ich die Reaktion von dem Innenminister meines Heimatlandes!!! Vielleicht noch schlimmer ist die Reaktion des Hr. Bundeskanzler a.D. Schüssel, der die Gesetzeslage erklärt. Ein Gesetz für das er sich nicht geniert!!! Das seine bunte Regierung - die ach so christliche ÖVP - beschlossen hat. Danach werden uns dann Perspektiven für Kinder und Familien präsentiert. Es wird endlich Zeit, dass diesen familien- und menschenfeindlichen Herren die Meinung der zivilisierten Mehrheit dieses Landes präsentiert wird.
Das mit „normal“ ist anders gemeint. Die Reaktionen sind normal, der Betroffene ist nicht abartig ... die Psychologin sagt/meint nicht, dass jeder posttraumatische Belastungsstörungen aufweist. Das weiß ich zufällig genau, weil ich sie auch vor kurzem zu dem Thema interviewt habe
Die Psychologin bezieht sich hierbei auf die DSM-III Diagnose für posttraumtische Belastungsstörugen, welche im DSM-IV (309.81) nicht mehr so formuliert wurde. Sie haben insofern recht, als dass Traumatisierungen zu verschiedenen Krankheitsbildern führen können. Z.B. ist die Borderline- Persönlichkeitsstörung als eine solche im Gespräch.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.