"Ich will nicht Meister werden,...

2. März 2007, 13:15
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...ich muss es" - Marc Janko kann für Red Bull Salzburg wieder stürmen und Tore schießen, so­fern man ihn lässt

Salzburg/Wien - Marc Janko hat keine Schmerzen. Momentan. Was gerade ist, muss natürlich nicht so bleiben, aber die Muskeln im linken Oberschenkel sind ruhig und brav. Sie zwicken nicht, verrichten ihre Aufgabe, lassen das Herrl Fußball spielen. Das Problem steckt ja eigentlich im Rücken, von dem strahlt das Unheil aus. Mit dem leicht schief gestellten Becken muss man sich abfinden, das wird niemals mehr ganz gerade werden.

Marc Janko fährt oft von Salzburg nach Ried. Um sich dort von einem Spezialisten massieren zu lassen. Akupunktur hilft auch, und man kann das Kreuz mit gezielten Übungen durchaus therapieren. "Das ist kein Damoklesschwert. Ich habe keine Angst vor der nächsten Pause, die nicht auszuschließen ist."

Ein halbes Jahr lang konnte der 23-Jährige für Red Bull Salzburg kaum stürmen. Hätte er prinzipiell gekonnt, wäre er vielleicht auch nur auf dem Bankerl gesessen, an einem Alexander Zickler kommt sogar ein Pumperlg'sunder nur schwer vorbei. "Er hat das Vertrauen verdient."

Marc Janko hat in der Vorbereitung in 13 Partien zwölf Tore geschossen, drei davon gegen Bohemians Prag. "Der Instinkt ist geblieben, das ist beruhigend. Auch das Schwimmen verlernst du nie." Den Trainern Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus, der immer intensiver von Bayern München träumt, sind Jankos Leistungen natürlich nicht entgangen. "Beide versicherten mir, dass ich die Zukunft von Salzburg bin." Janko hat einen Vertrag bis 2010. "Ich bleibe, warte auf meine Chancen, die ich sicher bekommen werden. Ich muss sie dann nur nützen." Trapattonis System sieht halt lediglich eine Spitze vor, Matthäus würde die Zahl gerne verdoppeln. Sollte das ein Konflikt sein, hält sich Janko jedenfalls raus.

Marc Janko spricht und versteht schon ein paar Brocken Japanisch. Wobei Brocken eine leichte Übertreibung ist. "Grüß Gott und Auf Wiedersehen." Jede Trainingseinheit wird von zehn bis 15 aufgeregten japanischen Journalisten verfolgt. "Verrückt, aber logisch", sagt Janko. Wurden doch im Winter Miyamoto und Alex verpflichtet. "Aber das ist nicht nur ein Marketingkonzept. Die beiden sind sehr gute Fußballer, bringen uns weiter. Das Klima passt, die Mannschaft ist zusammengeschweißt und noch besser."

Unterforderung

Marc Janko tun die zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Mattersburg irgendwie weh, anders halt als der Rücken. "Mir wäre weniger lieber. Die Gefahr, unterfordert zu sein, ist gegeben." Man müsse gegen die Langeweile in der Liga ankämpfen. "Wenn du bei diesem Verein bist, willst du nicht Meister werden, du musst es. Alles andere passt nicht zur Philosophie." Und dann gibt es ja das Beispiel Rosenberg Trondheim, dieser norwegische Klub hat sich nahezu regelmäßig für die Champions League qualifiziert. "Auch das muss unser Ziel sein. Das klappt in Österreich, wenn man im entscheidenden Moment ein Schäuferl nachlegt. Das ist eine reine Kopfsache."

Philosophie

Am Samstag kommen die Armutschkerln vom GAK nach Salzburg. "Wir werden gewinnen" sagt Janko, und er vermeidet das grässliche Wort "wollen". Das wäre ja eindeutig wider die Philosophie. Dass es rund um Salzburg eher kracht, bedauert er. "Ich war bis 2005 bei der Admira und weiß, wie das ist, wenn man monatelang auf sein Gehalt warten muss. Ich bin jetzt in einer glücklichen Situation.

Marc Janko telefoniert mit Teamchef Josef Hickersberger. Ungefähr alle drei Wochen. "Er erkundigt sich nach meinem Befinden und versichert mir jedes Mal, dass ich ein Thema und eine Hoffnung für die EURO 2008 bin."

Marc Janko weiß Mitte Februar 2007 noch nicht, ob er gegen den GAK von Beginn an drankommt. "Ich habe so ein bestimmtes Gefühl, eine Vorahnung, die ich aber bei mir behalten möchte." Und Marc Janko lächelt. "Denn den Instinkt verliert man nie." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe 20. Februar 2007)

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    In der Vorbereitung konnte Marc Janko endlich wieder das tun, was er als Bub gelernt hat: Tore schießen.

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