Feix' dir was, dann bist du wer

19. Februar 2007, 20:52
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O Lendls "Auf gute Nachbarschaft" im Kabarett Niedermair

Wien - Die Welt, die O Lendl in seinen Gesichtszügen widerspiegelt, muss furchtbar dramatisch sein. Auch sein siebentes Solokabarett Auf gute Nachbarschaft markiert den absoluten Extremfall, wenn sich das Konterfei nach hinten verspannt und dergestalt freigibt, was als Maximalgrinsen in der heiteren Schizophrenie aus Sympathie, Phobie und Diabolik bezeichnet werden kann.

Lendls Familie zieht in einen Unheil versprechenden Altbau, rund um 60er-Jahre- Wohnsilos im "Ceausescu-Barock". Dort verzahnt sich der Alltag permanenter Nachwuchspflege mit hochsteigender Paranoia gegenüber den Nachbarn. Genügend Stoff für Gesichtsakrobatik: Wenn die Spedition "Narben Schorschi" (sich) Familie Lendls Habseligkeiten abholt - Radikalfeixen. Genauso wenn die Kombination aus nassen Kinderhänden und Elektrizität auf Tokio Hotel verweist, oder wenn die gefrustete Ehefrau und Kindshüterin den Hausmeister zusammenschlägt - Extremgrimassen. Kurz: Beim mimisch wie auch programmatisch sprungbewussten Stil von O Lendls Slapstick kann es spröde zugehen.

Das muss allerdings nicht sein. Mittendrin im episodischen Umzugsdrama versteckt Lendl fürchterlich Liebevolles über alltägliche Lebenspolitik: Das elterliche Nachtleben hängt an der Beziehung von schlafgestörtem Sohnemann und knarrendem Parkettboden. Hinter derlei eingespurter Romantik vom "Candle-Light-Dinner unterm Bett" schillert ein Funken Masochismus und sorgt für einen hervorstechenden Moment. Auch schrill kann Lendl übrigens komisch sein: Aus dem Fernsehprogramm als Dauerunterhalter schließen sich Rühmann & Co mit Splattermovies zusammen. "Wozu ist der Körper da? Zum Tranchieren", näselt es von der Bühne. Etwas vorher haben sich die Nazi-Attitüden der selbstmitleidigen Nachbarin in ihren lautstarken Papagei verzogen.

Lugner und Strache

Der Witz des Rests, vor allem des "Tagespolitischen" aus Lugner, Nationalfeiertag, Strache, Sportübertragung, Schwarzenegger und ähnlich Klischeehaftem ist zwar manchmal brachial, trägt aber die Qualität von Staubfängern.

Das Programm, letztens uraufgeführt im Kabarett Niedermair, braucht ein Publikum, das auf Pointen warten kann. (Georg Petermichl / DER STANDARD, Printausgabe, 20.02.2007)

  • O Lendl bei der Steigerung maximaler kabarettistischer Wirkung: Akrobat schön!
    foto: niedermair/ michael scheder

    O Lendl bei der Steigerung maximaler kabarettistischer Wirkung: Akrobat schön!

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